Notfall Schlaganfall:

Schnelles Handeln ist wichtig!

Ein akuter Schlaganfall ist immer ein medizinischer Notfall, der umgehend behandelt werden muss. Zwar überleben die meisten Menschen einen Schlaganfall, allerdings kann er zu bleibenden Schäden wie Lähmungen oder Sprachstörungen führen. Durch eine schnelle Therapie kann das Leben der Patienten gerettet und die Folgen eines Schlaganfalls verringert werden.  

Was ist ein Schlaganfall?

Krankheitsbeschreibung

In den meisten Fällen wird ein Schlaganfall dadurch verursacht, dass ein Blutgefäß durch ein Blutgerinnsel verstopft wird. Man spricht dabei von einem ischämischen Infarkt. Die Blutgerinnsel können im Blutgefäß durch Veränderungen in der Gefäßwand selbst entstehen oder aus einem anderen Teil des Körpers in die Hirnarterie eingeschwemmt werden. Eine andere Form des Schlaganfalls, die Hirnblutung, tritt ein, wenn ein Blutgefäß im Gehirn einreißt und Blut ins Hirngewebe austritt. In beiden Fällen folgt daraus, dass ein Bereich des Gehirns nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird. Wenn der Sauerstoffmangel länger anhält, sterben Nervenzellen ab. Je nachdem, welche Gehirnregion betroffen ist, können dabei unterschiedliche Symptome auftreten. Ein Schlaganfall kann bleibende Schäden verursachen − zum Beispiel Lähmungen und Sprachschwierigkeiten.

Laut Angabe der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe erleiden in Deutschland jedes Jahr knapp 270.000 Menschen einen Schlaganfall. Nach einem erlittenen Schlaganfall ist das Risiko erhöht, einen weiteren Schlaganfall zu erleiden – in den ersten 6 Monaten ist das Risiko am deutlichsten erhöht. Auch das Risiko für andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkte ist nach einem erlittenen Schlaganfall erhöht.

Wie erkennt man einen Schlaganfall?

Schlaganfall Symptome erkennen

Bei diesen Symptomen sollte sofort der Notarzt verständigt werden:

  • plötzlich auftretende Lähmung oder Taubheitsgefühl auf einer Körperseite oder im Gesicht
  • Sehstörungen, zum Beispiel Doppelbilder, Schleiersehen oder Ausfälle im Gesichtsfeld
  • Auffälligkeiten beim Sprechen, zum Beispiel stockende, abgehackte Sprache, Verdrehen von Silben oder auch verwaschenes, undeutliches Sprechen sowie Störungen im Sprachverständnis − das Gesagte wird nicht mehr verstanden.
  • plötzliche sehr starke Kopfschmerzen von vorher unbekannter Art und Stärke
  • Schwindel mit Gangunsicherheit

FAST-Test hilft, einen Schlaganfall zu erkennen
Der sogenannte FAST-Test kann Laien dabei helfen, einen Schlaganfall innerhalb weniger Sekunden zu erkennen. FAST steht für:

  • Face (Gesicht): Die betroffene Person soll lächeln. Ist das Gesicht dabei einseitig verzogen?
  • Arms (Arme): Die Person soll gleichzeitig beide Arme nach vorne strecken und die Handflächen nach oben drehen. Macht nur ein Arm die Bewegungen mit?
  • Speech (Sprache): Die Person soll einen einfachen Satz nachsprechen. Kann sie ihn richtig wiedergeben? Klingt die Stimme verwaschen?
  • Time (Zeit): Jetzt zählt jede Minute! Hat die Person bei einem oder mehreren Punkten Probleme, könnte es sich um einen Schlaganfall handeln. Rufen Sie umgehend den Notarzt!

Schlaganfall: Im Notfall ist schnelles Handeln wichtig!

„Time is Brain“ (Deutsch: Zeit ist Gehirn) lautet die Devise, mit der Ärzte unterstreichen, wie wichtig der Faktor Zeit im Zusammenhang mit einem Schlaganfall ist. Alle Beteiligten müssen schnell und angemessen handeln, damit die Therapie einen möglichst großen Erfolg hat. Denn bei einem Schlaganfall kommt es auf jede Minute an. Die ersten Stunden danach entscheiden über die Zellschäden im Gehirn.

