Anämie

Krankheitsbild Anämie

Was ist eine Anämie?
Eine Anämie ist eine Verminderung des roten Blutfarbstoffes Hämoglobin oder der Anzahl der roten Blutkörperchen (Erythrozyten) unter den Wert, der normal für Alter oder Geschlecht ist.

Entstehung
Eine Blutarmut kann viele Ursachen haben. Dazu gehören eine verminderte Bildung, ein gesteigerter Abbau sowie der Verlust von roten Blutkörperchen, zum Beispiel durch Blutungen. Am häufigsten liegt ein Mangel an Stoffen oder Mineralien vor, die für die Bildung von Hämoglobin und Erythrozyten notwendig sind. Das sind Eisen, Vitamin B12 und Folsäure. Ein Mangel tritt auf, wenn diese Substanzen nur unzureichend mit der Nahrung aufgenommen werden oder wenn ihre Aufnahme aus der Nahrung gestört ist.

So können andauernde (chronische) Blutungen, wie sie beispielsweise bei einem Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür auftreten, oder starke Menstruationsblutungen bei Frauen zu einem Verlust an roten Blutkörperchen (Blutanämie) führen. Da mit dem Blut Eisen verloren geht und die Erythrozyten den größten Eisenspeicher des Körpers bilden, entwickelt sich im weiteren Verlauf in der Regel ein Eisenmangel. Außerdem können Anämien als Begleiterscheinung von Infektionen und von chronischen Erkrankungen wie rheumatischen Erkrankungen, Nierenleiden oder Tumorerkrankungen auftreten. Meist ist, als Folge dieser chronischen Erkrankungen, die Blutbildung im Knochenmark gestört. Eine in der zweiten Schwangerschaftshälfte häufig vorkommende Anämie ist meist durch den erhöhten Wassergehalt des Blutes sowie durch einen Folsäure- und Eisenmangel bedingt.

Einige seltenere Anämien sind angeboren. Dazu zählen unter anderem eine Beschädigung des Häutchens (Membran), das die roten Blutkörperchen umgibt (Kugelzellenanämie - Sphärozytose), eine Verformung der Erythrozyten aufgrund einer Schädigung des Hämoglobins (Sichelzellanämie) und eine Erkrankung der roten Blutkörperchen, aufgrund unzureichender Bildung oder gesteigerten Abbaus von Hämoglobin (Thalassämie). Allen gemeinsam ist eine verminderte Lebensdauer der roten Blutkörperchen.

Krankheitszeichen
Beim Mann spricht man von einer Blutarmut, wenn der Hämoglobingehalt des Blutes weniger als 13,5 Gramm pro Deziliter (Normwert eines gesunden Mannes liegt zwischen 13 und 18 Gramm pro Deziliter oder 8,7 bis11,2 mmol/Liter) beträgt. Bei der Frau liegt der Grenzwert bei weniger als zwölf Gramm pro Deziliter (Normwert bei einer gesunden Frau liegt zwischen zwölf und 16 Gramm pro Deziliter oder 7,5 bis9,9 mmol/Liter). Der Hb-Wert unterliegt bei jedem Mensch Schwankungen. Tageszeit, Körperposition, die Labormethode und die Art und Weise der Blutentnahme haben Einfluss auf den Wert. Zudem geben die Blutlabore unterschiedliche Grenzwerte aus – teilweise in unterschiedlichen Maßeinheiten. All diese Faktoren wird der Arzt bei der Beurteilung des Hämoglobin-Werts und der weiteren Diagnose beachten. Bei Kindern gelten abhängig vom Alter andere Werte.

