Studie: Versorgung von MS-Patienten

Hausärzte und Neurologen sind wichtige Ansprechpartner 

Bei Menschen, die an Multiple Sklerose (MS) erkrankt sind, treten zum Teil schwerwiegende Begleit- und Folgeerkrankungen auf. Für MS-Patienten ist eine fachübergreifende Versorgung durch verschiedene Arztgruppen daher unverzichtbar. Wissenschaftler des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) haben nun erstmals in einer deutschlandweiten Studie den Versorgungsbedarf von MS-Patienten bei Vertragsärzten untersucht. Das Ergebnis: Wichtigste Ansprechpartner für Betroffene sind Hausärzte, dicht gefolgt von Neurologen.

Hausärzte haben Steuerungsfunktionen?

Für die Studie im Rahmen des Zi-Versorgungsatlas* wurden die Abrechnungsdaten von über 142 200 MS-Patienten der Jahre 2010 bis 2015 ausgewertet und einer Vergleichsgruppe ohne MS gegenübergestellt. Dabei wurde ermittelt, dass im Jahr 2015 bundesweit 94 Prozent der MS-Patienten hausärztlich und 72 Prozent neurologisch versorgt wurden. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein MS-Patient 2015 in allen 4 Quartalen bei einem Hausarzt war, war um 30 Prozent höher als bei Patienten ohne MS. Neurologen wurden von MS-Patienten 7-mal so häufig in Anspruch genommen. Angesichts der Vielfältigkeit von Folge- und Begleiterkrankungen der MS sehen die Studienautoren dies als Hinweis dafür, dass Hausärzten neben Neurologen eine zentrale Rolle bei der Steuerung der Versorgungsprozesse zukommt. Hausärzte erfüllen somit eine wichtige Lotsenfunktion für die fachärztliche Versorgung.

Inanspruchnahme von Fachärzten

Allgemein nahm der Behandlungsbedarf bei Fachärzten mit der Erkrankungsdauer zu. Die Studie zeigt, dass neben der Neurologie 2 fachärztliche Bereiche besonders wichtig in der Gesamtversorgung der MS-Patienten sind: Auffallend hoch sind die Quoten für die Inanspruchnahme der Urologie** (20 Prozent) im Vergleich zur Kontrollgruppe (8 Prozent). Der Anteil urologisch versorgter MS-Patienten nahm von Jahr zu Jahr um 4 Prozent und über 6 Jahre (2010 bis 2015) um etwa 20 Prozent zu.

Weiteres Ergebnis: MS-Patienten können anfälliger für psychische Erkrankungen sein: Die Wahrscheinlichkeit ist laut Versorgungsatlas hier um 42 Prozent höher als bei den Vergleichspatienten. Die Studienergebnisse können eine wichtige Grundlage für die informierte und bedarfsgerechte Ausgestaltung der kostenintensiven medizinischen Versorgung der Betroffenen spielen, denn sie unterstreichen einen hohen Versorgungsbedarf bei verschiedenen Arztgruppen.

Hintergrund: Multiple Sklerose

MS ist die häufigste Autoimmunerkrankung des zentralen Nervensystems, die zumeist in Schüben verläuft und fortschreitend (chronisch) ist. Das Immunsystem greift dabei die körpereigenen Hüllen der Nervenzellen an, wodurch die Signalübertragung der Nerven gestört wird. In der Folge können schwerwiegende Symptome auftreten, wie Störungen der Bewegungskoordination und Taubheitsgefühle. Im Jahr 2015 kam es geschätzt zu 18 Neuerkrankungen pro
100 000 Versicherten. Am häufigsten erkranken Frauen und Männer im Alter von 25 bis 39 Jahren. Frauen sind etwa 2,5-mal häufiger von MS betroffen als Männer. Ursachen und Auslöser für MS sind derzeit nicht vollständig geklärt.

* Versorgungsatlas
Der Versorgungsatlas ist ein Angebot des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung in der Bundesrepublik Deutschland (Zi). Der Versorgungsatlas stellt Informationen aus der medizinischen Versorgungsforschung bereit.
Schwerpunkte: Untersuchung und Darstellung regionaler Unterschiede auf Landkarten (kartografische Darstellung). Dadurch sollen Verbesserungen der Gesundheitsversorgung in den Regionen angeregt und gefördert werden.

** Urologie
Die Urologie ist Teilgebiet der Medizin, das sich mit den Krankheiten der harnbildenden und -ableitenden Organe sowie der Geschlechtsorgane des Mannes beschäftigt.

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