Drogen- und Suchtbericht 2017:

Trend zum Rauschtrinken bei Frauen

Der Trend, zu einzelnen Anlässen und innerhalb kurzer Zeit hohe Mengen Alkohol zu konsumieren, ist in Deutschland kein reines Männerproblem mehr. Dies zeigt der Drogen- und Suchtbericht 2017 der Bundesregierung. Den Autoren zufolge gehen Frauen zunehmend häufiger dem sogenannten episodischen Rauschtrinken nach.

Beide Geschlechter nähern sich einander an

Als Grundlage nutzten die Autoren unter anderem den Epidemiologischen Suchtsurvey aus dem Jahr 2015, eine bundesweite Befragung in der Wohnbevölkerung von 18 bis 64 Jahren. Von Interesse war dabei, wie oft die Befragten im Allgemeinen mindestens fünf alkoholische Getränke pro Tag zu sich nehmen (sogenanntes Rauschtrinken) und wie oft sie dies im letzten Monat getan haben.

Ein Ergebnis: Die Anzahl der Frauen, bei denen ein Rauschtrinken vorkommt, stieg ab dem Jahr 2000 von 13,0 Prozent auf 16,1 Prozent im Jahr 2015. Bei den Männern hingegen ist der Trend rückläufig: Die Anzahl der Betroffenen sank seit dem Jahr 1995 von 47,5 Prozent auf 36,7 Prozent im Jahr 2015. Somit nähern sich die Werte beider Geschlechter einander an.

Langfristige Folgen für die Gesundheit

Unter einem anhaltenden Alkoholmissbrauch leiden beinahe alle Organe, daher kann ein chronischer Alkoholkonsum schwere Schäden im ganzen Körper hervorrufen. Doch auch gelegentliches Trinken bis zum Rausch kann das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen deutlich erhöhen. Darauf weist die Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung (BzgA) hin. Zudem steige die Gefahr eines Schlaganfalls sowie von Herzrhythmusstörungen. Das Gehirn könne Schaden nehmen, da bei jedem Rausch Millionen von Gehirnzellen absterben.

Vermindertes Urteilsvermögen

Ab etwa einer Promille sprechen Experten von einem Rauschstadium. In dieser Menge bewirkt der Alkohol im Körper verschiedene Reaktionen: Die Orientierung und das räumliche Sehen verändern sich, die Reaktionsfähigkeit wird erheblich gestört. Die Risikobereitschaft steigt, während das Urteilsvermögen herabgesetzt wird. Daher neigen Betrunkene oft zu leichtsinnigem Verhalten, wodurch es unter anderem im Straßenverkehr zu Unfällen kommen kann. Auch vorübergehendes enthemmtes Verhalten kann auftreten: Häufig fördert Alkohol beispielsweise aggressives Verhalten.

Extreme Formen des Rauschtrinkens werden als „Komasaufen“ bezeichnet. Steigt der Blutalkohol auf rund 3 Promille, kann eine Bewusstlosigkeit eintreten oder ein lebensgefährlicher Atemstillstand eintreten.

Hochkonsumland Deutschland

Der Drogen- und Suchtbericht 2017 liefert außerdem aktuelle Zahlen zur Alkoholmenge, die die Bundesbürger im Durchschnitt konsumieren. Bei Männern ist sie gesunken: Während sie 1995 noch 22,7 Gramm Reinalkohol pro Kopf und Tag zu sich nahmen, waren es 2015 noch 16,2 Gramm. Bei den Frauen blieb die Menge beinahe konstant. Sie sank leicht von 8,9 Gramm auf 8,5 Gramm reinen Alkohol pro Tag.

Insgesamt ist der Alkoholkonsum in der Allgemeinbevölkerung somit rückläufig. Dennoch zählt Deutschland im weltweiten Vergleich zu den sogenannten Hochkonsumländern. Der weltweit geschätzte Durchschnitt liegt bei 6,04 Litern Alkohol pro Erwachsenem und Jahr. In Deutschland sind es 12,14 Liter.

Gut zu wissen:
Als gesundheitlich unbedenklich gibt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung eine tägliche Obergrenze von 12 Gramm reinem Alkohol für erwachsene, gesunde Frauen sowie 24 Gramm für erwachsene, gesunde Männer an.

Zum Vergleich: Ein Glas Wein (100 ml, mit 11 Vol.-%) enthält 8,8 Gramm reinen Alkohol, in einer Flasche Bier (330 ml, mit 4,8 Vol.-%) stecken 12,7 g Alkohol. Zudem sollten Männer wie Frauen an mindestens zwei Tagen in der Woche gar keinen Alkohol trinken.

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