Die roten Blutkörperchen transportieren im durch die Gefäße fließenden Blut Sauerstoff zu den Organen, um deren Funktion aufrecht zu erhalten. Sind aufgrund einer Anämie zu wenige Erythrozyten vorhanden, kommt es zu einem Sauerstoffmangel in dem betreffenden Organ. Ein dauerhafter Sauerstoffmangel kann unbehandelt zu nachhaltigen Schäden an den Organen führen. Je nach Ursache hat eine Anämie mehr oder weniger starke Auswirkungen auf den Körper. Für den Patienten äußert sich das mit Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Leistungsabfall. Die Betroffenen sind blass und klagen über Schwäche und Kopfschmerzen. Es kann zu Atemnot, vor allem bei Belastung, Konzentrationsstörungen und zu Herzklopfen kommen. Die allgemeine Abgeschlagenheit und die verminderte Leistungsfähigkeit können den Betroffenen bei der Bewältigung alltäglicher Aufgaben und im Berufsleben stark einschränken.

Begleitend können Veränderungen der weißen Blutzellen (Leukozyten) oder der Blutplättchen (Thrombozyten) vorkommen. Ist auch deren Anzahl verringert, können zusätzlich eine verminderte Immunabwehr und in Folge eine vermehrte Anfälligkeit gegenüber Infekten vorliegen.

Diagnostik Anämie

Die Beschwerden des Patienten und die Entwicklung der Krankheitszeichen sind wegweisend für die Diagnose. Den ersten Hinweis gibt eine auffallende Blässe der sichtbaren, im Regelfall gut durchbluteten Schleimhäute des Körpers, wie zum Beispiel der Bindehäute des Auges. Der Arzt befragt den Patienten deshalb ausführlich zu bestehenden Vor- oder Begleiterkrankungen (wie Magengeschwüre, Herzerkrankungen oder Tumorerkrankungen), regelmäßig eingenommenen Medikamenten und seiner Ernährung. Es folgt eine gründliche körperliche Untersuchung.

Eine Blutuntersuchung gibt Auskunft über die Hämoglobinmenge im Blut sowie über die Anzahl und Größe der einzelnen Blutzellen. Nicht selten kann die Ursache einer Anämie schon durch wenige Laboruntersuchungen eingegrenzt werden. Zwar haben allen Formen der Blutarmut eine Verringerung der gesamten Hämoglobinmenge gemeinsam. Je nach Ursache weisen jedoch die roten Blutkörperchen unterschiedliche und mitunter charakteristische Veränderungen auf. Weiterhin lassen sich im Blut die Menge an Vitamin B12, Folsäure und Eisen sowie die Eisenreserven im Körper bestimmen.

Hinweise auf Blutungen im Magen-Darm-Trakt kann ein Test auf mit dem bloßen Auge nicht sichtbares Blut im Stuhl geben (Hämoccult-Test, Stuhlbriefchen-Test). Für den Test werden Proben von drei aufeinanderfolgenden Stuhlgängen untersucht. Die Patienten streichen die Proben mit Hilfe kleiner Spatel in sogenannte „Testbriefchen“ ein und liefern sie beim behandelnden Arzt zur Überprüfung im Labor ab. Finden sich Blutspuren, muss ihre Ursache geklärt werden. Dies geschieht mittels einer Darm- und/oder einer Magenspiegelung (Koloskopie, Gastroskopie). Bei der Untersuchung wird der Darm mit einem dünnen, schlauchförmigen Instrument (Koloskop) untersucht. Das Koloskop verfügt über eine oder mehrere Kameras, mit denen sich das Darminnere betrachten lässt. Außerdem besitzt es eine Spülvorrichtung sowie Kanäle, durch die spezielle, biegsame Instrumente geführt werden können. Auf Wunsch kann der Patient bei dieser Untersuchung ein Beruhigungsmittel bekommen, das ihn in einen leichten Dämmerzustand versetzt. Ähnlich wird bei der Spiegelung des Magens vorgegangen.

Zur Abklärung von Blutungen in der Harnblase oder den übrigen ableitenden Harnwegen wird eine Urinprobe untersucht. Gegebenenfalls werden anschließend weitere urologische, bei Frauen auch gynäkologische Untersuchungen veranlasst. Weitere Untersuchungen sind je nach Verdacht die Entnahme von Knochenmark (Knochenmarkpunktion), um blutbildende Zellen genauer zu untersuchen.

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