Bronchiektasen

Krankheitsbild Bronchiektasen

Was sind Bronchiektasen?
Bronchiektasen sind mit Schleim und Eiter gefüllte unumkehrbare Erweiterungen der größeren Atemwege (Bronchien) als Folge einer Zerstörung der Muskulatur und des elastischen Bindegewebes der Bronchialwand. Sie sind zylindrisch, sackförmig, oder bilden eine Mischform aus beiden. Manchmal sind die Veränderungen auch zystenähnliche Hohlräume, die oftmals mit eitriger Flüssigkeit gefüllt sind. Bei den Hauptbronchien handelt es sich um zwei Äste, in die sich die Luftröhre aufspaltet. Das System verästelt sich im Verlauf immer feiner (Bronchiolen), bis es am Ende in Form der Lungenbläschen in das eigentliche Lungengewebe übergeht.

Entstehung
Zu Beginn kommt es meist zu einer Schädigung der Zellschicht, die die Atemwege bedeckt (Bronchial-Epithel). Durch eine Entzündung wird erst das Bronchial-Epithel, dann das benachbarte Gewebe in Mitleidenschaft gezogen. Daraufhin bildet es die typischen Gewebserweiterungen. Das wiederum zerstört die sehr wichtige Reinigungsfunktion der Atemwege (mukoziliäre Clearance). Für diese Reinigungsfunktion ist das Atemwegssekret wichtig, das in der Lunge gebildet wird, um die Atemwege zu befeuchten und zu schützen. Das Sekret wird durch die intakten Bronchial-Epithelien, die auf der Oberfläche Flimmerhaare besitzen, in Richtung Kehlkopf transportiert. Bei einer gestörten Reinigungsfunktion wird das Sekret in den Atemwegen zurückgehalten. Das begünstigt die Ansiedlung von Bakterien und eine lang anhaltende (chronische) Entzündung. Im Folgenden kommt es zur Verdickung der Atemwegsschleimhaut.

In den Entwicklungsländern treten Bronchiektasen heute noch als Folge von Keuchhusten-, Masern- und Grippe-Epidemien auf. In Europa sind Bronchiektasen häufig bei Patienten verbreitet, die an der angeborenen vererbbaren Erkrankung Mukoviszidose (zystischer Fibrose) leiden.

Es gibt zwei Gruppen von Bronchiektasen: die erworbene und die angeborene Erweiterung der größeren Atemwege:

  • Erworbene Bronchiektasen
    Bei etwa drei Vierteln der Bronchiektasen handelt es sich um erworbene Erkrankungen. Sie treten als Folge immer wiederkehrenden Erkrankungen von Lungen und Bronchien auf. Dies können Entzündungen der Bronchien (Bronchitis), der kleinen Atemwege (Bronchiolitis) oder des Lungengewebes (Pneumonie) sein.
    Auch eine lang bestehende Verengung der Atemwege (bronchiale Stenose) − beispielsweise durch Fremdköper oder Geschwülste (Tumoren) − kann Bronchiektasen auslösen. Ein großer Anteil von Patienten mit fortgeschrittenen lang anhaltenden, verstopfenden Atemwegserkrankungen (chronisch obstruktive Atemwegserkrankung (COPD)) weist Bronchiektasen auf.
  • Angeborene Bronchiektasen
    Angeborene Bronchiektasen sind die Folge einer unvollständigen Entwicklung der Bronchien bis zur Geburt (wobei nicht geklärt ist, ob sie vererbt oder durch ein Virus ausgelöst wird), einer angeborenen Immunschwäche oder anderer genetisch bedingter Fehlbildungen und Funktionsstörungen (beispielsweise bei der zystischen Fibrose). Die zystische Fibrose (Mukoviszidose) ist durch die Produktion von zähem Schleim anstelle von flüssigem Sekret durch die Drüsenzellen der Lunge, Bauchspeicheldrüse und des Dünndarms charakterisiert. Die Folge ist eine dauerhafte Keimbesiedlung der Bronchialwand, die dadurch an Stabilität verliert und funktionslose Aussackungen bildet.

Als Komplikation der Bronchiektasen können wiederholte schwere Infekte der Bronchien auftreten, die zum Teil mit eitrigen Abkapselungen (Abszessen) einhergehen. Im weiteren Verlauf lagern sich häufig bestimmte Eiweiße (Amyloide) im Lungengewebe ab, die Lunge verhärtet sich und kann sich nur noch eingeschränkt ausdehnen.

Krankheitszeichen
Bei Bronchiektasen kommt es häufig zu chronischem Husten, manchmal sogar zu Bluthusten (Hämoptyse). Süßlich-fader, übel riechender Auswurf (Sputum) ist typisch, insbesondere in den Morgenstunden und nach Lagewechsel des Körpers. Der Auswurf ist oft dreischichtig, bestehend aus Schaum, Schleim und Eiter. Bei Belastung bekommen die Betroffenen schlecht Luft, später leiden sie schon in Ruhe unter Atemnot. Auch wiederkehrendes (rezidivierendes) Fieber kann auftreten. Zeichen für eine schwere Schädigung der Atemwege können auch Veränderungen der Finger und der Fingernägel sein. Als Folge von Sauerstoffmangel entstehen die sogenannten Trommelschlegelfinger (sichtlich verdickte Finger) und die damit einhergehenden Uhrglasnägel (kolbenförmige Veränderung der Nägel aufgrund der Verdickung der Finger). Gewichtsverlust, und Leistungsminderung kommen ebenso vor.

Diagnostik Bronchiektasen

Bereits die Schilderung der Beschwerden verbunden mit der Krankengeschichte des Betroffenen in einem Vorgespräch mit dem Arzt (Anamnese) legt den Verdacht auf Bronchiektasen nahe. Es folgt eine gründliche körperliche Untersuchung mit Abhören und Abklopfen der Lunge. Anschließend wird der Auswurf untersucht. Eine Röntgenaufnahme der Lunge kann der Erkennung einer Bronchiektase dienen. Röntgen ist ein weit verbreitetes bildgebendes Verfahren, bei dem ein Körper unter Verwendung eines Röntgenstrahlers durchstrahlt wird. Idealerweise wird außerdem eine hochauflösende Computertomografie der Brustorgane (Thorax-CT) durchgeführt, um den Verdacht zu bestätigen. Dabei umkreist den Patienten eine Röntgenröhre und sendet gleichzeitig ein dünnes Röntgenstrahlbündel aus. Wegen der heutzutage häufigeren Anwendung der hochauflösenden Computertomografie (HRCT) werden Bronchiektasen einfacher und in früheren Stadien diagnostiziert.

Sind Komplikationen wie eine Lungenblutung oder Lungenabszess eingetreten, können noch weitere Untersuchungen notwendig sein. Dazu zählt neben verschiedenen Blutuntersuchungen auch eine endoskopische Untersuchung der Bronchien (Bronchoskopie). Mithilfe eines Endoskops – das ist ein spezielles flexibles Instrument, das aus einem optischen System, einer Lichtquelle und einem Arbeitskanal besteht, durch welchen medizinische Instrumente zur Entnahme von Gewebeproben (Biopsien) geschoben werden können – wird Bronchialgewebe entnommen und unter dem Mikroskop untersucht. Eine Bronchoskopie wird auch durchgeführt, um Atemwegsverstopfungen auszuschließen.

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