Bauchschmerzen im Kindesalter und Jugendalter

Bauchschmerzen treten im Kindes- und Jugendalter häufig auf. Die Art der Beschwerden und eventuelle Begleiterkrankungen können Hinweise auf die Ursache geben. Die Beschwerden haben oft harmlose Ursachen und verschwinden nach kurzer Zeit. Aber auch ernsthafte Erkrankungen können dahinterstecken.

Verschiedene Ausprägungen und Verläufe

Abhängig vom Alter des Kindes und der Art der Beschwerden können Bauchschmerzen Zeichen unterschiedlichster Erkrankungen sein. Plötzlich auftretende (akute) Bauchschmerzen haben meist andere Ursachen als immer wiederkehrende (rezidivierende) oder dauerhafte (chronische) Beschwerden.

  • Akute Bauchschmerzen

Die Bandbreite der Ursachen akuter Bauchschmerzen reicht von harmlosen Störungen wie Verstopfung oder Blähungen über Magen-Darm-Infektionen bis hin zu ernsten Erkrankungen wie Blinddarmentzündung, Darmeinstülpung oder Bauchfellentzündung. Auch Erkrankungen anderer Organe können insbesondere bei jüngeren Kindern akute Bauchschmerzen verursachen. Beispiele dafür sind Harnwegsinfektionen oder Lungenentzündungen.

Wenn ein Säugling schreit und wimmert, hat er oder sie möglicherweise Bauchschmerzen. Oft verweigern Kinder die Nahrung, ziehen bei starken Beschwerden die Beine an und krümmen sich, der Bauch ist berührungsempfindlich und angespannt. Zusätzlich können Verstopfung, Durchfall oder Erbrechen mit den Bauchschmerzen einhergehen. Im Gegensatz zu Säuglingen sind ältere Kinder und Jugendliche in der Lage anzugeben, wo und wie stark der Bauch schmerzt. Sie können beschreiben, ob die Beschwerden beispielsweise drückend oder krampfartig sind.

  • Chronische und wiederkehrende Bauchschmerzen

Die Ursachen für anhaltende Beschwerden sind ebenso vielfältig.

Säuglinge
Wenn bei Säuglingen in den ersten drei bis vier Lebensmonaten Unruhezustände mit Schreien oft immer zur gleichen Tages- oder Nachtzeit auftreten, ist das typisch für die sogenannten „Dreimonatskoliken“. Deren Ursache sind nicht immer Bauchkrämpfe sind – anders als die Bezeichnung vermuten lässt. Durch Schaukeln auf dem Arm oder „sich an die Brust legen“ oder Herumwandern werden viele Babys ruhiger. Dennoch sollte ein Arzt oder eine Ärztin für Kinder- und Jugendmedizin aufgesucht werden, um andere Ursachen auszuschließen.

Klein- und Schulkinder
Bei älteren Kindern (Schulalter) können psychische Faktoren − wie Probleme in der Schule, Schwierigkeiten mit Freunden oder mit der Familie − eine Rolle spielen. Wenn sich keine eindeutige körperliche Ursache findet, werden die Bauchschmerzen als funktionelle Bauchschmerzen eingestuft. Trotzdem – oder eben gerade deshalb – sind chronische Schmerzen immer ernst zu nehmen. Treten Beschwerden auf, ohne dass eine körperliche Ursache zu finden ist, kann ein Reizdarmsyndrom vorliegen.

Mögliche Ursachen chronischer Bauchschmerzen sind auch Nahrungsmittelunverträglichkeiten: Beispielsweise kann die Verdauung von Fruchtzucker (Fruktose), Milchzucker (Laktose), dem Zuckeraustauschstoff Sorbit oder Bestandteilen von Weizen gestört sein und Bauschmerzen auslösen. Chronisch entzündliche Darmerkrankungen (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa), Verstopfung oder eine Magenschleimhautentzündung können zu anhaltenden Beschwerden führen, ebenso Infektionen der Harnwege oder des Nierenbeckens sowie Erkrankungen anderer Organe, darunter Leber, Galle und Milz.

