Blutdruckabfall

Personen mit niedrigem Blutdruck, ohne weitere Symptome, sind nicht krank. Normwerte dienen in der Medizin als eine Orientierung, um den Gesundheitszustand einer Person einschätzen zu können, eine Abweichung muss nicht immer gleichbedeutend mit einer Erkrankung sein. Gut trainierte Personen haben oft einen geringen Blutdruck, weil sich ihr Körper in Ruhe besonders schont.
Ein geringer Blutdruck ist meist unproblematisch. Viele Betroffene bemerken den niedrigen Blutdruck gar nicht. Wenn der geringe Blutdruck allerdings Beeinträchtigungen auslöst, besteht Handlungsbedarf. Meist reichen Allgemeinmaßnahmen aus, um eine Besserung zu erzielen.
Als akute Folge eines zu niedrigen Blutdrucks können Betroffene kurz das Bewusstsein verlieren. Der Zustand hält meist nur wenige Sekunden an und der Patient erholt sich vollständig.
Im Falle einer längeren Bewusstlosigkeit sind geeignete Maßnahmen zu ersten Hilfe notwendig.

Entstehung
Ein niedriger Blutdruck kann dauerhaft auftreten, in diesem Fall liegt eine arterielle Hypotonie vor. Flacht der Druck gelegentlich ab, beispielsweise beim Positionswechsel vom Liegen ins Stehen, leiden Betroffene unter einer orthostatischen Hypotonie. Die verschiedenen Arten des Blutdruckabfalls haben unterschiedliche Ursachen.

Arterielle Hypotonie

  • Die essenzielle oder primäre Hypotonie
    kommt häufig vor und kann erblich bedingt sein. Eine zugrunde liegende Erkrankung ist bislang nicht erwiesen. Betroffen sind meist junge Frauen.
  • Die symptomatische oder sekundäre Hypotonie
    Diese Form des Blutdruckabfalls kann durch andere Erkrankungen ausgelöst werden. Dazu gehören Herz- und Gefäßerkrankungen wie zum Beispiel Herzklappenfehler, Herzrhythmusstörungen, Störungen im Herz-Lungen-Kreislauf oder eine allgemeine Herzschwäche. Weitere Ursachen können Erkrankungen von Schilddrüse oder Nieren, hormonelle Probleme, bestimmte Medikamente oder ein Flüssigkeits- und/oder Salzmangel sein.

Orthostatische Hypotonie
Die orthostatische Hypotonie tritt zum Beispiel beim Aufstehen nach längerem Liegen oder Sitzen auf. Sie beschreibt einen plötzlichen Abfall des Blutdrucks nach dem Aufstehen im Vergleich zu den Ruhewerten im Liegen. Es handelt sich dabei um eine Störung der Kreislaufregulation. Betroffene haben in Ruhe meist einen normalen oder sogar erhöhten Blutdruck. Orthostatische Hypotonien werden insbesondere bei älteren Menschen beobachtet. Die Einnahme bestimmter Medikamente und neurologische Erkrankungen können zu einer orthostatischen Hypotonie führen.

Krankheitszeichen
Häufig zeigen sich bei der arteriellen Hypotonie keine Krankheitszeichen. Wird jedoch das Gehirn in der Folge zu wenig durchblutet, kann dies zu einer verminderten Leistungsfähigkeit führen. Rasche Ermüdung, lange morgendliche „Anlaufzeit“, verminderte Konzentrationsfähigkeit sind die Folgen. Betroffene haben oft auch kalte Hände und Füße.

Der Blutdruckabfall beim Aufstehen kann sich bemerkbar machen durch plötzlichen Schwindel, Kopfschmerzen oder durch Schwarzwerden vor Augen bis zu einer Bewusstlosigkeit. Kurz andauernde Ohnmacht wird auch als Synkope bezeichnet.

Begleitend können Kopfschmerzen, Gleichgewichtsstörungen, Ohrensausen, Sehstörungen, verstärktes Schwitzen und ein Schwächegefühl auftreten. Auch Herzklopfen, Beklemmungsgefühle oder Schmerzen in der Herzgegend sind möglich. Diese Erscheinungen sind meist abhängig von der Körperposition, sodass sie sich bessern, wenn der Betroffene sich hinlegt oder setzt.

