Schlaganfall, Herzinfarkt, Thrombose:

Migräne geht mit erhöhtem Risiko für Gefäßerkrankungen einher

Migräne ist in Deutschland eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen: Laut Angaben der Deutschen Gesellschaft für Neurologie leiden hierzulande rund 20 Prozent aller Frauen und 8 Prozent der Männer unter dieser besonderen Form von Kopfschmerz. Sie tritt anfallsartig, wiederholt und meist einseitig auf – und ist laut aktueller Studien für Patienten mit einem erhöhten Risiko für Gefäßerkrankungen des Gehirns und des Herz-Kreislauf-Systems verbunden. Zu diesem Ergebnis kamen Wissenschaftler aus Dänemark und den USA.

Herzinfarkt und Venenthrombose

Über 19 Jahre hinweg, von 1995 bis 2013, untersuchten die Dänen für ihre Studie 51 032 Patienten mit Migräne. Für die Kontrollgruppe zogen sie die Daten von 510 320 Personen aus der Allgemeinbevölkerung heran. Dabei zeigte sich unter anderem, dass die Probanden der Migränegruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe ein 49 Prozent höheres Risiko für einen Herzinfarkt hatten. Das Risiko einer Venenthrombose – den teilweisen oder vollständigen Verschluss eines tiefliegenden Blutgefäßes durch ein Blutgerinnsel – lag bei den Patienten um 59 Prozent höher.

Höheres Schlaganfallrisiko

Auch die US-Wissenschaftler untersuchten den Zusammenhang zwischen Migräne und Gefäßerkrankungen. In ihre Arbeit flossen Ergebnisse von insgesamt 16 verschiedenen Studien und rund 1,2 Millionen Probanden mit ein. 394 942 von ihnen waren Migränepatienten, 757 465 gehörten zur migränefreien Kontrollgruppe. Die Auswertung der Daten zeigte unter anderem: Bei den Migränepatienten lag das Risiko für einen Schlaganfall um 41 Prozent höher als bei den Probanden der Kontrollgruppe.

Besonders gefährdet: Patienten mit Aura

Die Amerikaner unterschieden bei ihrer Studie zwischen verschiedenen Ausprägungen der Migräne. In den Fokus geriet dabei insbesondere die Gruppe von Patienten, deren Migräneanfälle von einer Aura begleitet werden. Als Aura bezeichnet man Beschwerden, die den eigentlichen Kopfschmerzen vorausgehen. Dazu gehören zum Beispiel Sehstörungen wie flimmernde Blitze oder Ausfälle des Gesichtsfeldes. Auch Kribbelgefühle in einem Arm oder Bein können auftreten.

Es zeigte sich, dass Migränepatienten mit einer Aura im Vergleich zur migränefreien Kontrollgruppe ein 56 Prozent erhöhtes Risiko hatten, einen Schlaganfall zu erleiden. Zum Vergleich: Bei den Migränepatienten ohne Aura war das Risiko gegenüber der Kontrollgruppe um 11 Prozent erhöht. Das Gesamtsterblichkeitsrisiko war für Patienten mit Aura, verglichen mit der Kontrollgruppe, um 20 Prozent erhöht. Bei den Migränepatienten ohne Aura wurde diesbezüglich kein erhöhtes Risiko festgestellt.

Risikofaktoren berücksichtigen und behandeln

Allerdings sollten sich Patienten von den Ergebnissen der Studien nicht verängstigen lassen, sagt Prof. Dr. Hans-Christoph Diener von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN). „Die absolute Zahl der Ereignisse ist relativ gering.“ Er empfiehlt jedoch, dass insbesondere Frauen mit häufigen Migräneattacken, die von einer Aura begleitet wird, von ihrem Arzt gezielt nach Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen befragt werden sollten, um diese frühzeitig behandeln zu können. Zu diesen Risikofaktoren gehöre beispielsweise das Rauchen oder – speziell bei Frauen – die Einnahme der Antibabypille.

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