Angststörungen

Krankheitsbild Angststörungen

Was sind Angststörungen?
Angst ist ein jedem bekanntes Gefühl, das in den meisten Situationen eine auf Gefahren hinweisende Warnfunktion hat. Von einer Angststörung (Phobie) spricht man hingegen erst, wenn Menschen in ungefährlichen Situationen übertriebene Angstgefühle entwickeln. Die Betroffenen können sich ihre starken, unangemessenen Gefühle oft selbst nicht erklären.

Entstehung
Wie Angststörungen entstehen, ist noch nicht endgültig erforscht. Sehr wahrscheinlich tragen zahlreiche Umstände zur Entstehung einer Angststörung bei, beispielsweise ein besonders belastendes Lebensereignis, aber auch lang anhaltende alltägliche Belastungen. Nach neueren Erkenntnissen spielt auch eine besondere Neigung, auf Angst zu reagieren, eine Rolle. Diese Bereitschaft hat genetische Ursachen. Obwohl die Patienten wissen, dass ihre Angstgefühle unbegründet sind, sehen sie keine Möglichkeit, die Ängste zu verringern. Dementsprechend meiden sie die Situationen, in denen diese extreme Angst entstehen könnte. So entsteht auch eine „Angst vor der Angst“, die durch das Vermeidungsverhalten noch verstärkt wird.

Krankheitszeichen
Die Krankheitszeichen bei Angststörungen sind vielfältig und hängen von der genauen Ausprägung der jeweiligen Erkrankung ab. In akuten Situationen der Angst bemerken Patienten körperliche Veränderungen wie Zittern oder Erröten, ihnen wird schwindelig oder übel und manche verlieren die Kontrolle über ihre Blasenfunktion. Oft haben die Betroffenen Angst, in solchen Situationen nicht schnell genug einen sicheren Ort zu erreichen.

Panikanfälle sind sehr ausgeprägte und plötzlich auftretende Angstanfälle, die meistens an eine bestimmte Situation (zum Beispiel im Supermarkt) gebunden sind. Während eines Panikanfalls können bei den Patienten Krankheitszeichen wie Schwitzen, Zittern, Schwindel oder Übelkeit auftreten. Gleichzeitig erleben sie verschieden starke, körperliche Begleiterscheinungen wie Herzrasen, Schmerzen im Brustbereich und Atemnot bis hin zu Todesängsten. Diese Erscheinungen treten auf, ohne dass eine körperliche Erkrankung vorliegt.

Die Häufigkeit der auftretenden Panikattacken ist sehr unterschiedlich: Sie reicht von einmal pro Woche bis zu Unterbrechungen von mehreren Monaten. Auch die Dauer ist verschieden. Meist beginnen die Angstanfälle sehr plötzlich, steigern sich innerhalb von zehn Minuten und können etwa eine Stunde andauern.

Andere Patienten erleben zwar keine Panikanfälle, leiden neben ihren Ängsten jedoch unter Ruhelosigkeit, Reizbarkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, Schlafstörungen sowie körperlichen Symptomen wie Schwindel, Herzrasen oder Schwitzen.

Verschiedene Ausprägungen/Verläufe
Es lassen sich zwei Gruppen von Angststörungen unterscheiden. Gerichtete Ängste beziehen sich auf bestimmte Situationen oder Objekte. Dazu gehören:

Soziale Phobie
Menschen mit einer sozialen Phobie haben starke Angst vor Situationen, in denen sie von anderen Menschen bewertet oder beurteilt werden könnten. Sie leiden meist unter einem geringen Selbstwertgefühl und fürchten Kritik. Die Betroffenen haben Angst zu versagen, sich lächerlich zu machen oder von anderen gedemütigt zu werden. In Gegenwart anderer zu sprechen, zu essen, oder zu trinken gehört zu den typischen Situationen, vor denen Menschen mit sozialer Phobie Angst haben. Im Gegensatz zu normaler Unsicherheit oder Schüchternheit spricht man dann von sozialer Phobie, wenn die Ängste sehr stark ausgeprägt sind, über einen längeren Zeitraum bestehen und dazu führen, dass der Betroffene zunehmend Situationen vermeidet, in denen die Ängste auftreten.

Spezifische Phobie
Wenn sich die Phobie auf bestimmte Tiere oder einen ganz bestimmten Gegenstand bezieht, spricht man von spezifischen Phobien. Dazu zählen beispielsweise eine unangemessene Angstreaktion vor Hunden oder Spinnen, vor Höhen, vor Unwetter sowie vor Blut, Spritzen oder Verletzungen. Die übertriebene Angst vor engen Räumen (Klaustrophobie) gehört ebenfalls zu den spezifischen Phobien.

Platzangst (Agoraphobie)
Bei der Agoraphobie tritt die Angst vor allem in Situationen auf, in denen man sich außerhalb der gewohnten Umgebung aufhält. Platzangst ist die Angst vor Plätzen, auf denen sich viele Menschen aufhalten. Menschenmengen und öffentliche Orte wie überfüllte Kaufhäuser erscheinen dann oft als sehr bedrohlich. Diese Form der spezifischen Ängste ist für die Betroffenen meist besonders einschränkend, da ihre Furcht in vielen Fällen dazu führt, dass sie das Haus nur noch selten verlassen. Durch diesen zunehmenden Rückzug entstehen bei vielen Menschen, die unter Agoraphobie leiden, zusätzlich Anzeichen einer Depression.

