Plötzlicher Herzstillstand: Nur jeder dritte Deutsche erhält sofort Hilfe

Jedes Jahr erleiden in Deutschland mehr als 70.000 Menschen einen plötzlichen Herz-Kreislauf-Stillstand außerhalb eines Krankenhauses. Nur 34 von 100 dieser Notfälle erhalten eine Reanimation durch Ersthelfer bis zum Eintreffen des Notarztes, zeigen aktuelle Daten der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI).

Viele trauen sich die Wiederbelebungsmaßnahmen nicht zu. Dabei kann man dabei  letztlich nichts falsch machen, betonen Intensiv- und Notfallmediziner. Der größte Fehler sei es, aus Unsicherheit gar nicht zu helfen. Expertenschätzungen zufolge können jährlich 10.000 Menschen gerettet werden, wenn mehr Laien rechtzeitig helfen würden. Zwar hat sich die Quote der Laien-Reanimation hierzulande in den letzten fünf Jahren mehr als verdoppelt. Allerdings liegt Deutschland im europäischen Vergleich weiterhin nur im unteren Drittel. Die skandinavischen Länder schneiden besser ab: In Norwegen beispielsweise beginnen 70 von 100 Ersthelfern sofort mit der Wiederbelebung.

Leben retten mit drei einfachen Regeln: Prüfen, rufen, drücken
„Prüfen – Rufen – Drücken“ lauten die Schlagworte der Kampagne „Ein Leben retten. 100 Pro Reanimation“. Ziel der Initiative des Berufsverbandes Deutscher Anästhesisten e. V. (BDA) und der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin e. V. (DGAI) ist es, das Bewusstsein der Bevölkerung zu schärfen und über die Maßnahmen der Ersten Hilfe aufzuklären. Die Schlagworte stehen für drei einfache Regeln für eine Wiederbelebung:

Prüfen: Zuerst sollten Sie prüfen, ob der Patient noch bei Bewusstsein ist. Spüren Sie einen Luftstrom aus Mund oder Nase auf Ihrer Wange? Ist das nicht der Fall, ist von einem Herz-Kreislauf-Stillstand auszugehen. Jetzt ist größte Eile geboten!

Rufen: Als zweiten Schritt rufen Sie einen Notarzt. Benachrichtigen Sie unter der Telefonnummer 112 einen Rettungsdienst oder beauftragen Sie jemanden damit. 

Drücken: Führen Sie bis zum Eintreffen des Notarztes eine Herzdruckmassage durch. Der Patient sollte auf dem Rücken und auf einem harten Untergrund liegen. Knien Sie seitlich und möglichst nahe in Höhe des Brustkorbs. Der Druckbereich befindet sich auf der Mitte des Brustkorbs, also auf dem unteren Drittel des Brustbeines. Hier setzen Sie einen Handballen auf, platzieren auf dem Handrücken den Ballen der anderen Hand und verschränken die Finger. Drücken Sie jetzt das Brustbein fünf bis sechs Zentimeter nach unten, idealerweise mit einer Geschwindigkeit von 100 bis 120 Mal pro Minute – halten Sie dabei die Arme gerade und gehen Sie senkrecht mit den Schultern über das Brustbein. Hören Sie erst auf, wenn Hilfe eintrifft.

Zu Hause: Hier treten die häufigsten Herz-Kreislauf-Stillstände auf
Laut Angaben der DGAI treten 60 von 100 Herz-Kreislauf-Stillständen im häuslichen Umfeld auf. Entscheidend für das Überleben dieser Menschen ist eine optimale Rettungskette. Da der Rettungsdienst selten innerhalb von acht Minuten vor Ort sein kann, sind die anwesenden, nicht professionellen Ersthelfer das erste entscheidende Glied dieser Kette. Ihr schnelles Handeln kann Leben retten. Jeder kann Maßnahmen der Wiederbelebung durchführen. Wer sich unsicher ist, kann seine Kenntnisse in einem Erste-Hilfe-Kurs auffrischen.

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