Mehr Zeit für pflegebedürftige Angehörige: Rund 70.000 Menschen nutzten Möglichkeit einer beruflichen Auszeit

In Deutschland gibt es rund 360.000 pflegende Berufstätige. Seit Anfang 2015 haben sie verschiedene Möglichkeiten einer beruflichen Auszeit, um einen schwerkranken Angehörigen intensiver betreuen zu können. Diese Option nahmen in den vergangenen zwei Jahren 68.288 Menschen wahr. Dies belegen laut der Deutschen Presseagentur (dpa) aktuelle Zahlen des Bundesfamilienministeriums. Die sogenannte Pflegezeit erlaubt es Arbeitnehmern, ein halbes Jahr lang ganz oder teilweise aus dem Job auszusteigen. Dieses Angebot gibt es schon länger. Seit Anfang 2015 jedoch können die finanziellen Einbußen, die Angehörigen dadurch entstehen, durch ein zinsfreies Darlehen des Bundesamtes für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) aufgefangen werden. Dieses muss jedoch nach der Pflegezeit in Raten zurückgezahlt werden. Die Regelung gilt für Betriebe ab einer Größe von mehr als 15 Mitarbeitern.

Weitere Möglichkeiten der Pflege
Neben dem Angebot der halbjährlichen Auszeit gibt es für Berufstätige die Möglichkeit, eine sogenannte Familienpflegezeit in Anspruch zu nehmen: Im Rahmen dieser Regelung kann die Arbeitszeit für 24 Monate auf mindestens 15 Wochenstunden reduziert werden. Auch in diesem Fall ist es möglich, ein zinsloses Darlehen beim BAFzA zu beantragen. Voraussetzung für die Familienpflegezeit: Der Betrieb, bei dem der Pflegende angestellt ist, hat mehr als 25 Mitarbeiter.
Weiterhin besteht die Möglichkeit, einen pflegebedürftigen nahen Angehörigen in der letzten Lebensphase zu begleiten. Zu diesem Zweck können Arbeitnehmer eine bis zu dreimonatige vollständige oder teilweise Auszeit nehmen. Auch hier ist ein zinsloses Darlehen möglich. Darüber hinaus darf bei einer akut eintretenden Pflegebedürftigkeit in der Familie eine zehntägige Auszeit genommen werden. In diesem Fall zahlt die Pflegeversicherung einen Lohnersatz, das sogenannte Pflegeunterstützungsgeld. Dieses muss nicht zurückgezahlt werden. Die Regelung gilt für alle Betriebe, unabhängig von ihrer Größe.

Weitere Informationen zum Thema finden Sie unter anderem beim Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend unter https://www.wege-zur-pflege.de/familienpflegezeit.html

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