Wenn die oben geschilderten Symptome auftreten, sollte sofort der Rettungsdienst (Rufnummer 112) alarmiert werden und nicht darauf gewartet werden, dass die Beschwerden verschwinden. Betroffene kontaktieren beim Schlaganfall manchmal zuerst den Hausarzt – dadurch kann sich die Aufnahme ins Krankenhaus aber deutlich verzögern und wertvolle Zeit verloren gehen!
Der Rettungsdienst versorgt den Betroffenen vor Ort und bringt ihn so schnell wie möglich in eine Klinik, im Idealfall in eine sogenannte Stroke Unit, eine auf Schlaganfälle spezialisierte Station. Der Transport sollte mit dem Rettungsdienst erfolgen – das ist für den Patienten sicherer und geht meistens am schnellsten.

Die Stroke Unit erfüllt die technischen und personellen Voraussetzungen, um den Patienten bestmöglich zu versorgen, indem eine fachübergreifende Behandlung sichergestellt wird. In diesen spezialisierten Schlaganfall-Stationen arbeiten Neurologen, Kardiologen, Neuro- und Gefäßchirurgen sowie Radiologen, aber auch ein spezialisiertes Team aus Krankenpflegern, Physio- und anderen Therapeuten Hand in Hand.
In Deutschland gibt es mehr als 300 von der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft und der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe zertifizierte Stroke Units.

Eine Übersicht dazu finden Sie hier:

http://www.schlaganfall-hilfe.de/adressen-stroke-units

Wie wird der Schlaganfall erkannt und behandelt?

Diagnose und Behandlung eines Schlaganfalls

Ob der Schlaganfall durch ein Gerinnsel oder eine Blutung verursacht worden ist, lässt sich mithilfe bildgebender Verfahren feststellen. Für die Diagnose des Schlaganfalls werden sofort nach Einlieferung in die Klinik Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT) eingesetzt. Je schneller die Ursachen des Schlaganfalls behandelt werden, desto höher sind die Chancen, das Gehirn vor Schäden zu schützen und damit Folgen wie Lähmungen oder andere Einschränkungen und auch Pflegebedürftigkeit zu verhindern.
In der Akutphase eines Schlaganfalls müssen der neurologische Status und die Vitalfunktionen wie Herzschlag, Kreislauf und Atmung regelmäßig überwacht werden. Falls ein verschlossenes Blutgefäß die Ursache des Schlaganfalls ist, bleibt den Medizinern nur ein sehr kurzes Zeitfenster von wenigen Stunden nach Beginn der Schlaganfall-Symptome, das Blutgerinnsel mithilfe eines Medikaments aufzulösen (sogenannte Lysetherapie). Bei einigen Patienten besteht auch die Möglichkeit, das Blutgerinnsel über einen Katheter zu entfernen. Dieses Thrombektomie genannte mechanische Verfahren wird nur in wenigen spezialisierten Kliniken angewandt. Ist eine Hirnblutung Ursache für den Schlaganfall, muss in einigen Fällen operiert werden, um das ausgetretene Blut zu entfernen.

Rehabilitation als wichtiger Bestandteil der Therapie

An die Akuttherapie schließt meist eine Rehabilitation an, die bereits auf der Stroke Unit mit Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie beginnt. Die weiterführende Rehabilitation startet oft schon nach kurzer Zeit in einer Rehaklinik − in einigen Fällen erfolgt sie auch ambulant. Nach einem Schlaganfall kann es bei den Patienten zu ausgeprägter Hoffnungslosigkeit und auch depressiven Symptomen kommen. Für die Rehabilitation ist es jedoch wichtig, dass der Patient sich selbst nicht aufgibt und zuversichtlich bleibt. Denn der Rehabilitationserfolg hängt entscheidend von der Mitarbeit und dem Willen des Patienten ab. Patienten werden daher teilweise auch vorübergehend mit antidepressiven Medikamenten behandelt. Wichtig ist es auch für Angehörige, diesen Zusammenhang zu kennen und dem Patienten Mut und Zuversicht zu vermitteln: Körper und Gehirn verfügen glücklicherweise in vielen Fällen über enorme Regenerationsmöglichkeiten.

Wie kann man einem Schlaganfall vorbeugen?

Schlaganfall und Risikofaktoren: Vorsorge kann Leben retten!

