Allergie

Krankheitsbild Allergie

Was ist eine Allergie?
Eine Allergie ist eine Überreaktion des Körpers gegenüber ihm nicht schadenden Fremdstoffen. Es handelt sich um eine nicht-infektiöse Entzündungsreaktion.

Entstehung
Das Abwehrsystem (Immunsystem) schützt den Menschen vor Schadstoffen und Krankheitserregern, indem es bei Kontakt zu einer Abwehrreaktion kommt. Es bildet bestimmte Eiweiße, die sogenannten „Antikörper“, die sich an spezielle Zellen des Abwehrsystems binden. Die Bindung führt zu einer Entzündungsreaktion. Darüber hinaus verfügt das Abwehrsystem über eine Art Gedächtnis: Es merkt sich den betreffenden Stoff beziehungsweise Erreger. Bei erneutem Kontakt kann es schneller und effektiver reagieren und so den Körper schützen. Das Abwehrsystem erkennt wiederum andere Fremdstoffe als nicht schädigend und reagiert dann nicht oder lediglich mit einer abgeschwächten Abwehrreaktion.
Bei einer Allergie wird die Abwehrreaktion gegenüber diesen an sich harmlosen Fremdstoffen (Allergenen) jedoch nicht abgeschwächt. Vielmehr findet eine übersteigerte Abwehrreaktion statt. Grundsätzlich kann jeder Stoff aus der Umwelt zum Allergieauslöser werden. Meist handelt es sich um tierische oder pflanzliche Eiweiße. Die allergischen Reaktionen können an der Stelle des Allergenkontakts (lokale Reaktion) oder am gesamten Körper (generalisierte Reaktion) auftreten. Die stärkste Form der Reaktion auf ein Allergen ist der allergische (anaphylaktische) Schock. Hierbei kann es zu Atemnot und Kreislaufstörungen kommen.

Krankheitszeichen
Nach Coombs und Gell (1963) werden vier Typen von Allergien unterschieden:

Typ-I-Allergie (Soforttyp)
Eine Allergie vom Soforttyp (Typ-I-Allergie) ist die häufigste Allergieform. Es handelt sich um eine besonders schnell (innerhalb von Sekunden oder Minuten) eintretende Abwehrreaktion des Immunsystems auf den Kontakt mit bestimmten Allergenen. Gegebenenfalls kann eine weitere allergische Reaktion nach etwa vier bis sechs Stunden auftreten, man spricht dann von einer verzögerten Sofortreaktion.
Der Körper reagiert mit Entzündungszeichen und der Bildung von sogenannten „Immunglobulin E (IgE-) Antikörpern“. Die IgE-Antikörper binden sich an spezielle Zellen des Immunsystems (Mastzellen), welche als Reaktion darauf Entzündungs-botenstoffe freisetzen, wie Histamin und Leukotriene. Daraus entstehen dann Entzündungsreaktionen und die allergischen Erscheinungen.

Typische Beispiele für diesen Allergie-Typ sind:

