Arteriosklerose

Krankheitsbild Arteriosklerose

Was ist Arteriosklerose?
Arteriosklerose ist eine langsam fortschreitende Erkrankung der Arterien (vom Herzen wegführender Blutgefäße). Durch Kalk- und Fettablagerungen in den Arterien kommt es zu einer Versteifung der Arterienwände, zu einem Verlust der Elastizität und zu einer Verengung der Gefäße.

Entstehung
Die Entstehung einer Arteriosklerose ist ein mehrere Jahre andauernder, schleichender Prozess. Oft treten die Krankheitszeichen erst im höheren Alter auf. Einzelne schädigende Faktoren beziehungsweise die Kombination von mehreren führen mit der Zeit zu einer krankhaften Veränderung der Blutgefäßwände. Häufig tritt Arteriosklerose als Alterserscheinung bei älteren Menschen auf. Aber auch Risikofaktoren wie Rauchen, fettreiche Ernährung, hoher Blutdruck, Fettstoffwechselstörung, Zuckerkrankheit oder Bewegungsmangel erhöhen das Arteriosklerose-Risiko. Zahlreiche Risikofaktoren begünstigen das Entstehen einer Arteriosklerose.

Davon lassen sich einige nicht beeinflussen:

  • wie Vererbung (genetische Veranlagung mit Erhöhung des Lipoprotein (a)), Fettstoffwechselstörung
  • zunehmendes Lebensalter

Für Männer besteht ein höheres Risiko, an Arteriosklerose zu erkranken. Bei Frauen erhöht sich das Risiko mit dem Erreichen der Wechseljahre, da der höhere Östrogenspiegel einen Schutzfaktor darstellt. Infektionen gelten seit Längerem als mögliche Risikofaktoren einer Arteriosklerose.

Die umgangssprachlich auch als „Arterienverkalkung“ bezeichnete Gefäßveränderung kann sich in allen arteriellen Blutgefäßen des Körpers entwickeln. Besondere Bedeutung hat sie allerdings in bestimmten Regionen: den Halsarterien, den Gehirnarterien, den Herzkranzarterien, den Beckenarterien oder den Beinschlagadern. Besonders häufig tritt sie beispielsweise an Stellen auf, an denen sich die Gefäße verzweigen.

Bei der Entstehung der Arteriosklerose spielt eine Erhöhung des Cholesterins eine wichtige Rolle. Cholesterin ist lediglich eine Art von Fett im Blut. Es ist für die Wände der Körperzellen, die Isolierung der Nervenzellen und die Herstellung bestimmter Hormone unentbehrlich. Es trägt darüber hinaus zur Verdauung der Nahrung bei. Die Leber stellt etwa 80 Prozent des im Körper enthaltenen Cholesterins her. Den Rest nimmt man durch Nahrung tierischen Ursprungs auf. Man unterscheidet zwischen dem „guten“ und dem „schlechten“ Cholesterin: Das „gute Cholesterin“ (HDL) bindet Fett aus dem Körper und transportiert es zur Leber (entfernt es somit), das „schlechte Cholesterin“ (LDL) transportiert Fett von der Leber in die Körperzellen.

Hohe HDL-Werte gehen laut aktuellen großen Studien mit einem erniedrigten Arteriosklerose-Risiko einher, eine medikamentöse Erhöhung des HDL dagegen nicht mit einem erniedrigten Risiko – wie früher angenommen. Dazu müssen die bei erniedrigtem HDL erhöhten Trigliceride – die normalen Blutfette – durch Medikamente oder geänderte Nahrungsaufnahme erniedrigt werden. Das durch das erhöhte LDL herantransportierte Fett lagert sich (als sogenannter Fettstreifen) an den Innenwänden der Arterien ab und löst dort eine Entzündung aus. Die Antwort des Immunsystems ist das Bereitstellen von weißen Blutkörperchen, die zur Gefäßwand wandern und so viel LDL wie möglich aufnehmen. Dabei schwellen sie zu sogenannten Schaumzellen an. Weitere Zellen der Immunabwehr setzen daraufhin entzündungsfördernde Substanzen frei. Der Fettstreifen wächst und bildet die Grundlage für arteriosklerotische Ablagerungen (Plaques). Durch die Plaques wird die Innenhaut der Arterien immer dicker und der Innendurchmesser der Gefäße enger.

