Botulismus

Krankheitsbild Botulismus

Was ist Botulismus?
Botulismus ist eine durch das sporenbildende Bakterium Clostridium botulinum verursachte Nahrungsmittelvergiftung. Die Bakterien entwickeln das Nervengift Botulinumtoxin, welches unter anderem zu Nervenlähmungen führt.

Entstehung
Das Bakterium Clostridium botulinum kommt weltweit im Erdboden und küstennahen Gewässern vor und bildet widerstandsfähige Sporen. Sie lassen sich durch Erhitzen nicht abtöten, sodass sie alle Konservierungsmethoden überleben. Aus diesen Sporen entwickeln sich die Bakterien. Dieser Vorgang ist jedoch nur unter ganz bestimmten Umweltbedingungen möglich: unter Luftabschluss, bei einem pH-Wert größer als 4,5, bei geringen Zucker- und Salzkonzentrationen und bei Temperaturen von vier bis 120 Grad Celsius. Das bedeutet, dass die Sporen häufig mit der Nahrung aufgenommen werden, jedoch ohne die erforderlichen Bedingungen nicht keimen. In diesen Fällen bilden sich aus den Sporen keine Bakterien. Da nur die Clostridien, nicht aber ihre Sporen dazu befähigt sind, das Nervengift Botulinumtoxin zu bilden, besteht in diesen Fällen keine Gefahr der Erkrankung. Das Toxin kann durch Erhitzen zerstört werden, bei 100 Grad Celsius in wenigen Sekunden, bei 80 Grad Celsius werden sechs Minuten benötigt.

Häufig sind die Sporen in selbst eingekochten oder geräucherten Lebensmitteln oder in verunreinigten und unzureichend erhitzten Konserven zu finden. Die Entwicklung der Bakterien aus den Sporen und die Toxinbildung findet beispielsweise in Konserven oder Weckgläsern statt. Sie werden dann unbemerkt durch den Verzehr der Nahrungsmittel aufgenommen, denn man kann der Nahrung den Befall mit Bakterien nicht ansehen. Außerdem riecht und schmecken die Lebensmittel normal. Vorgewölbte Konservenbüchsen sind immer verdächtig. Problematisch können selbst eingelegtes Gemüse oder Obst sowie selbst hergestellte Konserven, auch mit Fleisch oder Fisch, sein.

Selten kommt es zu anderen Formen des Botulismus, wie etwa dem Wundbotulismus. In diesem Fall besiedeln die Bakterien eine Wunde, in der sie das Botulumtoxin freisetzen. Beim Säuglingsbotulismus gelangen die Bakterien durch die Aufnahme von Sporen mit der Nahrung (beispielsweise im Honig) in den Darm von Neugeborenen, wo sie nach ihrer Keimung das Toxin produzieren. Deswegen sollten Kinder unter zwölf Monaten keinen Honig erhalten. In Einzelfällen ist eine Besiedlung des Darms auch bei Erwachsenen nachgewiesen worden (intestinaler Botulismus bei Erwachsenen). Auch eine Inhalation des reinen Toxins ist möglich. Nach der Freisetzung des Toxins wird dieses über das Blut im Körper verteilt und gelangt so zu den Nervenzellen. Dort bewirkt das Gift, dass ein bestimmter Botenstoff, das Acetylcholin, nicht mehr ausgeschüttet werden kann. Da Acetylcholin unter anderem für die Übertragung von Signalen zwischen Nerven und Muskeln zuständig ist, kommt es zu Lähmungen unterschiedlicher Muskeln.

Krankheitszeichen
Kurz nachdem die verunreinigte Nahrung verzehrt worden ist oder nach Inhalation des Toxins beginnen Magen-Darm-Beschwerden, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall (Diarrhö) und Bauchkrämpfe. Im Verlauf entwickelt sich eine Verstopfung (Obstipation). Dann treten durch das Nervengift verursachte Lähmungen auf. Zunächst sind meist der Sehnerv und die Augenmuskeln betroffen, was zu weiten Pupillen sowie zu Doppelt- und Verschwommensehen führt. Die Augenlider hängen schlaff herunter. Hinzu kommen Sprech- und Schluckstörungen.

