Glutenfreie Ernährung kann mit Risiken verbunden sein

Studie zeigt erhöhte Schwermetallbelastung

Wer an einer Glutenunverträglichkeit (Zöliakie) leidet, muss auf viele Getreideprodukte verzichten und die Ernährung umstellen. Eine US-amerikanische Studie zeigt nun: Die Öffentlichkeit in den USA interessiert sich zunehmend für die angeblichen Gesundheitsvorteile einer glutenfreien Ernährung. Ergebnis der Studie: Wer sich glutenfrei ernährt, ob freiwillig oder aufgrund einer ärztlich diagnostizierten Zöliakie, nimmt verglichen mit Glutenkonsumenten vermehrt Schwermetalle auf.

Erhöhte Schwermetallwerte im Blut und Urin nachgewiesen

Das Team um Stephanie L. Raehsler vom Institut für Gastroenterologie und Hepatologie der Mayo Clinic in Rochester im US-Bundesstaat Minnesota untersuchte grundlegend, ob eine glutenfreie Ernährung Auswirkungen auf den Konsumenten hat. Für die Studie nutzen die Gastroenterologen Daten aus dem National Health and Nutrition Examination Survey (kurz: NHANES). Im Rahmen des NHANES werden jährlich rund 5.000 repräsentativ ausgewählte US-Bürger nach ihren Ernährungsgewohnheiten befragt. Es wurden zudem Blut- und Urinproben abgegeben sowie ergänzende Laboruntersuchungen durchgeführt. Ausgewertet wurden Messergebnisse von insgesamt rund 12.000 Befragten.

Das Ergebnis: Bei Personen, die auf glutenhaltige Produkte verzichten, waren deutlich erhöhte Werte der meistens durch die Nahrung aufgenommenen Schwermetalle in Blut und Urin nachweisbar.

Ernährung als Ursache

Zu rund 4.000 Personen lagen Arsenmessungen im Urin vor, von diesen hatten 32 angegeben, sich glutenfrei zu ernähren. Bei über 11.300 Personen waren im Blut Konzentrationen von Blei, Quecksilber und Kadmium bestimmt worden – 115 davon hatten eine glutenfreie Ernährung angegeben. Die untersuchten Blutproben von Menschen, die sich glutenfrei ernähren, hatten im Vergleich zu den Proben derjenigen, die nicht auf das Klebereiweiß verzichten, signifikant höhere Werte von:

  • Quecksilber (1,37 versus 0,93 Mikrogramm pro Liter)
  • Blei (1,42 versus 1,13 Mikrogramm pro Liter)
  • Cadmium (0,42 versus 0,34 Mikrogramm pro Liter)
  • Auch die Arsenwerte* im Urin waren bei der glutenfreien Diät erhöht (15,2 versus 8,4 Mikrogramm pro Liter).

Das deutet darauf hin, dass die Ernährung die Ursache für die erhöhten Konzentrationen sein kann. Die Forscher weisen darauf hin, dass weitere Studien notwendig sind, um den genauen Zusammenhang zwischen einer glutenfreien Diät und der Schwermetallkonzentration in Blut und Urin zu klären.

Gesundheitlich bedenklich, aber nicht lebensbedrohlich

Allerdings geben die Forscher Entwarnung: Nur bei sehr wenigen der untersuchten Blutproben waren die Schwermetallwerte gesundheitlich bedenklich. Personen, die auf Gluten verzichten, obwohl es medizinisch nicht nötig wäre, sollten sich daher der Tatsache bewusst sein, dass ein Risiko der erhöhten Schwermetallbelastung durch diese Form der Ernährung gegeben ist. Und: Durch den Verzicht auf getreidehaltige Produkte besteht bei einer glutenfreien Ernährung die Gefahr, zu wenig Eisen, Zink und Ballaststoffe aufzunehmen.

Wissenswert!

Zöliakie/Glutenunverträglichkeit: ist eine chronische Erkrankung des Dünndarms, die auf einer lebenslangen Unverträglichkeit gegenüber Gluten beruht, das aus verschiedenen Eiweißen zusammengesetzt ist – beziehungsweise einer Unverträglichkeit gegenüber einzelnen dieser Eiweiße.

Gluten: kommt vor allem in den Getreidearten Weizen, Dinkel, Roggen, Gerste und in handelsüblichem Hafer vor, ist aber auch in alten Weizensorten wie Emmer und Einkorn enthalten.

Übrigens: Als Nebenergebnis der US-Studie stellte sich heraus, dass es lediglich bei zehn Prozent der Personen, die sich glutenfrei ernährten, Hinweise auf eine Zöliakie gab.

 

 

 * Arsen ist zum Beispiel in Reis enthalten. Das glutenfreie Grundnahrungsmittel wird auf Feldern angebaut, die unter Wasser stehen, und nimmt daher über die Wurzeln besonders viel Arsen aus dem Erdboden auf.

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