Sepsis: Darum ist eine Blutvergiftung so gefährlich

1. Was ist eine Sepsis?

Eine Sepsis, im Volksmund auch Blutvergiftung genannt, ist die schlimmste Verlaufsform einer Infektion – und ein medizinischer Notfall, bei dem jede Minute zählt. Denn wird die Erkrankung nicht rechtzeitig und professionell behandelt, endet sie häufig tödlich oder kann schwere Langzeitfolgen nach sich ziehen.

Normalerweise ist unser Immunsystem in der Lage, eine lokale Infektion – beispielsweise eine entzündete Wunde oder eine Lungen- oder Blasenentzündung – direkt am Entzündungsherd einzudämmen. Gelingt dies nicht, können sich die Erreger über das Lymph- und Blutgefäßsystem im Körper ausbreiten. Als Folge kann das Immunsystem überaktiviert werden.

Es greift dann nicht nur die Erreger an, sondern auch körpereigene Zellen. Somit ist eine Blutvergiftung auch als eine Entzündungsreaktion des ganzen Körpers zu betrachten.

2. Welche Folgen kann eine Blutvergiftung haben?

Eine Sepsis kann zu Gewebeschäden, Schock, multiplem Organversagen und letztlich zum Tod führen – insbesondere, wenn sie nicht früh genug erkannt und umgehend behandelt wird.

Nach Angaben der Sepsis-Stiftung trägt etwa die Hälfte der Menschen, die eine Blutvergiftung überlebt haben, nach der Entlassung aus dem Krankenhaus keine gravierenden Schäden davon. Ein Drittel jedoch stirbt im darauffolgenden Jahr – und ein Sechstel leidet lang anhaltend unter schweren gesundheitlichen Beeinträchtigungen.

Zu den möglichen körperlichen Spätfolgen zählen beispielsweise:

  • eine allgemeine Minderung der Leistungsfähigkeit oder ein unbeabsichtigter Gewichtsverlust
  • Nerven- und Muskelschädigungen
  • chronische Schmerzen
  • chronisches Nieren- und Leberversagen
  • eine Amputation. Diese kann notwendig sein, falls während der Sepsis einzelne Gliedmaßen nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt wurden.

Ebenso kann nach einer überstandenen Sepsiserkrankung die geistige Leistungsfähigkeit der Patientin beziehungsweise des Patienten eingeschränkt sein. Betroffene leiden dann beispielsweise an Gedächtnisverlust und Konzentrationsschwäche.

Eine überstandene Sepsis kann zudem auch in der Psyche Spuren hinterlassen. Ein schwerer Krankheitsverlauf, ein Aufenthalt im Krankenhaus, Angst um das eigene Leben – all dies kann dazu beitragen, dass Betroffene ein sogenanntes posttraumatisches Belastungssyndrom entwickeln. Dieses kann beispielsweise mit Depression, Panikattacken oder Albträumen einhergehen.

  • Mehr Informationen zu den möglichen Spätfolgen einer Blutvergiftung, Erlebnisberichte von Betroffenen sowie Kontakte zu Selbsthilfegruppen finden Sie auf der Webseite der Deutschen Sepsis-Hilfe e. V. (DSH) und der Sepsis-Stiftung unter folgenden Links:

https://sepsis-hilfe.org/de/sepsis/folgen.html

https://www.sepsis-stiftung.eu/

3. Wie viele Menschen erkranken jährlich an einer Sepsis?

Laut Angaben der Sepsis-Stiftung wurden laut aktueller Zahlen im Jahr 2015 rund 320.000 Menschen mit einer Sepsis in den deutschen Krankenhäusern behandelt. 77.000 dieser Menschen sind verstorben – das entspricht etwa einem Viertel aller Betroffenen. In Deutschland ist Sepsis die dritthäufigste Todesursache nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs.

4. Wie entsteht eine Sepsis?

Einer Blutvergiftung geht stets eine lokale Infektion voraus. Diese wird im Fall der Sepsis meist von Bakterien verursacht. Die Erreger können beispielsweise durch offene Wunden oder Verletzungen in den Körper gelangen. Nicht immer ist jedoch eine sichtbar entzündete Wunde die Ursache: Häufig wird die Blutvergiftung beispielsweise durch eine Lungenentzündung, einen Harnwegsinfekt oder eine Hirnhautentzündung ausgelöst. Es kommen zudem auch Grippeviren und andere Viren, Pilze oder Parasiten, wie zum Beispiel bei Malaria, als Auslöser infrage.

Um die lokale Infektion zu bekämpfen, leitet der Körper eine Reihe von Maßnahmen ein. Dazu gehört beispielsweise eine Entzündungsreaktion, bei der vermehrt weiße Blutkörperchen in das betroffene Gewebe einwandern. Diese sogenannten Leukozyten sind Teil unseres Immunsystems und bekämpfen Krankheitserreger wie Bakterien, Viren, Tumorzellen oder giftige Stoffe.