Wenn die Lähmungen weiter fortschreiten, können sie schließlich das Zwerchfell betreffen und Atemnot bis hin zum Atemstillstand verursachen. Daneben leiden die Erkrankten oft unter einem trockenen Mund, Verstopfung und können nicht mehr Wasser lassen. Das Bewusstsein und die Empfindung sind allerdings nicht beeinträchtigt.

Beim Botulismus, der nach der Aufnahme von Nahrungsmitteln ausgelöst wird, beträgt die Zeit bis zum Ausbrechen der Krankheitszeichen für gewöhnlich 12 bis 36 Stunden. Je nach Menge des Toxins kann die Zeit jedoch auch wenige Stunden bis mehrere Tage betragen. Auch das Ausmaß der Lähmung hängt von der Toxinmenge ab.

Beim Wundbotulismus ist die Einschätzung einer Zeit bis zum Ausbrechen der Erkrankung schwierig zu ermitteln. Dies kann laut Informationen der Weltgesundheits-Organisation bis zu zwei Wochen dauern. In den meisten Fällen sind Heroinabhängige vom Wundbotulismus betroffen. Da diese mehrmals täglich Drogen spritzen, kann man nicht feststellen, wann die Infektion eingesetzt hat. Der Krankheitsverlauf des Wundbotulismus ähnelt dem des durch Nahrungsmittel ausgelösten Botulismus, die Magen-Darm-Probleme entfallen hier jedoch.

Die Krankheitszeichen des Säuglingsbotulismus umfassen die Unfähigkeit, zu trinken und zu schlucken, eine schwache Stimme, ein Herabhängen der Augenlider, eine schlaffe Lähmung der Halsmuskeln und Atmungsschwierigkeiten. Sie treten um den zweiten Lebensmonat auf. Die intestinale Botulismusform bei Erwachsenen tritt nur nach vorausgehender Therapie mit Breitbandantibiotika auf, die die natürliche Flora im Magen-Darm-Trakt zerstört hat. Ein Breitbandantibiotikum wird zur Bekämpfung möglichst vieler Krankheitserreger zeitgleich angewendet.

Diagnostik Botulismus

Bei einer ausführlichen Befragung des Betroffenen (Anamnese) wird er vom Arzt über den möglichen Verzehr von eingemachten, konservierten Produkten sowie zum Auftreten einer ähnlichen Erkrankung in der Familie oder dem direkten Umfeld befragt. Durch eine sorgfältige Untersuchung des Körpers und eine neurologische Untersuchung (Untersuchung der Nerven) werden andere Krankheiten ausgeschlossen, die aufgrund der Krankheitszeichen infrage kommen. Dazu gehören Schlaganfälle, die Nervenerkrankung Myasthenia gravis oder eine Lähmung nach einem Zeckenbiss. Bildgebende Untersuchungen des Gehirns können seltene Schlaganfallkennzeichen ausschließen.

Die typischen Symptome, die durch das Nervengift verursacht werden, lassen eine Nahrungsmittelvergiftung durch das Toxin des Clostridium botulinum vermuten. Vor allem dann, wenn mehrere Personen nach dem Verzehr derselben Speise gleichzeitig erkrankt sind. Bei Verdacht sollte unverzüglich versucht werden, das Gift mittels eines sogenannten Maus-Inokulationstests nachzuweisen.

Das Gift kann im Blut, im Stuhl, im Erbrochenen, im Magensaft oder in Nahrungsresten nachgewiesen werden. Beim Wundbotulismus ist das Bakterium auch im Wundsekret zu finden. Der Test dauert ein bis zwei Tage. Er ist jedoch nicht immer aussagekräftig beziehungsweise nicht immer erfolgreich, weil die Menge des Gifts, was dabei gewonnen werden kann, sehr gering ist. Deshalb wird er heutzutage in der Regel nicht mehr durchgeführt. Beim Wundbotulismus kann eine Kultur aus Wundmaterial unter Luftverschluss angelegt werden. Weitere Tests, die sich jedoch noch in der Entwicklung befinden, befassen sich mit einem Nachweis des Gifts in entnommenem Gewebe (PCR, ELISA, Real-Time-PCR, Massenspektrometrie).

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