Grundsätzlich kann jeder Mensch einen Schlaganfall erleiden. Das Risiko steigt mit zunehmendem Alter: Von 1.000 Menschen über 85 Jahren sind etwa 20 betroffen. In seltenen Fällen erleiden Kinder und Jugendliche einen Schlaganfall.
Gewisse Risikofaktoren erhöhen die Wahrscheinlichkeit, einen Schlaganfall zu erleiden. Dazu gehören zum Beispiel das Alter, eine genetische Veranlagung, Erkrankungen des Herzens – insbesondere das sogenannte Vorhofflimmern, Rauchen, Bluthochdruck, Diabetes, Übergewicht oder ein erhöhter Cholesterinspiegel. Besondere Vorsicht gilt, wenn mehrere Risikofaktoren gemeinsam auftreten. Denn sie können sich gegenseitig beeinflussen und in ihrem Zusammenspiel ein erhöhtes Gesamtrisiko darstellen. 
Die Risikofaktoren Alter und familiäre Vorbelastung sind natürlich nicht beeinflussbar. Einige Risikofaktoren können wir jedoch beeinflussen und damit das Risiko senken, einen Schlaganfall zu erleiden:

  • Bluthochdruck
    Der auch Hypertonie genannte Bluthochdruck ist der wichtigste Risikofaktor und für einen großen Teil aller Schlaganfälle verantwortlich. Er verursacht Schäden an den Gefäßwänden und begünstigt die Entwicklung der Arteriosklerose, umgangssprachlich Arterienverkalkung genannt.
    Messen Sie daher regelmäßig Ihren Blutdruck und lassen Sie ihn, wenn nötig, durch blutdrucksenkende Medikamente behandeln. Die gute Nachricht: Wenn der Bluthochdruck medikamentös gut eingestellt ist, kann das Risiko für einen Schlaganfall reduziert werden. Wichtig zu wissen: Regelmäßiger Ausdauersport senkt Bluthochdruck auf sanfte Weise und beugt seiner Entstehung vor.
  • Rauchen
    Es erhöht das Schlaganfallrisiko um das 2- bis 4-Fache! Viele schädliche und krebserregende Stoffe im Zigarettenrauch belasten die Blutgefäße und fördern die Entstehung einer Arteriosklerose. Wichtig: Wer es schafft, mit dem Rauchen aufzuhören, kann dazu beitragen, sein Schlaganfallrisiko zu verringern.
  • Vorhofflimmern
    Schätzungen zufolge leiden etwa 1,8 Millionen Bundesbürger an Vorhofflimmern, einer speziellen Form der Herzrhythmusstörung, die das Schlaganfallrisiko ebenfalls deutlich erhöht. Die Vorhöfe des Herzens können sich nicht richtig zusammenziehen: Das Blut stockt, und es kann zu einem Gerinnsel im Herzen kommen, das über den Kreislauf in eine Gehirnarterie geschwemmt wird, sich dort in einem Gefäß festsetzt und es verschließt. Als Therapie beim Vorhofflimmern werden Medikamente gegeben, die die Bildung dieser Gerinnsel verhindern können.
  • Diabetes
    Menschen mit Diabetes haben ein erhöhtes Schlaganfallrisiko. Übergewicht und zu wenig körperliche Bewegung, Rauchen, fett- und zuckerreiche Ernährung können das Auftreten eines Typ-2-Diabetes begünstigen. Durch den Abbau von Übergewicht können Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Fett- und Zuckerstoffwechselstörungen gesenkt werden. Wichtig ist eine konsequente Diabetestherapie, die für möglichst normale Blutzuckerwerte sorgt.
  • Blutfette
    Ein erhöhter Cholesterinspiegel kann das Schlaganfallrisiko erhöhen. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass der Arzt auch die Blutfette im Auge behält und in Zusammenschau aller Risikofaktoren gegebenenfalls auch mit Medikamenten behandelt.
  • Alkohol
    Auch übermäßiger Alkoholkonsum erhöht das Schlaganfallrisiko. Trinken Sie daher Alkohol nur in Maßen. Als grober Anhaltspunkt gilt: Für Frauen liegt der Grenzwert bei etwa 10 Gramm reinem Alkohol täglich. Konkrete Mengeneinheiten: ein kleines Glas Bier (0,25 Liter) oder 0,1 Liter Wein oder Sekt. Für Männer liegt der Grenzwert bei etwa 20 Gramm reinem Alkohol täglich. Das entspricht 0,5 Liter Bier oder 0,2 Liter Wein oder Sekt täglich.
  • Bewegungsmangel
    Ein wichtiger Mosaikstein in der Schlaganfall-Prävention ist regelmäßige Bewegung. Wichtig: Höchstleistungen müssen nicht sein. Gehen Sie einfach mehr zu Fuß, legen 2-, 3-mal pro Woche eine Runde mit dem Fahrrad ein oder melden Sie sich bei einer Laufgruppe an.
  • Übergewicht
    Übergewicht steigert das Schlaganfallrisiko. Häufige Folgen sind Diabetes und Bluthochdruck. Wenn überflüssige Pfunde purzeln, werden Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Fett- und Zuckerstoffwechselstörungen gesenkt.

Erstellungsdatum: 01.07.2017
Letzte Aktualisierung: 18.06.2019

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