Phänomen Schwangerschaftsdemenz:

Gibt es das wirklich?

Vergesslich, unkonzentriert – viele Frauen berichten, dass sie während ihrer Schwangerschaft Gedächtnisprobleme haben, schwerer Entscheidungen fällen können oder dass ihre Impulskontrolle leidet. Im Englischen wird dieses Phänomen „Baby Brain“ benannt, im Deutschen spricht man von „Schwangerschaftsdemenz“. Was ist an diesem Phänomen und an den Symptomen dran? Was vielleicht bisher auch eher belächelt wurde, konnte nun innerhalb einer Studie einer australischen Forschergruppe tatsächlich nachgewiesen werden. Die Bezeichnung „Demenz“ ist in diesem Falle allerdings irreführend. Im Gegensatz zu der neurologischen Erkrankung kommt es bei der Schwangerschaftsdemenz zu keinerlei bleibenden Schäden, sodass kein Grund zur Sorge besteht.

Schon lange vermutet, heute belegt
In einer Meta-Analyse der Deakin University Melbourne, Australien, wurde auf einer Datenbasis aus 20 Studien mit 709 Schwangeren und 521 nicht schwangeren Frauen die kognitive Leistung verglichen. Es konnte nachgewiesen werden, dass schwangere Frauen während der gesamten Schwangerschaft tatsächlich schlechtere kognitive Funktionen und schwächere Gedächtnisleistungen aufzeigen. Insbesondere im dritten Schwangerschaftsdrittel war die negative Beeinträchtigung deutlich ausgeprägt. Ein möglicher Einfluss auf die Lebensqualität und auf die Alltagsroutine der Schwangeren wurde bisher jedoch noch nicht untersucht.

Veränderung der Gehirnstruktur schwangerer Frauen
Niederländische Forscher bewiesen darüber hinaus eine langfristige Veränderung des weiblichen Gehirns. In erster Linie zeigt sich diese Veränderung anhand eines Rückgangs der grauen Masse im Gehirn, welcher sogar noch bis mindestens zwei Jahre nach der Schwangerschaft anhält. Es wird gemutmaßt, dass diese neurologischen Veränderungen in Zusammenhang stehen mit den sozialen Aufgaben, die mit der Mutterrolle und dem Aufbau der Mutter-Kind-Bindung einhergehen.

Übrigens: Bereits 1993 wurde eine kleine Gruppe Schwangere aufgefordert, eine Selbsteinschätzung zu ihrer aktuellen Gedächtnisleistung verglichen mit der vor der Schwangerschaft zu geben. Mehr als 80 Prozent der befragten Schwangeren bewerteten Ihr Gedächtnis als beeinträchtigt.

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