Modellversuch: Patienten bekommen Antibiotika nur nach einem Test verschrieben

Niedergelassene Ärzte im Großraum Duisburg-Essen sollen seit dem 1. Januar 2017 nur noch Antibiotika verordnen, die Patienten nachweislich helfen. Damit wollen der BKK-Landesverband Nordwest und die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein die Versorgungsflut stoppen. Sie setzen mit diesem regionalen Modellversuch ein Zeichen gegen die Entwicklung von multiresistenten Keimen.

Test soll Wirksamkeit erst belegen
Zunächst soll ein Wirksamkeitstest beim Patienten bestätigen, dass das Mittel helfen kann – und erst dann soll ein Antibiotikum verschrieben werden. Darauf haben sich der BKK-Landesverband Nordwest und die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein vertraglich geeinigt. Diese Einigung ist am 1. Januar 2017 in Kraft getreten und soll zunächst bis Ende 2018 laufen. Diese bundesweit einmalige Vereinbarung ist ein besonderer Modellversuch im Raum Essen-Duisburg und beträfe zunächst über 180.000 BKK-Versicherte. Danach könnte eine einheitliche nationale Regelung folgen.

Missstände in der Verordnung von Antibiotika
Ziel ist es, künftig Millionen Patienten zu ersparen, überflüssige Antibiotika einzunehmen und das Risiko von Resistenzen aufzubauen. Ein sparsamer und sinnvoller Einsatz von Antibiotika würde dem Gesundheitssystem zudem Millionenkosten ersparen.
Nach Angaben des BKK Landesverbandes wurde bei etwa sieben Millionen Versicherten aus 13 Bundesländern festgestellt, dass etwa 95 Prozent der ärztlich verordneten Antibiotika offenbar ohne diagnostische Absicherung verschrieben werden. Bei dieser Überprüfung kam heraus, dass jeder dritte Patient sogar zwei oder mehr Antibiotika verschrieben bekommt. Übrigens: Ärzte in Nordrhein-Westfalen sollen zu den verschreibungsfreudigsten im Bund gehören.

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