Eine Sepsis kann dann auftreten, wenn der Körper es nicht schafft, die lokale Entzündung erfolgreich zu bekämpfen und lokal zu begrenzen. Dies kann beispielsweise passieren, wenn die Erreger sehr aggressiv sind oder das Immunsystem geschwächt ist. Dann ist es möglich, dass sich die Erreger und die von ihnen gebildeten Giftstoffe an der entzündeten Stelle stark vermehren und über das Lymph- und Blutgefäßsystem in den Blutkreislauf gelangen.

Durch die großen Mengen an Krankheitserregern im Blut wird das Immunsystem überaktiviert. Es überschwemmt den Körper mit Botenstoffen, welche die Erreger bekämpfen sollen. Allerdings werden dabei nicht nur die Erreger, sondern auch die eigenen Organsysteme angegriffen. So kann es im weiteren Verlauf der Erkrankung zu einem starken Abfall des Blutdrucks kommen, sodass Gewebe und Organe nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden.

5. Welche Stadien hat eine Sepsis?

Nach einer Überarbeitung der Sepsisdefinition wird eine Blutvergiftung heute nur noch in zwei Stadien unterteilt. Das früher „einfache Sepsis“ genannte Stadium, bei dem noch keine Organfunktionsstörung vorliegt, bezeichnet man nicht länger als Sepsis, sondern als eine schwere Infektion, die leicht zu einer Sepsis führen kann.  

Eine Sepsis ist jetzt definiert als eine lebensbedrohliche Organfunktionsstörung, verursacht durch die Abwehrreaktion des Körpers auf eine Infektion.

Der septische Schock mit Multiorganversagen ist die schwerste Verlaufsform einer Sepsis. Als Schock bezeichnet man in der Medizin einen Zustand des Körpers, bei dem das Gewebe und die Organe nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden. Ausgelöst wird der septische Schock durch den plötzlichen und starken Abfall des Blutdrucks. Ohne notfallmäßige, intensivmedizinische Versorgung enden der septische Schock und das multiple Organversagen tödlich.

Die Diagnose einer Sepsis ist nicht einfach, da sie sich nicht mit einem eindeutigen einzelnen Hauptsymptom zu erkennen gibt und die Anzeichen einer Blutvergiftung auch auf andere Erkrankungen hinweisen können. Die Diagnose wird deshalb häufig verspätet gestellt.

6. Woran erkenne ich eine Sepsis?

Sepsissymptome bei Erwachsenen

Eine Sepsis ist wahrscheinlich, wenn der Verdacht auf eine Infektion und zwei oder mehr der folgenden Symptome vorliegen:

  • Fieber, also eine Körpertemperatur von 38 Grad Celsius oder mehr
  • Untertemperatur, also eine Körpertemperatur von 36 Grad Celsius oder weniger
  • Schüttelfrost
  • erhöhter Puls
  • niedriger Blutdruck
  • eine blasse oder gräuliche Hautfarbe
  • beschleunigte Atmung
  • plötzliche Verwirrtheit

Gut zu wissen: Der rote Strich, der sich von einer Wunde in Richtung Herz ausbreiten kann, wird im Volksmund häufig mit einer Blutvergiftung in Verbindung gebracht. Er ist jedoch Ausdruck einer von einer Verletzung ausgehenden Entzündung der Lymphbahnen. Diese muss in jedem Fall behandelt werden, weil sie zu einer Blutvergiftung führen kann. Allerdings können auch viele andere Entzündungen beziehungsweise Infektionserkrankungen eine Sepsis auslösen.

Die häufigsten Auslöser einer Sepsis sind Lungenentzündung, Grippe, Bauchraumentzündungen (zum Beispiel Entzündungen der Gallenblase oder des Blinddarms), ein Darmdurchbruch, Harnwegsinfekte sowie Wund- und Hautinfektionen. Daher taucht der rote Strich bei den meisten Sepsiserkrankungen nicht auf.

Sepsissymptome bei Kindern und Neugeborenen

Insbesondere bei Kindern und Neugeborenen können die Symptome einer Blutvergiftung unspezifisch sein und anders aussehen als bei Erwachsenen. Zu ihnen gehören beispielsweise verlangsamte Reaktionen und Krampfanfälle bei Neugeborenen sowie Wesensveränderungen oder kalte Gliedmaßen bei Kindern.

  • Welche weiteren Anzeichen bei den beiden Gruppen auf eine Blutvergiftung hindeuten, können Sie in dem Informationsblatt „Sepsis erkennen, Leben retten bei Säuglingen und Kindern“ der Sepsis-Stiftung nachlesen. Es kann kostenfrei heruntergeladen werden unter:

https://www.sepsis-stiftung.eu/wp-content/uploads/1/2019/04/Faltflyer_Kinder_klein.pdf

Sepsis ist ein Notfall - schnelle ärztliche Hilfe notwendig

Wichtig: Sepsis ist ein Notfall, der umgehend ärztlich sowie intensivmedizinisch behandelt werden muss! Sollten Sie bei sich selbst oder bei Ihrem Kind zwei oder mehr der oben oder der nachfolgend beschriebenen Symptome feststellen, alarmieren Sie den Rettungsdienst unter der Telefonnummer 112. Achten Sie zudem insbesondere auf folgende Anzeichen einer Blutvergiftung*:

  • Fieber oder Schüttelfrost
  • Verwirrtheit
  • schnelle, schwere Atmung
  • schneller Puls
  • extremes Krankheitsgefühl
  • verfärbte Arme und Beine

*Wenn zwei oder mehr dieser Zeichen vorliegen, ist die Wahrscheinlichkeit einer Sepsis hoch.

