Medikamentenaustausch in der Apotheke

Wenn Patienten plötzlich ihr gewohntes Medikament nicht mehr erhalten

Ich nehme seit vielen Jahren ein Medikament gegen meine Depression. Das letzte Mal hat mir die Apotheke die Tabletten eines anderen Herstellers gegeben. Ich würde gerne weiterhin das Medikament nehmen, das ich kenne und das mir in den letzten Jahren gut geholfen hat. Darf die Apotheke mir einfach ein anderes Arzneimittel geben? Was kann ich tun, um wieder mein bewährtes Medikament zu erhalten?
Erna P. aus Buxtehude

Wie Frau P. sind viele Patienten verunsichert, wenn sie ein anderes Medikament bekommen als das vom Arzt verschriebene oder das sie seit Jahren einnehmen. Ein Medikamentenaustausch in der Apotheke ist häufig und kann unterschiedliche Gründe haben. Der Fachbegriff für den Medikamentenaustausch heißt Aut-idem-Regelung: „Aut idem“ ist lateinisch und bedeutet „oder das Gleiche“.

Der Wirkstoff bestimmt die Wirkung
Medikamente können unterschiedlich aussehen oder heißen, andere Preise und Hersteller haben, aber dennoch den gleichen Wirkstoff beinhalten. Der Austausch von Medikamenten unterliegt genauen gesetzlichen Regelungen, damit die Sicherheit und Wirksamkeit der Behandlung nicht beeinflusst werden. So dürfen zum Beispiel Wirkstoff und Wirkstärke nicht verändert werden.

Gründe für und gegen einen Austausch
Apotheker sind gesetzlich dazu verpflichtet, preisgünstige Medikamente auszuwählen, um die Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen zu senken. Häufig geben sie daher ein sogenanntes Rabatt-Arzneimittel ab, für das die Krankenkasse des Patienten mit dem Arzneimittelhersteller einen Preisnachlass ausgehandelt hat. Schließt die Krankenkasse einen neuen Rabattvertrag mit einem anderen Hersteller, erhält der Patient ein Medikament dieses Rabattpartners. Ist das abzugebende Medikament nicht lieferbar, kann es ebenfalls zu einem Medikamentenaustausch kommen. Für einzelne Patienten können durch den Austausch jedoch auch Situationen entstehen, die die Therapiesicherheit gefährden. In diesen Fällen gibt es Ausnahmeregelungen. Dies kann der Fall sein, wenn der Patient auf bestimmte Hilfsstoffe in Medikamenten reagiert.

Wunschmedikament bekommen
Ärzte und Apotheker, aber auch Patienten haben die Möglichkeit, den Austausch auszuschließen. Der Arzt kann einen Aut-idem-Austausch aus medizinischen Gründen ausschließen. Dies muss er entsprechend auf dem Rezept vermerken. Kreuzt er das Kästchen „aut idem“ auf dem Rezept an, darf das verordnete Medikament nicht ausgetauscht werden.
Der Apotheker kann sich aus pharmazeutischen Gründen gegen einen Austausch entscheiden. Das kann beispielsweise der Fall sein, wenn teilbare Tabletten benötigt werden, die preisgünstigeren Tabletten aber nicht geteilt werden können. Die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) rät Patienten wie Frau P., mit ihrem Arzt und Apotheker über medizinische oder pharmazeutische Gründe gegen einen Austausch zu sprechen. Wenn weder der Arzt noch der Apotheker Bedenken haben, Frau P. aber dennoch bei ihrem ursprünglichen Medikament bleiben möchte, kann sie von der sogenannten Wunscharzneimittelregel Gebrauch machen. Das Wunschmedikament muss sie dann zunächst selbst bezahlen. Ein Teil der Summe kann Frau P. im Nachhinein von der Krankenkasse erstattet werden. Um die Kosten abschätzen zu können, sollten Betroffene diese vorab mit ihrem Versicherer klären.

Weitere interessante Fälle finden Sie in unserem Archiv

Erstellungsdatum: 01.10.2019
Letzte Aktualisierung: 01.10.2019

Herausgeber: UPD Patientenberatung Deutschland gGmbH

Sie haben Fragen und wünschen eine persönliche Beratung zu gesundheitlichen und gesundheitsrechtlichen Themen?

Unser Beratungsteam beantwortet Ihre Fragen gern:

•             telefonisch unter Tel. 0800 0 11 77 22  (gebührenfrei aus allen Netzen)

•             im Rahmen der Online-Beratung

•             in unseren Vor-Ort-Büros, dem UPD-Beratungsmobil, per App, Post oder Fax.

Eine Übersicht über unser Beratungsspektrum und unsere Kontaktmöglichkeiten finden Sie hier.

so arbeiten wir

Oftmals fühlen sich Menschen im Gespräch mit Krankenkassen oder Ärzten und Ärztinnen überfordert: Sie brauchen Unterstützung bei Fragen und Problemen im Zusammenhang mit ihrer Gesundheit. Unser Ziel ist es, Betroffenen die Informationen zu liefern, die sie benötigen, um sich zurechtzufinden und selbst die für sie beste Entscheidung zu treffen. Die Informationstexte auf unserer Homepage sollen dazu einen Beitrag leisten.
Jeder Text durchläuft einen strengen mehrstufigen Prozess, damit die Qualität der Informationen gesichert ist. Auch für unsere Texte gelten unsere Beratungsgrundsätze: neutral, unabhängig, wissenschaftlich basiert. Für gesundheitliche Informationen arbeiten wir nach den Prinzipien der evidenzbasierten Medizin. Dabei greifen wir in der Regel auf bereits aufbereitete hochwertige Information zurück, zum Beispiel auf die Texte des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) und AWMF-Leitlinien. Sozial- und gesundheitsrechtliche Themen basieren auf sogenannten Primärquellen wie Gesetzen, Verwaltungsvorschriften oder Bundestagsdrucksachen. Die verwendeten Quellen sowie den Stand der letzten Aktualisierung geben wir am Ende des Textes an.
Unser Anspruch ist es verständliche Texte für alle Menschen zu schreiben. Um unserem Ziel gerecht zu werden, binden wir medizinische beziehungsweise  juristische Laien als Testleser ein, bevor wir die Texte veröffentlichen. Die Texte sind sachlich und frei von rechtlichen und gesundheitsbezogenen Wertungen. Wir aktualisieren unsere Texte zeitnah, wenn dies erforderlich ist, und prüfen alle Texte mindestens einmal jährlich.
Details zu unserer Vorgehensweise finden Sie in unserem Methodenpapier zur Erstellung und Präsentation von gesundheitlichen und gesundheitsrechtlichen Informationen in der Patientenberatung der UPD.

Bitte beachten Sie:
Unsere Informationstexte und unsere individuelle Beratung dienen dazu, gesundheitliche und gesundheitsrechtliche Inhalte zu vermitteln, Zusammenhänge zu erläutern und Möglichkeiten aufzeigen. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir im Rahmen unseres gesetzlichen Auftrages keine konkrete Bewertung beziehungsweise Einschätzung im Einzelfall vornehmen können. Information und Beratung durch die UPD ersetzen weder einen Arztbesuch noch eine anwaltliche Vertretung.
© 2019 UPD Patientenberatung Deutschland gGmbH