Diagnostik

Leidet ein Kind unter plötzlichen starken Bauchschmerzen oder treten die Beschwerden wiederkehrend oder dauerhaft auf, sollte ein Arzt oder eine Ärztin aufgesucht werden. Mögliche Gründe, das Kind ärztlich vorzustellen, sind:

  • Teilnahmslosigkeit
  • nächtliches Erwachen wegen Bauchschmerzen
  • kolikartige Schmerzen mit Schweißausbruch
  • harter, gespannter Bauch
  • Beschwerden beim Wasserlassen
  • anhaltende häufige Durchfälle
  • Blut im Stuhl
  • wiederholtes Erbrechen
  • Blutspuren oder grüner Gallensaft im Erbrochenen
  • wiederkehrendes Fieber
  • deutliche Gewichtsabnahme, fehlende Gewichtszunahme
  • jede Situation, in der Eltern sich unsicher sind, ob sie die Dringlichkeit der Beschwerden richtig einschätzen

Zunächst verschafft sich der Arzt oder die Ärztin ein Bild über den Krankheitsverlauf (Anamnese), um Hinweise auf die Ursache der Beschwerden und deren Dringlichkeit zu erhalten.

Eltern helfen dabei, wenn sie folgende Fragen beantworten können:

  • Wie lange bestehen die Schmerzen?
  • Handelt es sich um Dauerschmerzen oder treten die Schmerzen wiederkehrend auf?
  • Treten die Beschwerden auch nachts auf?
  • Wie ist der Stuhlgang? Leidet das Kind unter Erbrechen, Durchfall, Verstopfung oder ist Blut im Stuhl zu sehen?
  • Treten die Beschwerden gemeinsam mit bestimmten Ereignissen auf, beispielsweise mit der Nahrungsaufnahme oder dem Stuhlgang?
  • Ist eine Verletzung oder ein sonstiges bestimmtes Ereignis dem Schmerz vorausgegangen, zum Beispiel ein Sturz über den Fahrradlenker oder ein anderer Unfall?
  • Hat das Kind in den vergangenen Wochen an Gewicht verloren?
  • Sind Probleme in der Schule oder mit Freunden des Kindes bekannt?

Nach der Anamnese erfolgt die körperliche Untersuchung. Dabei wird der Bauch vorsichtig abgetastet. Mit dem Stethoskop werden die Darmgeräusche abgehört. Bei Bauchschmerzen kann auch eine rektale Untersuchung (Austastung des Enddarms mit dem Finger) sinnvoll sein. Darüber hinaus können eine Blut-, Stuhl- und Urinuntersuchung sowie eine Ultraschalluntersuchung des Bauches notwendig sein. Über weitere Untersuchungsmethoden entscheidet der Arzt oder die Ärztin aufgrund der erhobenen Befunde.

Therapie

Wie werden Bauchschmerzen behandelt?
Meist können Eltern gut einschätzen, wie schwer die Beeinträchtigung ist. Bei harmlosen Bauchschmerzen wirken eine Wärmflasche und liebevolle Zuwendung wohltuend. Diese Maßnahmen helfen vielen Kindern dabei, sich zu entspannen und wieder besser zu fühlen.

Die Behandlung der Bauchschmerzen hängt von der zugrunde liegenden Erkrankung ab. Manchmal helfen beruhigende Magen-Darm-Tees gegen das Unwohlsein. In einigen Fällen reichen Abführmaßnahmen oder eine Diät aus, in anderen Situationen sind Medikamente oder eine sofortige Operation notwendig, um die Ursachen zu beheben.

Bei funktionellen Bauchschmerzen kann es hilfreich sein, psychologische Unterstützung einzuholen.


Erstellungsdatum: 01.11.2015
Letzte Aktualisierung: 23.09.2019

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