KiGGS-Studie:

Kinder aus sozial schwachen Familien sind häufiger übergewichtig

Ob durch ihr Einkaufsverhalten, Essensrituale oder das Fördern beziehungsweise Ausbremsen des natürlichen Bewegungsdrangs – Eltern prägen das Gesundheitsbewusstsein ihrer Kinder. Wie groß dabei der Einfluss der sozialen Herkunft ist, hat nun eine Folgeerhebung, die sogenannte Welle 2 der „Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland" (KiGGS) ergeben.
Das Ergebnis: Sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche ernähren sich häufiger ungesund, bewegen sich seltener und sind zu einem größeren Anteil übergewichtig oder adipös (fettleibig) als gleichaltrige Mädchen und Jungen aus sozial bessergestellten Familien. Die Wissenschaftler warnen aber vor einseitigen Schuldzuweisungen.

Gesundheitsdaten von Kindern und Jugendlichen

Insgesamt nahmen an der Erhebung von KiGGS (von 2014 bis 2017) 15.023 Kinder und Jugendliche teil, davon 13.568 im Alter von 3 bis 17 Jahren. Zusätzlich bestimmten die Wissenschaftler den sozioökonomischen Status (kurz: SES) mit einem Index. Dieser beruht auf Angaben der Eltern zu ihrem Bildungsstand, ihrer beruflichen Stellung und der Einkommenssituation. Von insgesamt 3.437 Teilnehmern wurden Daten zu Körpergröße und Körpergewicht erfasst. Es stellte sich heraus, dass rund 15 Prozent der untersuchten Kinder und Jugendlichen übergewichtig waren, rund 6 Prozent sogar adipös. Dabei war der Anteil der Übergewichtigen in sozial benachteiligten Familien deutlich größer als in sozial bessergestellten:

  • Statusgruppe mit niedrigem SES: 25,5 Prozent Übergewichtige
  • Statusgruppe mit mittlerem SES: 15,5 Prozent Übergewichtige
  • Statusgruppe mit hohem SES: 7,7 Prozent Übergewichtige

Eltern haben wichtige Vorbildfunktion

Eine wichtige Vorbildfunktion haben dabei die Eltern. Sie können zum Beispiel durch ihr Einkaufsverhalten und die Zubereitung ausgewogener Mahlzeiten die Weichen für ein gesundes Leben ihrer Kinder stellen. Zudem können sie ihre Kinder zu mehr Bewegung motivieren. Allerdings betonen die Studienautoren, dass es auch von den jeweiligen Wohnverhältnissen abhängt, wie gesund Kinder und Jugendliche aufwachsen. Gibt es in der Nähe Grünflächen und Sportangebote sowie ein geringes Verkehrsaufkommen, dann ist der Anreiz für mehr Bewegung in der Freizeit höher. Dominieren in der Nachbarschaft vor allem Fast-Food-Angebote, kann dies die Ernährungsgewohnheiten negativ beeinflussen.

Maßnahmen an konkrete Lebensbedingungen anpassen

Diese Lebensumstände dürfen nach Ansicht der Studienautoren keinesfalls außer Acht gelassen werden, da es sonst zu einseitigen Schuldzuweisungen kommen könne. Auch haben sich in der Vergangenheit erzieherische Ansätze und Einzelmaßnahmen wie Trainings- oder Kursangebote, die auf eine Verhaltensänderung des Einzelnen abzielen, als wenig effektiv erwiesen. Das Problem: Diese kommen bei sozial benachteiligten Gruppen kaum an. Erfolg versprechender seien Maßnahmen, die an den konkreten Lebensbedingungen der Betroffenen ansetzen. So sollte das Ziel darin bestehen, die Lebensumstände der Menschen so zu verändern, dass es ihnen leichter fällt, gesundheitsförderliche Entscheidungen zu treffen.

Tipp: Informationen zur „Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland“ (KiGGS) finden Sie unter: https://www.kiggs-studie.de/deutsch/studie.html#c648

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