  • Heuschnupfen
    Beim Heuschnupfen werden die Schleimhäute von Nase, Augen und oberen Luftwegen gereizt. Daraus resultieren Fließ- oder Stockschnupfen und juckende beziehungsweise tränende Augen. Ursache sind die Pollen von Gräsern, Kräutern und Bäumen.
  • Allergisches Asthma bronchiale
    Beim allergischen Asthma schwellen die Schleimhäute der tiefen Atemwege an und produzieren vermehrt zähes, schleimiges Sekret. Durch eine Verkrampfung der Luftwege (Bronchien) kommt es zu Husten und Atemnot. Das Asthma kann aus einem unzulänglich behandelten Heuschnupfen entstehen (Etagenwechsel; eigentlich ein falscher Begriff, denn die Etage wird nicht gewechselt sondern es kommt eine weitere hinzu. Der allergische Schnupfen bleibt ja bestehen).
  • Hausstaub(milben)allergie
    Die Hausstauballergie ist nach dem Heuschnupfen die zweithäufigste Allergie. Die meisten Asthma-Erkrankungen entstehen im Kindesalter als Folge einer Hausstauballergie. Auslöser der Hausstauballergie ist der Kot der Hausstaubmilbe, der sich nach dem Ausscheiden mit dem Hausstaub verbindet. Die winzigen Spinnentierchen leben besonders gern in der Matratze im Bett. Aber auch Teppiche, Sofa oder Stofftiere bieten einen idealen Lebensraum für die Milben.
  • Tierhaarallergie
    Häufig sind Reaktionen auf die Allergene, die von Pferden, Hunden und insbesondere Katzen ausgehen. Allergen wirken aber nicht die Tierhaare selbst, sondern die daran haftenden Spuren von Schweiß, Talg, Speichel oder Urin. Sie können allergische Reaktionen an den Schleimhäuten von Augen, Nase oder Bronchien auslösen.
  • Nahrungsmittelallergie
    Verbreitet sind Allergien gegen Kuhmilch und Hühnereiweiß, vor allem im Kleinkindalter. Die Beschwerden sind vielfältig und zeigen sich zum Beispiel durch Übelkeit und Durchfall, Schwellungen an Lippen, im Mund und Gesicht, Juckreiz und Hautausschläge. Bei einer Begrenzung der Beschwerden auf den Mund-Rachenraum spricht man vom „oralen Allergiesyndrom“. Im Magen-Darm-Trakt treten Übelkeit und Magenschleimhautentzündungen auf. Es kann zu wässrigen, schleimigen und in seltenen Fällen auch blutigen Durchfällen kommen. Die Symptome können mild, aber auch sehr heftig auftreten und von allgemeinem Juckreiz, Fieber, Gelenkschmerzen, Kopfschmerzen und Müdigkeit sowie Abgeschlagenheit begleitet sein. Echte Nahrungsmittelallergien im Erwachsenenalter sind selten. Viel häufiger sind Kreuzallergien (der Körper reagiert zum Beispiel bei einer Beifußallergie auch auf Sellerie), nicht-allergische Unverträglichkeiten (wie Sulfite), Enzymmangelkrankheiten (zum Beispiel Lactose-Unverträglichkeit) oder Darmerkrankungen.
  • Insektengiftallergie
    Auslöser ist das Gift von Bienen und Wespen, das bei einem Stich abgegeben wird. Typische Reaktionen sind Rötungen und Schwellungen an der Einstichstelle, die erheblich über eine bei den meisten Menschen vorkommende Reaktion hinausgehen. Außerdem kann es bei Allergikern zu Allgemeinbeschwerden wie Nesselsucht, Benommenheit, Herzrasen und Blutdruckabfall bis hin zum allergischen Schock kommen. Einige Menschen haben eine vererbte Neigung zu Überempfindlichkeitsreaktionen vom Soforttyp (Atopie). Dazu zählt beispielweise Neurodermitis.

Typ-II-Allergie (zytotoxischer Typ)
Die Auslösung dieser Allergien dauert bei Typ-II bedeutend länger, nämlich bis zu mehreren Stunden. Bei Allergien vom zytotoxischen Typ bildet das Immunsystem ebenfalls Antikörper gegen einen bestimmten Stoff, jedoch andere als bei Typ-I-Allergien (Immunglobulin G und M (IgG-, IgM-) Antikörper). Beide Gruppen von Antikörpern wirken gegen bestimmte Allergene, die sich auf der Oberfläche von körpereigenen Zellen oder Geweben befinden. Da die Antikörper gegen Allergene auf der Oberfläche von körpereigenen Zellen gebildet werden, werden diese körpereigenen Zellen zerstört.
Ein Beispiel für eine Typ-II-Reaktion ist die Zerstörung roter Blutkörperchen nach der intravenösen Zuführung von Blut mit einer falschen Blutgruppe (Bluttransfusion). Auch bei einigen Autoimmunerkrankungen oder bei dem Einbringen fremder (nicht „passender“) Organe in einen Körper (Transplantation). Wenn dieser das Organ abstößt, kommen Typ-II-Reaktionen vor.

Typ-III-Allergie (Immunkomplex-Typ)
Bei Typ-III-Allergien handelt es sich um Reaktionen, die erst nach etwa sechs bis zwölf Stunden eintreten. Daran beteiligt sind IgG- und IgM-Antikörper. Charakteristisch ist hier die Bildung von sogenannten „Immunkomplexen“, eine Verbindung aus Antikörpern und frei im Körper beweglichen Antigenen. Normalerweise beseitigt das Immunsystem solche Komplexe. Wenn sie sich jedoch ablagern, kann daraus eine Typ-III-Immunkomplexreaktion entstehen. Beispiele für Immunkomplex-Erkrankungen sind autoimmunologische Prozesse, bei denen es zu allergischen Gefäßentzündungen von Blutgefäßen kommt, wodurch auch die versorgten Organe geschädigt werden (Vaskulitis oder Serumkrankheit), oder eine Entzündung des Lungengewebes nach dem Einatmen bestimmter Allergene (exogene allergische Alveolitis, Farmerlunge).

