Amöbenruhr

Krankheitsbild Amöbenruhr

Was ist eine Amöbenruhr?
Die Amöbenruhr ist eine Infektion mit einzelligen Parasiten (Amöben), die eine schwere Durchfallerkrankung hervorrufen kann. Bei Fortschreiten der Erkrankung können schwere Komplikationen auftreten.

Entstehung
Amöben sind einzellige Parasiten, die vor allem in den Tropen und Subtropen vorkommen. Die Amöbenruhr wird durch die Amöbe Entamoebahistolytica ausgelöst. Diese entwickelt sich in zwei Stadien: Als kugelige Zyste (Überdauerungsform, die sich bei ungünstigen Lebensbedingungen wie Trockenheit oder Nährstoffmangel bildet) kann sie in der Außenwelt monatelang überleben und ansteckend sein. Die Zyste gelangt zunächst in den Dünndarm, und entwickelt sich dort zur Amöbe. In diesem Stadium wird sie Trophozoit genannt. Im Dickdarm angekommen, hat die Amöbe dann zwei Möglichkeiten, sich weiterzuentwickeln, nämlich zur Minuta-Form oder zur Magna-Form.

Weniger gefährlich ist die Minuta-Form. Sie lebt im Dickdarm des Betroffenen und ruft meist Durchfälle hervor, die jedoch von selbst heilen. Sie werden durch die Bildung von Zysten auf andere Menschen übertragen, indem sie über den Stuhl ausgeschieden und über verunreinigte Nahrung oder Trinkwasser von anderen Menschen aufgenommen werden.

Die wenigsten Infizierten erkranken an der Amöbenruhr. Die Krankheit bricht nur dann aus, wenn die Magna-Form der Amöben in das Gewebe des Dickdarmes eindringt und es schädigt. Bei der Schädigung des Darmgewebes werden Verdauungssekrete abgesondert. Dadurch entstehen blutige Durchfälle. Diese Durchfälle können jedoch von selbst wieder heilen. Gelangt die Magna-Form jedoch ins Blut, wird sie zu unterschiedlichen Organen verschleppt und siedelt sich dort an. Es kommt dann zu Entzündungen und Vereiterungen innerhalb des Organs.

Krankheitszeichen
Eine bis vier Wochen nach der Ansteckung äußert sich die Amöbenruhr mit blutig-schleimigen Durchfällen, zum Teil mit geleeartigen Auflagerungen, begleitet von Bauchschmerzen und gelegentlich auch mit Fieber. Die Amöben verursachen geschwürige Entzündungen der Schleimhaut des Dickdarms. Unter Umständen können sich entzündliche Geschwülste im Dickdarm bilden (Amöbome), es kann zu Bauchfellentzündungen, Darmblutungen, einem Darmdurchbruch oder einer massiven Erweiterung des Dickdarms (toxisches Megakolon) kommen. Ohne entsprechende Therapie kann die Amöbenruhr über eine lange Zeit immer wieder in Schüben auftreten (chronischer Verlauf). Unbehandelt kann die Krankheit durch Austrocknung (Exsikkose) zum Tod führen.

Eine gefürchtete Komplikation sind Amöbenabszesse in der Leber, die sich auch ohne nennenswerte vorausgegangene Darmstörungen bilden können. Diese eitrigen, abgekapselten Entzündungen können noch Monate bis Jahre nach der Infektion auftreten und Beschwerden verursachen. Meist machen sie sich durch ein Druckgefühl und gelegentlich auch durch Schmerzen im rechten Oberbauch bemerkbar. Reißen diese eitrigen Abkapselungen ein und entleeren sich in die Bauchhöhle, kann auch dies für den Betroffenen lebensbedrohliche Folgen haben.

Diagnostik Amöbenruhr

Jede anhaltende Durchfallerkrankung nach einer tropischen Reise in Länder, in denen die Erkrankung häufig vorkommt, ist verdächtig auf eine Amöbenruhr. Nach einer gründlichen körperlichen Untersuchung muss der Patient eine Stuhlprobe abgeben, zwei weitere in den zwei darauf folgenden Tagen. Die Zysten und die Trophozoiten können unter dem Mikroskop nachgewiesen werden, aber nur die Magna-Form beweist die Erkrankung. Zwischen der Stuhlentnahme und der Untersuchung dürfen nicht mehr als zehn Minuten vergehen, da die Trophozoiten sehr empfindlich sind und an der Luft schnell absterben.

Können keine Magna-Formen nachgewiesen werden und besteht weiterhin Verdacht auf eine Amöbenruhr, können von einem auf Parasiten spezialisierten Labor spezielle Tests durchgeführt werden. Mithilfe einer Stuhlkultur können andere bakterielle Durchfallerkrankungen ausgeschlossen werden. Der Arzt entnimmt außerdem eine Blutprobe, in der die Entzündungswerte und Elektrolyte bestimmt werden. Gelegentlich ist auch eine Darmspiegelung sinnvoll, um die geschwürigen Veränderungen im Dickdarm (Ulzerationen) zu untersuchen. Dabei ist aber eine Amöbenruhr nicht auf den ersten Blick von anderen Darmentzündungen zu unterscheiden. Erst eine feingewebliche Untersuchung von entnommenen Proben der Darmschleimhaut gibt Aufschluss. Amöbenabszesse in der Leber sind im Ultraschall (Sonografie) oder auf bildgebenden Schichtbildaufnahmen in der Computertomografie oder Kernspintomografie erkennbar.

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