IGeL-Monitor 2018:

Individuelle Gesundheitsleistungen auf dem Prüfstand

Jeder zweite Patient bekommt beim Arztbesuch Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) angeboten, die privat zu bezahlen sind. Etwa 1 Milliarde Euro geben gesetzlich Versicherte jährlich in deutschen Arztpraxen für solche Leistungen aus. Der IGeL-Monitor hat in einer repräsentativen Umfrage erstmals die Top 10 der meistverkauften IGeL ermittelt. Das Ergebnis: Die Liste wird von Leistungen angeführt, die vom IGeL-Monitor als „negativ“ oder „tendenziell negativ“ bewertet wurden. Viele der Topseller widersprechen Empfehlungen medizinischer Fachverbände.

Platz 1: Augeninnendruckmessung zur Früherkennung von grünem Star
Ermittelt wurde die Top-10-Liste im Auftrag des Medizinischen Dienstes des GKV-Spitzenverbands (MDS) vom Marktforschungsinstitut aserto. Befragt wurden insgesamt 2.072 gesetzlich Versicherte. Auf Platz 1 ist die Augeninnendruckmessung zur Glaukom-Früherkennung (grüner Star). Diese Maßnahme wurde jedem 5. Versicherten (22 Prozent) angeboten, der mit IGeL beim Praxisbesuch in Kontakt kam. Dicht dahinter folgt auf Platz 2 der Ultraschall der Eierstöcke zur Krebsfrüherkennung. 30 Prozent der befragten Frauen bekamen diese Leistung angeboten und machten davon Gebrauch. Auch der Ultraschall des Bauchraums und der PSA-Test zur Früherkennung von Prostatakrebs bei Männern gehören zu den Bestsellern.

IGeL-Monitor sieht Arztempfehlungen kritisch

Die IGeL (siehe  „Hintergrund IGE-Leistungen“) werden von den Ärzten oft als medizinisch notwendig bezeichnet, obwohl häufig das Gegenteil der Fall ist. „Die Bewertungen des IGeL-Monitors sind oft im Einklang mit nationalen und internationalen Leitlinienempfehlungen. Dagegen raten sie von den IGeL, so wie sie in der Praxis angeboten werden, eher ab“, sagt Dr. Michaela Eikermann, Leiterin des Bereichs Evidenzbasierte Medizin beim MDS. Zum Beispiel handelt es sich beim Ultraschall der Eierstöcke um eine Leistung, von der die Fachgesellschaft der Frauenärzte abrät. In Studien konnte bisher kein Nutzen gezeigt werden, es kann sogar durch Überdiagnosen zu erheblichen Schäden kommen. Darum bewertet auch der IGeL-Monitor diese Untersuchung als tendenziell negativ.

Bereinigung des IGeL-Marktes

Dies sei auch bei den Ärzten bekannt. Aber Eikermann betont: „Wissen und daraus abgeleitete Empfehlungen, die aus aufwendig entwickelten evidenzbasierten Leitlinien resultieren, kommen in der Arztpraxis nicht an.“ Hintergrund: Nach den Prinzipien der Evidenzbasierten Medizin soll medizinisches Handeln immer auf der Basis der besten zur Verfügung stehenden Daten begründet sein. Zur Bereinigung des IGeL-Marktes und zum Schutz der Patienten vor unnötigen und schädlichen Leistungen müsse laut MDS das vorhandene Wissen in die allgemeine medizinische Versorgung gebracht werden. Der MDS sieht hier die medizinischen Fachgesellschaften und Fachverbände in der Pflicht.

Patienten fühlen sich oft unter Druck gesetzt

Auch das Vertrauen der Patienten zu den Ärzten sei gefährdet, denn Mediziner bieten IGe-Leistungen nur selten auf Wunsch der Patienten an. Auf die Frage, ob sie selbst IGe-Leistungen angefragt hatten, gaben nur 4 Prozent der Teilnehmer an, dass die Initiative von ihnen selbst ausging. Mehr als jeder 3. Patient berichtete sogar, dass er sich bei der Entscheidung bedrängt oder unter Druck gesetzt fühlte.

Hintergrund IGe-Leistungen (IGeL)

Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) müssen von Kassenpatienten selbst bezahlt werden. Dabei handelt es sich um ärztliche Leistungen, die per Gesetz nicht zum festgeschriebenen Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) gehören. Das können zum Beispiel neben IGe-Leistungen auch Atteste oder Reiseimpfungen sein, aber auch medizinische Maßnahmen zur Vorsorge, Früherkennung und Therapie.

Das Internetportal www.igel-monitor.de wird vom Medizinischen Dienst des GKV-Spitzenverbands (MDS) betrieben. Es bietet Versicherten eine wissenschaftlich fundierte Entscheidungshilfe für oder gegen die Inanspruchnahme von Selbstzahlerleistungen. Für die Bewertung von Nutzen und Schaden einer IGe-Leistung recherchiert das Team aus Medizinern und Methodikern beim MDS in medizinischen Datenbanken und wertet die Informationen systematisch aus. Die Wissenschaftler wägen Nutzen und Schaden gegeneinander ab und fassen das Ergebnis in einer Bewertungsaussage zusammen, die von „positiv“, „tendenziell positiv“ und „unklar“ bis zu „tendenziell negativ“ und „negativ“ reicht.

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