Cholesteatom des Mittelohrs

Krankheitsbild Cholesteatom des Mittelohrs

Was ist ein Cholesteatom des Mittelohrs?
Ein Cholesteatom im Mittelohr ist eine langsam wachsende und bleibende (chronische) gutartige Neubildung, die die betroffenen Mittelohrstrukturen sowie umliegendes Gewebe zerstören kann und in dessen Folge häufig eitrige Entzündungen entstehen.

Entstehung
Bei der Erkrankung kommt es zu einer Ausbreitung bestimmter Hautzellen (verhornendes Plattenepithel) in den Mittelohrräumen. Dabei wird ein Entzündungsprozess ausgelöst. Die Knocheneiterung schreitet langsam fort und greift die Gehörknöchelchen im Mittelohr und den umgebenden Schädelknochen an, das sogenannte Felsenbein.

Genuines (angeborenes) Cholesteatom
Selten entsteht bereits beim ungeborenen Kind im Mutterleib ein sogenanntes echtes (genuines) Cholesteatom im Schläfenbeinbereich und im Mittelohr hinter einem unversehrten Trommelfell. Dieses Cholesteatom ist eine sogenannte Epidermoidzyste. Eine Zyste ist ein mit einem Häutchen ausgekleideter Hohlraum, der im Gewebe entsteht. In diesem Fall entsteht er durch die Einwanderung von Hautzellen (Epidermiszellen), welche zur Bildung einer verhornten Schicht und im Folgenden zur Entwicklung der Epidermoidzyste führt.

Erworbenes Cholesteatom:

  • Primäres Cholesteatom (epitympanales Cholesteatom, Flaccida-Cholesteatom): Beim primären Cholesteatom treten im Vorfeld keine Entzündungen auf. Sie entstehen durch die Einwanderung von Zellen im obersten Bereich des Trommelfells.
  • Sekundäres Cholesteatom: Aus einer Mittelohrentzündung und einer dauerhaften Belüftungsstörung mit Unterdruck im Mittelohr können Vernarbungen und Einziehungen des Trommelfells in den Mittelohrraum (Trommelfellretraktion) entstehen. In solchen Einziehungen kann sich ein Cholesteatom entwickeln. Auch über ein Loch des Trommelfells können äußere Hautschichten in die Mittelohrräume eindringen und ein Cholesteatom entwickeln.
  • Posttraumatisches Cholesteatom: Das posttraumatische Cholesteatom kann als Folge eine Längsbruchs des Felsenbeins auftreten. Das Felsenbein grenzt seitlich an das äußere Ohr und umgibt das innere Ohr. Deshalb können die äußeren Hautschichten des Gehörgangs in den Bruch einwachsen oder darin eingeklemmt sein und so in das Mittelohr eindringen.
  • Cholesteatom als Komplikation nach einer Ohroperation (Tympanoplastik): Bei dieser operativen Behandlung werden nach einer Schädigung das Trommelfell und die Gehörknöchelchenkette wiederhergestellt. Dabei kann es zu einem Einschluss von Hautschichten und zur Bildung eines Cholesteatoms kommen.
  • Gehörgangscholesteatom: Bei Verengungen des Gehörgangs und einem gestörten Abtransport der Hornschuppen des Gehörgangs kann der Gehörgang sich stellenweise erweitern und es kann sich dort ein Cholesteatom bilden.

Krankheitszeichen
Zu Beginn einer Cholesteatombildung entstehen keine auffälligen Beschwerden. Infolge einer Entzündung kann eine Flüssigkeit (Sekret) aus dem betroffenen Ohr fließen. Dies ist jedoch nicht mit Schmerzen verbunden. Allerdings riecht das Sekret oft sehr unangenehm. Zusätzlich entwickelt sich typischerweise eine zunehmende Hörminderung des Ohrs (progrediente Schallleitungsschwerhörigkeit).