Im weiteren Verlauf können die Plaques aufbrechen und sich Blutplättchen und andere Blutbestandteile anlagern. Dieser Vorgang kann zum akuten Verschluss der Arterie führen. Andererseits versteifen Kalkeinlagerungen zunehmend die Arterienwand, das Blutgefäß verliert seine Elastizität. Das Blut kann durch den verkleinerten Querschnitt der Arterien nicht mehr ungehindert fließen. Dies hat zur Folge, dass Organe, wie Herz, Niere und Gehirn, schlechter durchblutet und nur ungenügend mit wichtigen Nährstoffen und Sauerstoff versorgt werden. Das kann ihre Funktion einschränken. Kommt es zum kompletten Verschluss eines Gefäßes, drohen Funktionsausfälle.

Diese Verengung der Blutgefäße geschieht langsam und macht sich an den Nieren durch einen Funktionsausfall und an Herz und Beinen durch Schmerzen bemerkbar. Auch ein „Verschleppen“ abgelöster Blutgerinnsel von den Plaques über die Blutbahn in andere Blutgefäße ist möglich. Dort bleiben sie stecken. Man spricht in einem solchen Fall von einer Embolie, die zu einer plötzlichen Durchblutungsstörung mit schweren akuten Symptomen führt. Beispielsweise verursacht eine Embolie im Fall einer Hirnarterie einen Schlaganfall. Die Gefäßwand der Arterien kann auch so geschwächt werden, dass eine Gefäßerweiterung (Aneurysma) entsteht. Das birgt die Gefahr von plötzlichen schweren Blutungen, wenn es reißen sollte.

Krankheitszeichen
Abhängig vom Grad der Arterienverkalkung, ihrer Lage im Körper und dem Ausmaß bereits bestehender Einengungen an anderen Arterien kann die Arteriosklerose mit schweren Krankheitszeichen einhergehen.

Verschiedene Ausprägungen/Verläufe

Herzkranzgefäße
Sind die Herzkranzgefäße verengt, spricht man von der koronaren Herzkrankheit (KHK). Es kommt zu einer Minderversorgung des Herzmuskels mit Sauerstoff, die die Betroffenen oft längere Zeit gar nicht bemerken. Erst wenn der Sauerstoffmangel der Herzmuskelzellen eine kritische Grenze erreicht hat, äußern sich die Krankheitszeichen als Brustschmerz. Da der Sauerstoffbedarf des Herzmuskels unter Belastung steigt, kommt es typischerweise zunächst bei körperlicher Belastung zu Schmerzen – zu einer sogenannten Angina pectoris (Brustenge). Charakteristische Beschwerden sind Druck- und Engegefühle in der Brust in Verbindung mit Schmerzen, die in den linken Arm oder andere Körperregionen ausstrahlen können. Ferner können Luftnot und Herzrhythmusstörungen auftreten. Die Herzrhythmusstörungen verursachen Schmerzen im Brustkorb und werden oft von Herzrasen und Schweißausbrüchen begleitet. Da es sich bei der Arteriosklerose um einen fortschreitenden Prozess handelt, nehmen diese Krankheitszeichen oft an Dauer, Häufigkeit und Intensität zu oder treten bereits in Ruhe auf.

Im schlimmsten Fall führt die Gefäßverengung zu einem Herzinfarkt, bei dem das betroffene Gewebe plötzlich überhaupt nicht mehr mit Sauerstoff versorgt wird. In den Plaques können sich kleine Risse bilden, an die sich dann die Blutplättchen anlagern. In der Folge bildet sich ein Blutgerinnsel (Thrombus), welches das Blutgefäß verschließt. Stellt man die Sauerstoffversorgung nicht binnen kurzer Zeit wieder her, stirbt das nicht durchblutete Herzmuskelgewebe ab – es kommt zum Herzinfarkt. Aber auch ohne Herzinfarkt kann die KHK auf Dauer zu einer allgemeinen Herzschwäche mit Leistungsminderung und herabgesetzter Belastbarkeit des Betroffenen führen.

Seit vielen Jahren versuchen Forscher zu klären, ob ein hoher Homocysteinspiegel das KHK-Risiko erhöht. Die Autoren einer Metaanalyse von 86 Studien kamen zu dem Ergebnis, dass lebenslang mäßig erhöhte Homocysteinspiegel offensichtlich kein erhöhtes Risiko für eine KHK mit sich bringen.

Halsschlagader
Ist der Blutfluss in der das Gehirn versorgenden Halsschlagader gestört oder wird sie durch ein Blutgerinnsel verstopft, kommt es zu Funktionsstörungen des Nervensystems wie Lähmungen oder Sprachstörungen. Eine lang anhaltende (chronische) Durchblutungsstörung (zerebrovaskuläre Insuffizienz) und die damit verbundene Unterversorgung mit Sauerstoff führen am Gehirn zu Krankheitszeichen wie Schwindel oder zum zunehmenden Verlust der geistigen Leistungsfähigkeit (Demenz). Ein vorübergehender (akuter) Abbruch der Blutversorgung führt zum Schlaganfall, bei dem die nicht mehr durchbluteten Hirnareale absterben.

