Colitis Ulcerosa

Krankheitsbild Colitis Ulcerosa

Was ist eine Colitis Ulcerosa?

Die Colitis ulcerosa ist eine meist in Schüben verlaufende Entzündungserkrankung der Schleimhaut des Dickdarms.

Entstehung
Die eigentliche Entstehungsursache der Colitis ulcerosa ist weitgehend unbekannt. Allgemein wird für entzündliche Darmerkrankungen angenommen, dass eine Vielzahl von Faktoren an ihrer Entstehung beteiligt ist. Im Fall von Colitis ulcerosa sind dies die folgenden:

  • Bildung von Eiweißen (Antikörpern), die gegen körpereigenes Gewebe gerichtet sind und entzündliche Reaktionen verursachen (Autoimmunreaktion)
  • familiäre (genetische) Belastung
  • Ernährungsgewohnheiten
  • Stress und psychische Belastung
  • Infektionen

Colitis ulcerosa an sich wird nicht durch psychische Störungen ausgelöst. Psychische Belastung kann jedoch den Verlauf der Erkrankung und die Lebensqualität negativ beeinflussen. Außerdem kann umgekehrt eine anhaltende Erkrankung eine psychische Belastung hervorrufen. Das Maß der Erkrankung, ihre Aktivität, der Verlauf und die Krankheitszeichen unterscheiden sich von Patient zu Patient.

Vom Enddarm (Rektum) aus können entzündliche Prozesse in Richtung Körperinneres die gesamte Schleimhaut des Dickdarms befallen. Die Entzündung kann im Enddarm (Proktitis), im linksseitigen Teil des Darms (Linksseitenkolitis), oder in mehreren Teilen gleichzeitig (ausgedehnte Kolitis) auftreten. In etwa drei von zehn Fällen kommt es zu einem Befall des gesamten Dickdarms. Selten ist der in den Dickdarm mündende Dünndarmanteil (Krummdarm) betroffen.

Das Risiko bei Patienten mit einer Colitis ulcerosa, an Dick- oder Enddarmkrebs zu erkranken, ist erhöht. Durch eine ständige Reizung der Schleimhaut können sich Geschwüre (Ulzerationen) im Dickdarm bilden. Das Risiko steigt mit dem Grad der Darmentzündung und mit der zeitlichen Dauer der Erkrankung. Es ist von Bedeutung, dass Raucher einen milderen Verlauf der Erkrankung erleben, während ehemalige Raucher verstärkt betroffen sind. Familiär wird eine Häufung der Erkrankung gesehen, die insgesamt jedoch selten (in diesem Fall bei weniger als fünf von 100) auftritt.

Krankheitszeichen
Zu den typischen Beschwerden, die eine Colitis ulcerosa auslöst, gehören Bauchschmerzen, blutige Durchfälle, eine erhöhte Stuhlfrequenz, schmerzhafter Stuhldrang, viele kleine Stuhlentleerungen und das Gefühl einer unvollständigen Stuhlentleerung. Es können auch allgemeine Zeichen einer Infektion auftreten (wie Fieber und Schüttelfrost), die häufig der Grund für das Aufsuchen eines Arztes sind. Am häufigsten kommen blutig-schleimige Durchfälle vor, die von krampfartigen Bauchschmerzen beim Stuhlgang begleitet werden. Oft müssen die Betroffenen bis zu 20-mal am Tag zur Toilette. Die ständige Reizung der Darmschleimhaut kann zu einer Bildung von Geschwüren führen, die zum Teil schwere Blutungen verursachen können. Bei Kindern führen die Krankheitszeichen zusätzlich zu Wachstumsstörungen. Bei Erwachsenen ist durch die ständigen Durchfälle und die Appetitminderung häufig eine Mangelernährung mit Gewichtsverlust die Folge der Erkrankung.

In regelmäßigen oder unregelmäßigen Abständen wechselt sich jeweils eine beschwerdefreie Zeit (Krankheit im Ruhezustand, Remission) mit einer von entzündlichen Ereignissen und zum Teil von starken Beschwerden geprägten Phase (Schub) ab. In einem von zehn Fällen wird ein kontinuierlicher Verlauf der Colitis ulcerosa ohne Zeiten der Beschwerdefreiheit beobachtet (chronischer Verlauf). Noch seltener äußert sich die Erkrankung durch plötzliche schwere Krankheitszeichen, die zu einem Schock führen können (fulminanter Verlauf). Eine lebensbedrohliche Komplikation der Colitis ulcerosa ist das sogenannte toxische Megakolon, ein erheblich gedehnter Dickdarm. Es kann starke Bauchschmerzen, Krämpfe und Verstopfung nach sich ziehen. Die Betroffenen erbrechen. Ihr Bauch ist aufgetrieben und hart. Ein toxisches Megakolon kann bei einem vollständigen Durchbruch (Perforation) des Darmes zu einer Bauchfellentzündung (Peritonitis) und einer Blutvergiftung (Sepsis) führen. Ebenso kann es zu einer Lähmung des Darmes und zum Kreislaufschock kommen.

Krankheitserscheinungen können außerhalb des Darms (extraintestinale Manifestationen) auftreten – insbesondere bei einem langjährigen Krankheitsverlauf. Diese fallen sehr unterschiedlich aus. Zu den Organen, die indirekt von den Entzündungsreaktionen durch Colitis ulcerosa betroffen sein können, zählen zum Beispiel Gelenke, Haut, Leber, Augen und Gallenwege. Diese können der eigentlichen Darmerkrankung auch um Jahre vorausgehen. Von besonderer Bedeutung ist die gleichzeitig auftretende Entzündung der Gallenwege (Cholangitis), die wesentlich häufiger bei einem später auftretenden Dickdarmkrebs festgestellt wird.