Typ-IV-Allergie (Spättyp, verzögerter Typ)
Bei Reaktionen vom verzögerten Typ entwickeln sich die allergischen Reaktionen erst im Verlauf von Stunden bis Tagen. Unter den Allergien nimmt dieser Typ eine Sonderstellung ein: Typ-IV-Allergien werden über spezielle Zellen der Immunabwehr (den sogenannten „T-Lymphozyten“), nicht durch Antikörper, vermittelt. Bei Kontakt einer allergischen Person mit dem betreffenden Allergen sorgen die T-Lymphozyten dafür, dass weitere Abwehrzellen aktiviert werden. Die Folge darauf sind die typischen Anzeichen der Typ-IV-Allergien, oft in Form von Hautreaktionen (Ekzemen) nach Kontakt mit dem Allergen (typischerweise eine Chrom- oder Nickelverbindung). Außer diesem Kontaktekzem gehören noch die Abstoßung von transplantierten Organen und eine Überempfindlichkeitsreaktion auf bestimmte Eiweiße, die aus Bakterien gewonnen werden (Tuberkuline, Tuberkulinreaktion) zum verzögerten Allergietyp.

Diagnostik Allergie

Zunächst erfragt der Arzt die Beschwerden. Wichtig ist es festzustellen, ob ein zeitlicher Zusammenhang zwischen Auftreten der Beschwerden und Kontakt zu dem mutmaßlich auslösenden Stoff besteht. Wenn die geschilderten Krankheitszeichen auf eine Allergie hinweisen, sollte das auslösende Allergen ermittelt werden. Die wirksamste – und häufig einzig mögliche – Behandlung einer Allergie ist das Meiden dieser Substanzen.

Allergietest
Um das Allergen zu finden, führt der Arzt Allergietests durch. Voraussetzung ist, dass zu diesem Zeitpunkt keine Medikamente eingenommen werden, die die Allergie unterdrücken. Je nach Allergie stehen verschiedene Tests zur Verfügung: 

  • Bei den Soforttypreaktionen steht häufig ein Hauttest am Anfang der Diagnostik. Dabei werden verschiedene Allergene, die als Allergie-Auslöser in Betracht gezogen werden, auf den Unterarm aufgetragen und die Haut leicht angeritzt (Pricktest) oder in Ausnahmefällen in die Haut eingerieben (Reibetest). Ein Ergebnis ist bereits nach kurzer Zeit sichtbar. Bei nicht eindeutigen Ergebnissen können bestimmte Allergene auch in die Haut gespritzt werden (Intrakutantest).
  • Um eine Kontaktallergie nachzuweisen, wird ein Pflastertest durchgeführt. Dabei werden verschiedene Substanzen mit einem speziellen Pflaster auf den Rücken geklebt. Nach 48 Stunden wird das Pflaster entfernt und die Hautreaktion erstmalig beurteilt. Nach einem weiteren Tag wird die Reaktion zum zweiten Mal beurteilt, um zwischen  Hautreizung und Allergie unterscheiden zu können.
  • Weitere Testmethoden sind Provokationstestungen und Blutuntersuchungen, bei denen die Antikörper gegen die jeweiligen Allergene untersucht werden. Ein Verzicht auf bestimmte Nahrungsmittel sollte zum Beispiel nur dann erfolgen, wenn eine Allergie eindeutig erwiesen ist, zum Beispiel durch eine kontrollierte Provokationstestung.
  • Wird bei dem Allergietest kein Allergen gefunden, kann dennoch eine Allergie vorliegen, wenn der auslösende Fremdstoff in den untersuchten Proben nicht vertreten war. In so einem Fall ist es hilfreich, einen Allergiekalender zu führen.


Der Betroffene trägt jeden Tag ein,

  • was er wann gegessen hat,
  • welche Medikamente er eingenommen hat,
  • ob er in Kontakt mit besonderen Substanzen gekommen ist,
  • wann mit welcher Heftigkeit Krankheitszeichen aufgetreten sind.

Auf diese Weise kann das auslösende Allergen möglicherweise weiter eingegrenzt und ermittelt werden, selbst wenn der Kontakt schon mehrere Tage zurückliegt.

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