Becken- und Beinarterien
Auch Arterien im Becken und in den Beinen können durch Arteriosklerose verengt sein. Die sogenannte periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) entsteht durch Durchblutungsstörungen in den Oberschenkeln und Waden. Bereits nach kurzen Gehstrecken treten dann Muskelscchmerzen auf. Weil Betroffene häufige Gehpausen einlegen müssen, spricht man auch von der Schaufensterkrankheit (Claudicatio intermittens). Nimmt die Durchblutungsstörung zu, kommt es meist an den Zehen zur Ausbildung von Nekrosen, zum Absterben des Gewebes. Beim plötzlichen Verschluss einer verengten Beinarterie durch Embolie ist das Bein kalt und weiß. Außerdem schmerzt das Bein sehr stark. Durch Arterienverengungen im Becken kann es bei Männern auch zur Impotenz kommen.

Nierengefäße
Nierenarterienverengung und -verschluss führen zu einer eingeschränkten Nierenfunktion (Nierenschwäche) und zu Bluthochdruck. Im schlimmsten Fall kommt es zum Nierenversagen.

Diagnostik Arteriosklerose

Eine eingehende Befragung des Patienten (Anamnese) gibt dem Arzt bereits wichtige Hinweise auf Art und Schwere der Erkrankung. Außerdem wird der Betroffene einer körperlichen Untersuchung unterzogen. Bei einer Arteriosklerose gibt eine Blutuntersuchung wichtige Hinweise. Sie dient insbesondere dem Ausschluss zugrunde liegender Krankheiten, wie Fettstoffwechselstörungen oder der Zuckerkrankheit.

Mittels Ultraschalluntersuchungen (Sonografie) werden die Gefäße untersucht. Dies ist ein vollkommen ungefährliches Verfahren, das gänzlich ohne Strahlenbelastung auskommt. Das Prinzip beruht auf der Anwendung von Ultraschallwellen im nicht hörbaren Bereich. Ultraschalluntersuchungen zeigen Veränderungen der Gefäßwände und der Blutströmungen in den Gefäßen.

Der sicherste Nachweis einer Gefäßverengung ist eine Röntgenuntersuchung mit der vorherigen Gabe eines Röntgenkontrastmittels (Angiografie). Röntgen ist ein weit verbreitetes bildgebendes Verfahren, bei dem ein Körperteil unter Verwendung von Röntgenstrahlen dargestellt wird.

Auch Computertomografie (CT)- und Magnetresonanztomografie (MRT)- Untersuchungen dienen der Verbildlichung der Gefäße. Beim CT umkreist den Patienten eine Röntgenröhre und sendet gleichzeitig ein dünnes Röntgenstrahlbündel aus. Die MRT-Untersuchung setzt keine Röntgenstrahlen ein, sondern ein starkes Magnetfeld und Radiowellen. Diese Verfahren ersetzen zunehmend die direkte Darstellung der Arterien durch Kontrastmittel.

Zur Erkennung von Folgeerscheinungen am Herzen (wie beispielsweise Angina pectoris oder Herzinfarkt) kann ein Elektrokardiogramm (EKG) in Ruhe und unter Belastung (Belastungs-EKG) durchgeführt werden. Dabei wird die elektrische Aktivität des Herzens aufgezeichnet und mögliche Veränderungen registriert. Auch modernere Belastungsuntersuchungen mit Ultraschall oder MRT können Durchblutungsstörungen des Herzens nachweisen. Zur direkten Darstellung der Verengungen der Herzkranzarterien dienen die Kardio-Computertomografie und eine invasive Untersuchung, das heißt eine Herzkatheter-Untersuchung (Koronarangiografie).

Die Koronarangiografie ist eine spezielle Form der Röntgenuntersuchung der Herzkranzgefäße mit einem Röntgenkontrastmittel. Dabei wird ein Herzkatheter (ein dünner, biegsamer Kunststoffschlauch) in einem kleinen operativen (minimal-invasiven) Eingriff über eine Arterie eingeführt, um sich dem zu untersuchenden Organ von innen zu nähern und den Blutfluss visuell zu kontrollieren. Bei hirnbezogenen Krankheitszeichen können mögliche Verengungen der Halsschlagadern ebenfalls mit einer Ultraschalluntersuchung festgestellt werden. Verengte Gefäße im Inneren des Schädels werden dagegen mittels Angiografie sichtbar gemacht. Nach einem Hirninfarkt kann abgestorbenes Hirngewebe in einer CT- oder MRT-Untersuchung nachgewiesen werden.

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