Bundesweite Umfragen vom Robert Koch-Institut

Weniger als die Hälfte der befragten Erwachsenen ohne Diabetes fühlt sich gut informiert

Nach Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) sind schätzungsweise 6,7 Millionen Erwachsene in Deutschland von einem diagnostizierten oder unerkannten Diabetes betroffen. In den Medien wird die sogenannte Zuckerkrankheit oft thematisiert. Doch: Was wissen wir tatsächlich über Diabetes? Woher beziehen wir unser Wissen? Und wie vertrauenswürdig schätzen wir die Infos aus den Medien ein? Um diese Fragen zu beantworten, führte das Robert Koch-Institut im Jahr 2017 repräsentative Umfragen durch.

Gesundheitskompetenz der Bevölkerung in Deutschland

Schon eine im Jahr 2016 veröffentlichte repräsentative Studie der Universität Bielefeld zeigt: Mehr als die Hälfte, über 54 Prozent, der Bevölkerung in Deutschland sieht sich im Umgang mit gesundheitsrelevanten Informationen vor erhebliche Probleme gestellt. Auf der Internetseite des „Nationalen Aktionsplans Gesundheitskompetenz“, einer zivilgesellschaftlichen Initiative, die von einer Gruppe von Wissenschaftlern mit finanzieller Unterstützung der Robert Bosch Stiftung ins Leben gerufen wurde, steht weiter: Der Mehrheit fällt es folglich nach eigenen Angaben schwer, gesundheitsrelevante Informationen zu finden, zu verstehen, richtig einzuordnen, zu bewerten und zu nutzen, um beispielsweise bei gesundheitlichen Beeinträchtigungen die passende Hilfe ausfindig zu machen. Um das Wissen und die Gesundheitskompetenz speziell zu Diabetes zu erfragen, führte das Robert Koch-Institut (RKI) im Jahr 2017 eine repräsentative Umfrage durch.  

Befragte mit Diabetes: Interesse an Informationen zur Behandlung und Therapie

Was wissen Menschen in Deutschland über Diabetes? Welche Informationen wünschen sie sich dazu, welche Infoquellen nutzen sie? Um Antworten geben zu können, führte das Robert Koch-Institut eine bundesweite telefonische Umfrage durch: Zu „Krankheitswissen und Informationsbedarfe – Diabetes mellitus (2017)“ wurden insgesamt 2.327 Personen ohne und 1.479 Menschen mit diagnostiziertem Diabetes zwischen 18 und 97 Jahren befragt. Die Ergebnisse wurden in diesem Jahr im Journal of Health Monitoring veröffentlicht. Umfrageergebnisse: 56,7 Prozent der Befragten ohne Diabetes und 92,8 Prozent der Befragten mit Diabetes schätzen ihr Diabeteswissen als sehr gut oder gut ein. Befragte ohne Diabetes empfinden das größte Bedürfnis nach Informationen zum Thema „Lebensstilanpassungen, Gesundheitsförderung und Vorbeugung“, Befragte mit Diabetes zum Thema „Behandlung und Therapie“.

Wichtigste Informationsquelle für Menschen mit Diabetes: der Hausarzt

Bei den teilnehmenden Diabetikern stellte sich heraus, dass der behandelnde Arzt/Hausarzt die häufigste genannte Informationsquelle ist (91,8 Prozent). Dann folgen gedruckte Informationen (83,7 Prozent), der Facharzt/Diabetologe (59,6 Prozent), Informationsprogramme für Diabetiker (57,6 Prozent) sowie der Diabetesberater (45,6 Prozent). Weitere Ergebnisse bei den Befragten mit Diabetes: Von den Befragten mit diagnostiziertem Diabetes empfanden 55,7 Prozent die Erkrankung als schwerwiegend oder sehr schwerwiegend. Die Befragten fühlten sich am wenigsten gut informiert zu „Unterstützungsangeboten, Anlaufstellen und Informationsquellen“. Hier fühlten sich nämlich nur 57,1 Prozent gut oder sehr gut informiert. Dagegen fühlten sich besonders viele teilnehmende Diabetiker (72,2 Prozent) zu „Lebensstilanpassung, Gesundheitsförderung, Prävention“ gut oder sehr gut informiert.

Befragte ohne Diabetes: Fast ein Drittel hat sich schon einmal aktiv über Diabetes informiert

Ergebnisse bei Befragten ohne Diabetes: Fast ein Drittel hat sich schon einmal aktiv über die Erkrankung informiert – am häufigsten über gedruckte Informationen wie Broschüren, Zeitungen, Zeitschriften, Bücher (83,9 Prozent), am zweithäufigsten über Websites zum Thema Gesundheit und Diabetes (49,3 Prozent). Die dritthäufigste Infoquelle ist der Hausarzt/behandelnde Arzt (47,2 Prozent), dann folgen Radio- oder Fernsehsendungen (43,4 Prozent). Teilnehmende mit mittlerer oder hoher Bildung nutzten häufiger Websites als Informationsquellen als diejenigen mit niedriger Bildung. Fast zwei Drittel der Befragten (65 Prozent) hielten Diabetes für eine schwerwiegende oder sehr schwerwiegende Erkrankung. Zum Thema „Diabetesursachen“ fühlten sich 44 Prozent der Teilnehmenden gut oder sehr gut informiert, während sich zu den Themen „Krankheitsverlauf“, „Behandlung, Therapie“ und „Folgeerkrankungen“ zwischen 36 Prozent und 41,2 Prozent gut oder sehr gut informiert fühlten. Die hier dargestellten Ergebnisse zeigen, dass sich etwa nur die Hälfte der befragten Erwachsenen ohne Diabetes gut bis sehr gut informiert fühlt.

Wie vertrauenswürdig sind die Infos aus den Medien? In beiden Gruppen zeigte sich ein auffallendes Ergebnis zum Thema „Selbstwahrgenommene Vertrauenswürdigkeit und Verständlichkeit von Informationen“: Jeweils die Hälfte der Befragten findet es schwierig beziehungsweise sogar sehr schwierig, die Vertrauenswürdigkeit von Informationen zu Diabetes in den Medien einzuschätzen und zu beurteilen.

Was passiert mit den Ergebnissen der RKI-Studie? Diese fließen in die vom RKI koordinierte Nationale Diabetes-Surveillance ein, ein Diabetes-Überwachungssystem als Grundlage für gesundheitspolitische Maßnahmen: Die Daten werden von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zur Entwicklung von Strategien für eine verbesserte Information der Bevölkerung zum Thema Diabetes genutzt.

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