Masern, Grippe und Co.:

Impflücken sind regional sehr unterschiedlich

Impflücken bei Risikogruppen und regionale Unterschiede bei der Impfbeteiligung – das sind Ergebnisse aus der aktuellen KV-Impfsurveillance des Robert Koch-Instituts (RKI). Die KV-Impfsurveillance wird seit 2004 in Kooperation mit den Kassenärztlichen Vereinigungen als zusätzliche Säule für ein bundesweites Monitoring von Impfquoten durchgeführt. Die Ergebnisse werden jährlich im sogenannten Epidemiologischen Bulletin veröffentlicht. Grundlegendes Ergebnis: Es gibt weiterhin teilweise große Impflücken. Denn bei den Zielvorgaben zur Masern- und Grippeimpfung hinkt Deutschland immer noch hinterher.

Masern: Säuglinge und Kinder sind besonders gefährdet
Durch konsequentes Impfen könnten Masernerkrankungen bald komplett der Vergangenheit angehören. Alle Regionen der Weltgesundheitsorganisation (World Health Organisation (WHO)) haben es sich zum Ziel gesetzt, die Krankheit bis zum Jahr 2020 auszurotten. Der entsprechende nationale Aktionsplan fordert dazu für 15 Monate alte Kleinkinder eine Impfquote von über 95 Prozent. Erreicht wurde sie nach Angaben des Robert Koch-Instituts aber noch nicht. Sie betrug für den Geburtsjahrgang 2014 etwa 90 Prozent. Allerdings ist die Quote im Vergleich zum Geburtsjahrgang 2004 gestiegen. Damals hatten nur rund 72 Prozent der Kinder im Alter von 15 Monaten ihre erste Masernimpfung erhalten. Bei einer Erkrankung wie Masern haben gerade Säuglinge und Kleinkinder das höchste Risiko für eine Infektion oder erkrankungsbedingte Komplikation, warnt das RKI. Wird hier zu spät geimpft, werden diese Risikogruppen unnötig lange einer Infektionsgefahr ausgesetzt.

Grippe: Zu wenige ältere Menschen lassen sich impfen
Laut den Zielvorgaben der Europäischen Union sollten bis zum Jahr 2015 in allen Mitgliedsstaaten 75 Prozent der älteren Menschen gegen die jährliche Grippe (Saisonale Influenza) geimpft sein. Diese Zielvorgaben wurden aber in keinem einzigen Bundesland annähernd erreicht. Insgesamt wurde die Impfung seit der Saison 2012/13 nur noch von gut einem Drittel der Personen ab 60 Jahren in Anspruch genommen.

Unterschätztes Risiko: Während einer saisonalen Grippewelle in Deutschland erkranken zwischen zwei und zehn Millionen Menschen an Influenza. Nach Angaben des RKI gab es die meisten Todesfälle in den letzten Jahren mit geschätzten 21.300 in der Grippesaison 2014/15 (höchster Wert seit 1996) und geschätzten 20.700 im Winter 2012/13. Wer sich jährlich impfen lässt, kann das Erkrankungsrisiko verringern. Impfempfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO): Gerade ältere Menschen über 60 Jahre, alle Schwangeren ab dem 2. Drittel der Schwangerschaft, chronisch Kranke, Personen, die mit Menschen arbeiten (in medizinischen Einrichtungen, in Pflegeheimen etc.) und Personen, die viel reisen, sollten sich jährlich impfen lassen. 

Impfquote: Unterschiede in den Bundesländern
Ein weiteres Problem sieht das RKI in den regionalen Unterschieden bei der Impfbeteiligung. So sind zum Beispiel bei der Grippe die Impfquoten in den neuen Bundesländern mit 50,9 Prozent durchweg höher als in den alten Bundesländern mit 29,8 Prozent. Das Problem: Niedrige Impfquoten, auch wenn sie nur vereinzelt in einigen Regionen vorkommen, stellen ein Risiko für den Schutz der Gemeinschaft dar. Gelangt zum Beispiel ein hochansteckender Erreger wie das Masernvirus in eine Region mit niedriger Quote an Masernimpfungen, könnte es schnell vermehrt zu Ansteckungen kommen. Das Risiko ist vor allem für nicht-impffähige Personen wie Säuglinge oder Patienten mit angegriffenem Immunsystem stark erhöht.

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