Zu der zweiten Gruppe, den ungerichteten Ängsten, gehören die Panikstörung und die generalisierte Angststörung, also Ängste, die ohne einen äußeren Auslöser auftreten:

Panikstörung
Bei einer Panikstörung treten wiederholt unerwartete Panikanfälle auf. Im Zusammenhang mit starken körperlichen Empfindungen haben die Betroffenen Angst, die Kontrolle zu verlieren, verrückt zu werden oder sogar zu sterben. Häufig erleben sie den Angstanfall als so bedrohlich, dass sie den Notarzt rufen oder wiederholt ihren Arzt aufsuchen, um sich auf eine zugrundeliegende körperliche Erkrankung untersuchen zu lassen. Weil die Paniksymptome so plötzlich und unerwartet auftreten, bauen die meisten Betroffenen eine starke Erwartungsangst vor dem nächsten Anfall auf. Aus Furcht, dann nicht rechtzeitig Hilfe holen zu können, verlassen viele nur noch in Begleitung das Haus. Auch wenn Panikanfälle meist unerwartet auftreten, kann mit der Zeit eine Kopplung an bestimmte Situationen, wie beispielsweise einen Supermarktbesuch, auftreten.

Generalisierte Angststörung
Menschen mit einer generalisierten Angststörung machen sich sehr häufig und in übertriebener Form Sorgen. Die Ängste und Befürchtungen können sich auf ganz unterschiedliche Aspekte ihres Lebens beziehen. Typisch ist zum Beispiel die Sorge, dass Angehörigen etwas Schlimmes zustoßen könnte; auch übertriebene Geldsorgen oder die Befürchtung, im Beruf nicht leistungsfähig genug zu sein gehen häufig mit dieser Art von Angsstörung einher. Auch Menschen mit einer generalisierten Angststörung sind sich im Klaren darüber, dass ihre Befürchtungen unrealistisch und übertrieben sind, können sie jedoch nicht kontrollieren.

Diagnostik Angststörungen

Menschen, die unter einer Angststörung leiden, suchen oft erst relativ spät einen Psychotherapeuten auf. Erst wenn der Leidensdruck sehr groß ist, wird Hilfe gesucht. Eine Ausnahme bilden Menschen mit Panikanfällen. Da sie starke körperliche Symptome wahrnehmen, haben sie aufgrund der Annahme, dass diese Symptome auch eine körperliche Ursache haben müssen, meist zahlreiche Arztbesuche hinter sich, wenn sie zur Behandlung der Angststörung kommen.

Zunächst sollte immer abgeklärt werden, ob körperliche Krankheiten (wie Schilddrüsenfunktionsstörungen) vorliegen oder ob die Angststörungen auf die Einnahme von bestimmten Medikamenten zurückzuführen sind. Beim behandelnden Psychotherapeuten dient dann ein Erstgespräch dem gegenseitigen Kennenlernen und einer ersten diagnostischen Einschätzung. In weiteren Sitzungen macht sich der Arzt ein genaues Bild von der Störung und ihren Auswirkungen auf das Alltagsleben.
Der Therapeut lässt sich beispielsweise eine Situation, in der die Angst zuletzt aufgetreten ist, detailliert schildern und erfragt, unter welchen Bedingungen die Ängste vorkommen und wie der Betroffene damit umgeht. Der Arzt stellt entweder offene Fragen oder er orientiert sich an einem vorgegebenen Fragenkatalog, mit dem er alle wichtigen Details erfassen kann. Manchmal gibt er dem Patienten ein “Angsttagebuch“ mit, welches geführt werden sollte, damit sich der Arzt ein noch genaueres Bild auch über die Begleitumstände der Angst machen kann. Im Anschluss an die Diagnostik entwickeln Arzt und Patient gemeinsam ein Erklärungsmodell, wie die Angststörung entstanden sein könnte.
Der Begriff der Angststörungen ist ein sehr weiter Begriff, unter dem viele Angsterkrankungen zusammengefasst werden. Jedoch gibt es nur für einige Gruppen der Angststörungen ausreichend Studien zur richtigen Diagnose und Behandlung.

Sie haben Fragen und wünschen eine persönliche Beratung zu gesundheitlichen und gesundheits- sowie sozialrechtlichen Themen?

Unsere UPD-Experten beantworten Ihre Fragen:

Wichtiger Hinweis: Bitte schicken Sie uns keine Original-Unterlagen mit der Post zu, sondern ausschließlich Kopien. Wir können leider keine Rücksendung Ihrer Unterlagen vornehmen. Aus Datenschutzgründen werden Ihre Dokumente nach der Bearbeitung Ihres Anliegens ordnungsgemäß vernichtet.

© 2017 UPD Patientenberatung Deutschland gGmbH – Dieses gesundheitsbezogene Informationsangebot dient lediglich Ihrer Information und ersetzt in keinem Fall eine persönliche Beratung, Untersuchung oder Diagnose durch einen approbierten Arzt. Die zur Verfügung gestellten Inhalte können und dürfen nicht zur Erstellung eigenständiger Diagnosen und/oder einer Eigenmedikation verwendet werden.