Umfrage zu Depressionen 

Wissenslücken bei Bevölkerung und Betroffenen

Eine Depression ist eine medizinisch anerkannte Erkrankung, die jeden Menschen treffen kann und ärztlich behandelt werden sollte. Doch das Wissen über die Erkrankung, zum Beispiel über die möglichen Ursachen oder Therapiemöglichkeiten, ist in der Bevölkerung lückenhaft. Zu diesem Ergebnis kam das erste „Deutschland-Barometer Depression“ der Stiftung Deutsche Depressionshilfe und der Deutsche Bahn Stiftung.

An der Onlinebefragung, die im Juni 2017 stattfand, nahmen 2.009 Personen aus der Allgemeinbevölkerung im Alter zwischen 18 und 69 Jahren teil. 22,9 Prozent der Befragten hatten nach eigenen Angaben bereits selbst einmal die Diagnose Depression erhalten. 36,6 Prozent hatten einen Angehörigen oder Bekannten, bei dem eine Depression festgestellt worden ist. Eine zweite Befragung richtete sich gezielt an Betroffene der Erkrankung. Bei diesen handelte es sich um Nutzer der Onlineangebote der Stiftung Deutsche Depressionshilfe. Sie alle berichteten, bereits selbst die Diagnose Depression erhalten zu haben. An der Betroffenenbefragung nahmen 990 Erwachsene im Alter von 18 bis 69 Jahren teil.

Erbliche Faktoren unterschätzt
Überprüft wurden bei beiden Gruppen die Ansichten und Einstellungen bezüglich der Erkrankung. Alle Teilnehmer erhielten die gleichen Fragen. Ihre Antworten zeigten, dass beim Thema Depression irrtümliche Annahmen verbreitet sind – sowohl bei Betroffenen als auch in der Allgemeinbevölkerung. Beispielsweise wurden belastende Lebensereignisse beziehungsweise widrige Lebensumstände am häufigsten als Ursache einer Depression angesehen. So stuften 95,7 Prozent (Allgemeinbevölkerung) beziehungsweise 97,2 Prozent (Betroffene) der Befragten „Schicksalsschläge“ als relevant oder sehr relevant für die Entstehung einer Depression ein. Bei den „Belastungen am Arbeitsplatz“ waren es 93,9 Prozent (Allgemeinbevölkerung) beziehungsweise 97,8 Prozent (Betroffene).

Allerdings gibt es für eine Depression selten nur eine einzige Ursache. Meist kommen mehrere Faktoren zusammen, die zur Entstehung der Erkrankung führen. Auch erbliche Faktoren können eine Rolle spielen. Dies wussten jedoch nur 62,8 Prozent der Allgemeinbevölkerung und 77 Prozent der Betroffenen. Dass mit der Erkrankung zudem Stoffwechselstörungen im Gehirn einhergehen können, schätzten 66,3 Prozent der Allgemeinbevölkerung und 84,9 Prozent der Betroffenen richtig ein. Die Betroffenen sind also im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung informierter darüber, dass bei der Entstehung von Depression neben psychosozialen auch biologische Faktoren eine Rolle spielen können. Dennoch sahen auch in ihrer Gruppe 17,6 Prozent die Erkrankung als Zeichen einer Charakterschwäche an. Bei der Allgemeinbevölkerung waren es 31,1 Prozent.

Auch bei den Behandlungsmöglichkeiten der Depression weisen die Deutschen noch Wissenslücken auf. Bei der Umfrage stellte sich heraus, dass jeder fünfte Befragte glaubt, dass „Schokoladeessen“ (etwa 18 Prozent) oder „Sichzusammenreißen“ (19 Prozent) geeignete Mittel gegen die schwere Erkrankung seien. Depressionen werden gemäß der nationalen Versorgungsleitlinie mit Antidepressiva und/oder Psychotherapie behandelt.

Vorbehalte gegen Antidepressiva

Beim Thema Antidepressiva zeigten sich insbesondere bei der Allgemein-bevölkerung noch Vorurteile. 78,3 Prozent waren der Ansicht, dass die Medikamente süchtig oder abhängig machen (Betroffene: 36 Prozent). 71,8 Prozent gingen davon aus, dass Antidepressiva den Charakter verändern (Betroffene: 35,1 Prozent). Tatsächlich sei es jedoch die Krankheit selbst, die bei den Betroffenen zu schweren Veränderungen im Erleben und Verhalten führen, betont Prof. Dr. Ulrich Hegerl, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe. Antidepressiva hingegen wirkten in erster Linie den gestörten Funktionsabläufen im Gehirn entgegen. 

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