Bundesweite Studie/Umfrage des RKI

Grippeschutz in deutschen Kliniken ist unzureichend

Die Mehrheit des Klinikpersonals ist nicht gegen die saisonale Grippe geimpft: Denn nur 40 Prozent der Mitarbeiter von insgesamt 54 deutschen Kliniken haben sich nach eigenen Angaben in der Influenza-Saison 2016/2017 impfen lassen. Das Pflegepersonal nahm mit 33 Prozent die Grippeschutzimpfung am wenigsten wahr. Das bestätigt aktuell eine große Umfrage des Robert Koch-Instituts (RKI) mit dem Namen OkaPII (Online-Befragung von Klinikpersonal zur Influenza-Impfung).

Bei der bundesweiten Online-Befragung, an der über 5.822 Menschen teilnahmen, wurden Fragen gestellt zu: aktuellem Impfstatus, Impfhistorie und Impfabsicht, außerdem zu Gründen für und gegen eine Impfung. Kernergebnis: Nur 40 Prozent der Mitarbeiter von insgesamt 54 Kliniken in Deutschland haben sich nach eigenen Angaben in der Saison 2016/2017 gegen Influenza impfen lassen. Die Studie wurde unter anderem in folgende Kategorien eingeteilt: Geschlecht, Alter, Berufsgruppen, Arbeitsumfelder, chronische Krankheiten, Patientenkontakt, Impfangebot am Arbeitsplatz, Anzahl von Impfungen in den letzten 5 Jahren.

Ärzte nutzen die Impfung am meisten, Pflegepersonal am wenigsten

Weitere Ergebnisse sind unter anderem: Geschlecht: Von den männlichen Teilnehmern (Minderheit: 1.683) waren immerhin knapp 47 Prozent geimpft, von den weiblichen Teilnehmern (Mehrheit: 4.139) nur 37 Prozent.
Berufsgruppen: 61 Prozent der Ärzte haben die Grippeschutzimpfung wahrgenommen, das Laborpersonal noch zu 54 Prozent. Beim Pflegepersonal waren lediglich knapp 33 Prozent geimpft, Menschen in therapeutischen Berufen nutzten die Impfung mit nur 34 Prozent ähnlich gering.
Arbeitsumfeld: Am häufigsten geimpft war das Personal im Labor und technischen Funktionsbereichen (49 Prozent), in der Ambulanz (47 Prozent) sowie auf der Intensivstation (46 Prozent). Im Bereich OP: 39 Prozent; am wenigstens geimpft: Menschen im Büro und in der Verwaltung mit rund 35 Prozent.
Alter: Je älter die Mitarbeiter, desto höher auch die Impfquote. Zum Vergleich: Im Alter von 18 bis 24 Jahren waren nur 23 Prozent geimpft, von 25 bis 34 Jahren waren es rund 30 Prozent, von 35 bis 44 Jahren dann rund 40 Prozent, von 45 bis 54 Jahren schon 45 Prozent und bei den über 55-Jährigen waren immerhin 52 Prozent geimpft. 

Häufige Gründe dafür und dagegen

Teilnehmer, die sich für eine Impfung entschieden hatten, gaben als Grund am häufigsten den Selbstschutz an. Der Schutz der Patienten war diesem Grund nachgeordnet. Doch warum entschieden sich die Befragten gegen eine Impfung? Hier gab es Unterschiede zwischen den Berufsgruppen: Die Ärzte gaben vor allem organisatorische Gründe an. Dem Pflegepersonal und dem Personal aus therapeutischen Berufen dagegen fehlte es vor allem an Vertrauen in die Sicherheit und Effektivität der Influenza-Impfung.

Das RKI verweist jedoch darauf, dass die jährliche Grippeschutzimpfung die wichtigste Maßnahme zur Vorbeugung einer Influenza-Erkrankung ist.

Wer sollte sich impfen lassen? Gerade chronisch Erkrankte, ältere Menschen sowie Schwangere sollten sich impfen lassen. Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut empfiehlt die Influenza-Impfung aber auch für medizinisches Personal – und das aus mehreren Gründen:

  • Die Impfung dient zum einen dem individuellen Schutz des Klinikpersonals vor Erkrankung, zudem reduziert sie die Weiterverbreitung des Virus im Krankenhaus und damit das Auftreten von bestimmten Infektionen.
  • Durch die Impfung kann folglich potenziellen Influenza-Infektionen von Krankenhauspersonal und damit krankheitsbedingten Personalengpässen in den Kliniken während der Influenza-Saison vorgebeugt werden. 
  • Außerdem können sogenannte nosokomiale Übertragungen auf Risiko-Patientengruppen verhindert werden. Nosokomiale Infektionen sind Infektionen, die Patienten im Zusammenhang mit einer stationären oder ambulanten medizinischen Maßnahme erwerben. Betroffen sind zum Beispiel Patienten, die zuvor operiert worden sind, dadurch noch bettlägerig oder immungeschwächt sind. Denn diese Patientengruppen können ein erhöhtes Risiko aufweisen und zum Beispiel schwere Grippeverläufe mit Lungenentzündung (Pneumonie) entwickeln oder sogar eine Blutvergiftung (Sepsis) erleiden.

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