7. Welche Personen haben ein erhöhtes Risiko, an einer Sepsis zu erkranken?

Grundsätzlich kann jeder Mensch eine Infektion bekommen und somit auch eine Sepsis entwickeln. Laut Angaben der Global Sepsis Alliance haben jedoch folgende Bevölkerungsgruppen ein erhöhtes Risiko, an einer Sepsis zu erkranken:

  • Kinder, die jünger sind als ein Jahr
  • Erwachsene, die älter sind als 60 Jahre
  • Menschen, die ohne Milz zur Welt gekommen sind oder deren Milz aufgrund einer Erkrankung oder eines Unfalls entfernt worden ist
  • Menschen mit chronischen Erkrankungen wie beispielsweise Erkrankungen der Lunge, der Leber oder des Herzens
  • Menschen mit einem geschwächten Immunsystem, beispielsweise Diabetiker oder Menschen mit AIDS
  • Menschen mit Krebs oder anderen Erkrankungen wie Rheuma, die mit das Immunsystem schwächenden Medikamenten behandelt werden

8. Wie wird eine Sepsis behandelt?

Je früher eine Blutvergiftung erkannt und behandelt wird, desto besser sind die Überlebenschancen. Meist erfordert eine Sepsis die Behandlung auf der Intensivstation.

Zur Therapie der Erkrankung gehören unter anderem:

  • die Gabe von Antibiotika oder Substanzen, welche die Bakterien oder Viren im Körper bekämpfen. Breitband-Antibiotika sollten möglichst in der ersten Stunde nach der Diagnose gegeben werden.
  • die Ermittlung der Entzündungsursache mithilfe von Blutkulturen und Abstrichen. In einigen Fällen muss der Infektionsherd durch operative oder andere Maßnahmen entfernt werden – zum Beispiel, wenn die Blutvergiftung von einer entzündeten Gallenblase, einer Herzklappe, einem Darmdurchbruch oder einem infizierten Fremdkörper (zum Beispiel Blasenkatheter) ausgelöst worden ist. Dies ersetzt jedoch nicht die Behandlung mit Antibiotika.
  • die intravenöse Gabe von Flüssigkeit und weitere unterstützende intensivmedizinische Maßnahmen, damit Gewebe und Organe des Körpers ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt werden
  • die Unterstützung lebenswichtiger Organe – beispielsweise durch eine Beatmung zur Unterstützung der Lunge oder eine Dialyse zur Unterstützung der Nierenfunktion

9. Was kann ich tun, um eine Sepsis zu verhindern?

Einer Blutvergiftung geht stets eine Infektion voraus. Verschiedene Maßnahmen können dabei helfen, Infektionen unterschiedlicher Art vorzubeugen – und somit indirekt auch das Risiko für eine Sepsis senken. Dazu zählen:

  • verschiedene Hygienemaßnahmen, insbesondere das regelmäßige und gründliche Waschen der Hände
  • die korrekte Versorgung von Wunden
  • die ärztliche Behandlung von Infekten, auf deren Grundlage eine Sepsis entstehen könnte, wie beispielsweise Grippe, Lungenentzündungen oder Harnwegsinfektionen
  • die korrekte Einnahme der ärztlich verordneten Antibiotika
  • Impfungen entsprechend den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission am Robert Koch-Institut (STIKO). Besonderen Risikogruppen, beispielsweise Kindern oder älteren Menschen ab 60 Jahren, wird zum Beispiel eine Impfung gegen Pneumokokken und Grippe empfohlen. Pneumokokken sind die wichtigsten Erreger bakterieller Lungenentzündungen. Grippe kostet in manchen Jahren in Deutschland 20.000 – 30.000 Menschenleben. Diese beiden Erkrankungen zählen zu den häufigsten Ursachen für die Entwicklung einer Sepsis.
  • Detaillierte Informationen zu den aktuellen Impfempfehlungen für jede Alters- und Risikogruppe können auf der Seite des Robert Koch-Instituts unter folgendem Link eingesehen, heruntergeladen oder bestellt werden:

https://www.rki.de/DE/Content/Kommissionen/STIKO/Empfehlungen/Impfempfehlungen_node.html


Erstellungsdatum: 30.07.2019
Letzte Aktualisierung: 30.07.2019

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Deutsche Sepsis-Hilfe e. V.: https://sepsis-hilfe.org

Sepsis-Stiftung: https://www.sepsis-stiftung.eu/

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