Es findet sich häufig eine Infektion (mit dem Bakterium Pseudomonas aeruginosa). Bei langem unbehandeltem Krankheitsverlauf sind angrenzende Strukturen wie das Gehirn, die Hirnhäute, das Hör- und Gleichgewichtsorgan sowie der Gesichtsnerv durch das Cholesteatom gefährdet. Zeichen einer Ausdehnung der Entzündung auf das Gehirn sind Fieber, Nackensteife, bohrende Kopfschmerzen, Bewusstseinstrübungen und Krampfanfälle. Bei Beteiligung des Innenohrs und Gleichgewichtsorgans sind eine Innenohrschwerhörigkeit bis hin zur Ertaubung sowie Schwindel mit Übelkeit und Erbrechen möglich. Der Gesichtsnerv liegt in einer röhrenförmigen Aussparung im Knochen (Knochenkanal) und befindet sich unmittelbar neben dem Mittelohr. Ein Cholesteatom kann diesen Kanal zerstören. Wird der Gesichtsnerv durch das Cholesteatom geschädigt kann sich langsam über Wochen eine einseitige Lähmung des Nervs entwickeln (Fazialisparese).

Diagnostik Cholesteatom des Mittelohrs

Der Arzt führt mit dem Patienten ein Gespräch über dessen Krankengeschichte und seine Beschwerden, wie Ohrausfluss, Hörminderung oder Schwindel (Anamnese). Dabei finden sich fast immer Hinweise auf wiederkehrende Mittelohrentzündungen im Säuglings- und Kindesalter. Danach wird ein sogenannter Hals-Nasen-Ohren (HNO)-Status erhoben: Das Ohr (Gehörgang,Trommelfell und soweit einsehbar auch das Mittelohr) wird mit einem sogenannten Ohrmikroskop untersucht (Ohrspiegelung, Otoskopie), das Gehör überprüft und der Nasenrachenbereich kontrolliert. Vor der Ohrmikroskopie muss der Gehörgang in manchen Fällen zunächst durch eine Absaugung gereinigt werden.

Die Ohrspiegelung zeigt bei einem erworbenen Cholesteatom häufig eine durch die Verlagerung des Gewebes entstandene Tasche, welche aus einem bestimmten, weißglänzenden Eiweiß (Keratin) und Hautzellen (Plattenepithel) besteht. Ein Nachweis einer dieser beiden Strukturen beweist das Bestehen eines Cholesteatoms. Die Untersuchung zeigt die betroffene Stelle im Gehörgang oder am Trommelfell und lässt auf das Ausmaß schließen.

Bei der Überprüfung des Gehörs lässt sich häufig auch eine Störung der Schallübertragung im Mittelohr feststellen (sogenannte Schallleitungsschwerhörigkeit). Hörprüfungen geben Auskunft über den Grad der Schwerhörigkeit, der sehr unterschiedlich sein kann.

Bei der sogenannten Tubenfunktionsprüfung untersucht der Arzt die Durchgängigkeit der Ohrtrompete (Eustachische Röhre). Sie bildet die Verbindung zwischen der Mittelohrhöhle und dem Nasen-Rachen-Raum und dient dem Druckausgleich.

Gleichgewichtsuntersuchungen dienen der Untersuchung des Gleichgewichtsorgans. Eine Beeinträchtigung des Gleichgewichtsorgans kann zu Schwindel führen.

Wenn der Arzt einen Verdacht hat, können im Einzelfall weitere Untersuchungen sinnvoll sein, wie zum Beispiel:

  • eine Prüfung auf Zeichen einer Hirnhautentzündung (wie Nackensteife)
  • eine Prüfung auf Zeichen einer Fazialisparese (Lähmung des Gesichtsnervs)
  • bildgebende Verfahren (besonders hilfreich bei Komplikationen): Röntgen-Aufnahmen zur Übersicht des Innenohres und der umgebenden Strukturen, Computertomografie (CT)-Schnittbilder zur Detailansicht und Magnetresonanztomografie (MRT)-Schnittbilder bei Sonderfragen
  • mikrobiologische Untersuchung (Ohrabstrich für den Nachweis von Erregern und Testung der Wirksamkeit von Antibiotika)

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