Aktuelle Studie: Naturvolk am Amazonas hat besonders gesunde Gefäße

In einer Studie haben amerikanische Forscher ein Naturvolk, das am Amazonas in Bolivien lebt, gesundheitlich unter die Lupe genommen. Im Fokus der Unter-suchungen stand die Herz-Kreislauf-Gesundheit des Stammes der Tsimane. Dieser Stamm ist sesshaft und lebt einen vorindustriellen Lebensstil. Dieser ist geprägt durch Fischfang, Jagd, Landwirtschaft und Sammlertätigkeit.

Messung verschiedener Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Im Rahmen der Untersuchungen wurden bei über 700 Eingeborenen des Stammes der Tsimane im geschätzten Alter zwischen 40 und 94 Jahren sogenannte koronare Kalk-Score-Messungen vorgenommen. Es wurden weitere Risikofaktoren untersucht, die außerdem Herz-Kreislauf-Erkrankungen begünstigen und darauf hinweisen – wie zum Beispiel den Cholesterinwert LDL und den hoch-sensitiven CRP-Wert. CRP ist ein Eiweißstoff, der immer dann gebildet wird, wenn eine Entzündung im Körper beginnt. Dieser unterstützt die körpereigene Immunabwehr gegen Erreger, die Erkrankungen verursachen. Für Mediziner ist dieses Eiweiß ein zuverlässiger und frühzeitiger und somit ein wichtiger Entzündungsparameter.

Studie sorgt für erstaunliche Ergebnisse
Die Ergebnisse sind vor Kurzem veröffentlicht worden. Erstaunlich: Nur bei jedem zehnten bis zwanzigsten Studien-Probanden wurde Bluthochdruck festgestellt. Etwa genauso viele waren fettleibig und hatten einen erhöhten BMI-Wert. Außerdem: Unabhängig vom Alter hatte nur rund jeder zehnte einen erhöhten LDL-Cholesterinwert.

Verblüffende Gesamtergebnisse: Bei etwa 85 Prozent aller teilnehmenden Eingeborenen stellten die Wissenschaftler fest, dass es keine Hinweise für ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko gibt. Bei weiteren 13 Prozent stellte sich ein niedriges Risiko heraus. Und beim letzten Anteil von lediglich zwei Prozent kam heraus, dass es ein moderates oder hohes Risiko gibt für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Besonders hervorzuheben ist, dass gerade bei den Eingeborenen über 75 Jahren (geschätztes Alter) über 65 Prozent keinerlei Indiz auf ein erhöhtes koronares Risiko aufweisen und nur acht Prozent hatten ein moderates oder hohes Risiko.

Zum Vergleich zogen die Forscher eine bevölkerungsbasierte Kohorte von US-Erwachsenen heran (zwischen 45 und 84 Jahren). Hier hat jeder zweite Teilnehmer ein moderates oder hohes Risiko – und nur 15 Prozent hatten kein erhöhtes Risiko.

Man kann daher sagen, dass das Naturvolk in Bolivien besonders gesunde Arterien und Gefäße hat.

Woran liegt das?
Die guten Ergebnisse führen die Wissenschaftler auf den Lebensstil zurück. Die Eingeborenen sind zum Beispiel körperlich sehr aktiv und während ihrer Wach-Zeit fast immer in Bewegung. Zum Vergleich zogen die Forscher US-Durchschnitts-erwachsene heran, die prinzipiell nur die Hälfte ihrer Wach-Zeit aktiv sind. Zudem rauchen die Stammes-Bewohner wenig. Ernährung: Hier liegt der Anteil der Kohlenhydrate sehr hoch (über 70 Prozent) und die durchschnittliche Fettaufnahme ist sehr niedrig (etwa 38 Gramm pro Tag). Überwiegend essen die Probanden ballaststoffreiche Kohlenhydrate wie zum Beispiel Reis und Nüsse. Und die Proteine kommen hauptsächlich von selbst gejagten Tieren und Fischen.

Zum Hintergrund: Der Stamm der Tsimane, der etwa 16.000 Menschen umfasst, lebt in einem abgeschiedenen Gebiet des Amazonas-Regenwaldes. Die Eingeborenen, die in mehreren Dörfern leben, werden schon seit längerer Zeit von verschiedenen Wissenschaftlern wie Anthropologen und Gesundheitswissen-schaftlern in einem Forschungsprojekt begleitet und beobachtet. Untersucht werden die Lebensstilfaktoren der Eingeborenen und wie stark diese zu welchen Erkrankungen beitragen.

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