Ergebnisse zeigen: Schon leichtes Übergewicht kann das Herz schädigen

Studie stellt Adipositas-Paradoxon infrage

Ein paar Pfunde zu viel auf den Rippen sind nicht nur ungefährlich, sondern sogar gut für die Herzgesundheit – das besagt das „Adipositas-Paradoxon“. Eine Studie untersuchte diese Aussage – mit dem Ergebnis: Schon leichtes Übergewicht scheint das Risiko für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung zu erhöhen.

Für ihre Studie werteten Wissenschaftler der School of Medicine, University of Glasgow in Schottland Daten von rund 300.000 Menschen über einen Zeitraum von durchschnittlich fünf Jahren aus. Die Probanden waren im Schnitt 55 Jahre alt, weiß, europäischer Abstammung und ohne kardiovaskuläre Vorerkrankung. Der Frauenanteil lag bei 42,2 Prozent.

Welche Faktoren können Herz-Kreislauf-Erkrankungen begünstigen?

Für die Untersuchungen besuchten die Studienteilnehmer Assessment-Zentren, wo sie einen Fragebogen ausfüllten, physikalische Messungen durchführten und biologische Proben zur Verfügung stellten. Die Forscher untersuchten unter anderem den Einfluss von Body-Mass-Index (BMI) und Hüftumfang auf das Risiko, eine kardiovaskuläre Erkrankung zu bekommen.

Die Ergebnisse: Das geringste Risiko für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung hatten Menschen mit einem BMI zwischen 22 bis 23. Die Forscher definierten 22 als Basiswert für ihre Untersuchung. Ein Anstieg des Körpergewichtes um 5,2 Kilogramm (Männer) beziehungsweise 4,3 Kilogramm (Frauen) und eine Erhöhung des BMIs über den Wert 22 erhöhte die Wahrscheinlichkeit für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung um 13 Prozent. Mit einer Erhöhung des Hüftumfangs um 11,4 Zentimeter stieg das Erkrankungsrisiko bei Männern um 10 Prozent, für Frauen betrug die Risikoerhöhung 16 Prozent bei einer Steigerung des Hüftumfangs um 12,6 Zentimeter.

Körperfett schützt nicht unbedingt

Die Studie lieferte den Forschern noch weitere Erkenntnisse, die das Adipositas-Paradoxon infrage stellen. So haben die Autoren einen BMI-Wert von unter 18,5 zwar zunächst ebenfalls mit einem erhöhten Risiko in Verbindung gesetzt: Auch bei einigen Personen mit niedrigem BMI bestand ein höheres Risiko, eine kardiovaskuläre Erkrankung zu bekommen. Dafür kamen bei den betreffenden Personen jedoch auch andere Ursachen infrage, zum Beispiel Vorerkrankungen oder Rauchen. „Wir waren nicht besonders überrascht, da wir ohnehin der Meinung waren, dass ein protektiver Effekt durch Körperfett keinen Sinn ergab“, sagt Stamatina Iliodromiti, Co-Autorin der Studie von der University of Glasgow. „Als wir dann Raucher und Menschen mit Vorerkrankungen ausschlossen, verschwand dieser scheinbare Effekt komplett.“

Weitere Studien notwendig

Allerdings räumen die Studienautoren ein, dass die niedrige Teilnehmer-Antwortrate der verwendeten Datenbank (UK Biobank) darauf hindeute, dass tendenziell eher gesündere Menschen eine Rückmeldung gegeben haben. Auch fehlten den Forschern einige Informationen, beispielsweise Hinweise auf die Blutzuckerwerte der untersuchten Proben. Das Team um Iliodromiti stellte fest, dass sich mit dem Gewicht auch das Risiko für eine kardiovaskuläre Erkrankung zu erhöhen scheint und dass die vermeintlich schützende Wirkung von Körperfett dementsprechend anzuzweifeln ist. Um das Adipositas-Paradoxon − ein paar Pfunde zu viel seien nicht nur ungefährlich, sondern sogar gut für die Herzgesundheit − zu widerlegen, sind jedoch weitere Studien notwendig.

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