Diagnose von Blutdruckabfall

Der Blutdruck wird mithilfe eines Blutdruckmessgerätes bestimmt. Es werden zwei Werte gemessen, der höhere (systolische) und der niedrigere (diastolische) Wert. Die Höhe des Blutdrucks wird in Millimeter Quecksilbersäule (mmHg) angegeben. Der optimale Blutdruck liegt unterhalb 120 mmHg systolisch und 80 mmHg diastolisch. Die Abgrenzung, ab wann ein niedriger Blutdruck vorliegt, ist nicht klar definiert. Die angegebenen Werte schwanken. Etwa ab einer Erniedrigung des systolischen Wertes unter 100 bis 110 mmHg liegt eine Hypotonie vor.

Wichtig für die Beurteilung ist das Zusammentreffen mehrerer typischer Krankheitszeichen sowie deren Veränderung beim Wechseln der Körperposition.

Am Beginn der Diagnostik steht ein ausführliches Gespräch (Anamnese), in dem der Betroffene dem Arzt alle Beschwerden schildert sowie über mögliche Begleiterkrankungen, seine Lebensgewohnheiten (wie Ernährung, Bewegung, Alkohol- und Nikotinkonsum) sowie über die Einnahme von Medikamenten berichtet.

Anschließend erfolgt eine körperliche Untersuchung. Der Blutdruck wird zunächst in Ruhe gemessen. Da Blutdruckwerte situationsabhängig stark schwanken können, ist ein wiederholtes Messen sinnvoll. In einigen Fällen veranlasst der Arzt eine Langzeitblutdruckmessung, bei der der Betroffene ein Blutdruckmessgerät mit sich führt, um den Blutdruck über einen Zeitraum von 24 Stunden zu messen.

Zum Nachweis der orthostatischen Hypotonie eignet sich ein Kreislauffunktionstest, der sogenannte Schellong-Test. Für den Test muss der Patient vor der Untersuchung zehn Minuten lang liegen und dann aufstehen. Jeweils mit einem Abstand von einer Minute werden Blutdruck und Puls zehn Minuten lang gemessen und die Veränderung der Werte registriert. Bei Betroffenen schwanken der Blutdruck und teilweise auch der Puls außerhalb des normalen Bereichs. Um den Tagesverlauf abbilden zu können, ist es sinnvoll, den Test zu verschiedenen Tageszeiten zu wiederholen.

Ansprechpartner bei Problemen durch niedrigen Blutdruck ist der behandelnde Hausarzt. Nach einer Untersuchung kann er einschätzen, ob weitere Maßnahmen notwendig sind. Für eine weitere Abklärung können Betroffenen einen Facharzt für Kardiologie konsultieren.

Therapie des Blutdruckabfalls

Ein dauerhaft niedriger Blutdruck ohne Beschwerden ist nicht behandlungsbedürftig. Treten Beschwerden auf, helfen meist allgemeine Maßnahmen, um die Symptome zu lindern. Medikamente kommen nur selten zum Einsatz und ihr Nutzen ist meist nicht eindeutig belegt.
Sind Erkrankungen als Ursache für den Blutdruckabfall bekannt, gilt es, diese zu behandeln und so auch den Kreislauf zu stabilisieren. Ist die Hypotonie Folge einer Medikamenteneinnahme, kann die Therapie angepasst werden.

Zu den Allgemeinmaßnahmen gegen die Beschwerden gehört unter anderem Kreislauftraining, beispielsweise regelmäßiger Ausdauersport wie Schwimmen oder Radfahren. Zusätzlich kann es sinnvoll sein, unterstützend Massagen und Wechselbäder anzuwenden.
Wichtig sind außerdem eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr sowie eine ausreichende Zufuhr von Kochsalz. Patienten mit weiteren Erkrankungen wie einer Herzinsuffizienz sollten einen gesunden Mittelweg finden, um das Herz nicht unnötig zu belasten, wenn der Blutdruck durch diese Maßnahmen steigt. Auch können das Tragen von Kompressionstrümpfen und das Schlafen mit höher gelagertem Oberkörper unterstützend gegen erniedrigten Blutdruck wirken.

Wer unter einer orthostatischen Hypotonie leidet, kann durch langsames Aufstehen versuchen, dem plötzlichen Blutdruckabfall vorzubeugen. Auch kann es helfen, mit gekreuzten Beinen zu stehen oder in die Hocke zu gehen.

In Ausnahmefällen kommt eine medikamentöse Therapie zur Erhöhung des Blutdrucks infrage. Es werden Medikamente eingesetzt, die den Kreislauf aktivieren und so den Blutdruck erhöhen, sogenannte Sympathomimetika.
Andere Medikamente verhindern die Ausscheidung von Wasser und Elektrolyten. Somit wird das Volumen in den Gefäßen erhöht und der Blutdruck steigt. Hierzu zählen die Mineralkortikosteroide.


Erstellungsdatum: 01.03.2015
Letzte Aktualisierung: 29.11.2018

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