Diagnostik Colitis Ulcerosa

Wie wird Colitis Ulcerosa festgestellt?

Insgesamt besteht bei der Colitis ulcerosa die Notwendigkeit einer umfangreichen Diagnostik. Der Umfang der Untersuchungen ist vom Patienten individuell abhängig.
Einer körperlichen Untersuchung geht eine sehr ausführliche Befragung des Patienten (Anamnese) voraus. Erfragt werden beispielsweise Art und Beginn der Beschwerden, Nahrungsunverträglichkeiten, Kontakt mit infektiösen Durchfallerkrankungen und eingenommene Medikamente. Außerdem werden Fragen zu Impfungen, Rauchen, Krankheiten in der Familie und einer möglicherweise vorliegenden Depression gestellt. Der Betroffene wird zu Veränderungen im Mund, an der Haut, den Augen und/oder den Gelenken sowie Verletzungen im Afterbereich befragt. In der anschließenden Untersuchung werden insbesondere der Mundraum und die Afterregion untersucht und der Bauch abgetastet. Manchmal kann der Arzt schon bei der Untersuchung des Afterbereiches Knoten im Enddarm oder Blutungen feststellen. Auch auf Krankheitszeichen außerhalb des Darmes wird ein Augenmerk gelegt.

Bei Verdacht auf Colitis ulcerosa können folgende Untersuchungen durchgeführt werden:

  • Blutuntersuchungen/Stuhluntersuchungen (laborchemisch)
  • Spiegelungen vom Darm (endoskopisch)
  • Untersuchungen von Gewebeproben (histologisch)
  • Ultraschalluntersuchungen (sonografisch)

Blutwerte (wie Blutbild, Entzündungs- und Eisenwerte oder der Nachweis bestimmter Eiweiße) lassen auf mögliche Krankheitserscheinungen schließen (wie beispielsweise Blutarmut, Entzündungen, Störungen der Nieren-, Leber- oder Gallenwegsfunktionen). Im Stuhl lassen sich spezielle Entzündungswerte nachweisen, die auf die Erkrankung an Colitis ulcerosa hinweisen. Außerdem können durch den Nachweis unterschiedlicher bakterieller Erreger oder von ihnen abgegebener Gifte eine Darminfektion als Ursache der Beschwerden und eine Colitis ulcerosa ausgeschlossen werden, sofern nicht bei bekannter Erkrankung eine Begleitinfektion anzunehmen ist.

Eine Spiegelung des Dickdarms (Ileokoloskopie) wird bis in den unteren Teil des Dünndarms durchgeführt. Vor der Untersuchung muss der Darm gereinigt werden, damit die Schleimhaut beurteilt werden kann. Am Vortag der Untersuchung trinkt der Betroffene dazu eine spezielle Abführflüssigkeit, die den Darm sauberspült. Eine Darmspiegelung wird mit einem speziellen flexiblen Instrument durchgeführt, dem Koloskop. Es besteht aus einem optischen System mit Objektiv und Okular, einer Lichtquelle und einer Spül- und Absaugvorrichtung. Unter Sicht schiebt der Arzt das Koloskop in den Darm vor. Die Untersuchung zeigt, in welchem Abschnitt des Darmes Veränderungen zu erkennen sind. Durch eine Öffnung am Instrument können medizinische Instrumente zur Entnahme von Gewebeproben (Biopsat) in den unterschiedlichen Darmabschnitten oder für kleine operative Eingriffe eingeführt werden. Die Biopsate können dann unter dem Mikroskop untersucht werden. Sie geben Aufschluss über die betroffenen Darmabschnitte und über die Art des Befalls: Es können sowohl Entzündungen auftreten als auch beginnende Geschwürbildungen. Gewebeproben sollten nicht während eines akuten Entzündungsschubes, sondern erst nach Abheilen der Darmschleimhaut genommen werden. In der feingeweblichen Untersuchung sind Zeichen für Entzündungen nur schwer von Zeichen einer beginnenden Krebserkrankung zu unterscheiden.

Ergänzend kann bei der Colitis ulcerosa eine Ultraschalluntersuchung (Sonografie) durchgeführt werden, um das Befallsmuster zu untersuchen. Eine Untersuchung mithilfe des Ultraschalls ist ein vollkommen ungefährliches Verfahren, das gänzlich ohne Strahlenbelastung auskommt. Das Prinzip beruht auf der Anwendung von Ultraschallwellen, die in den Körper gelenkt werden. Dort werden sie je nach Beschaffenheit des zu untersuchenden Gewebes reflektiert, das Echo wird registriert und in ein Bild vom Inneren des Körpers umgewandelt. Mit einer Ultraschalluntersuchung kann der Arzt die Stärke der Entzündungen und deren Ausdehnung gut erfassen.

Im Falle eines toxischen Megakolons können im Röntgenbild die drastisch erweiterten (dilatierten) Darmschlingen erkannt werden. In manchen Fällen werden weitere bildgebende Verfahren genutzt, wie Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT). Beide ermöglichen die Aufnahme von Schnittbildern des zu untersuchenden Gewebes und damit einen detaillierten Blick ins Innere des Körpers. Während man bei einer CT-Untersuchung eine Röntgenröhre verwendet, die den Patienten umkreist und dabei dünne Bündel von Röntgenstrahlen aussendet, setzt man beim MRT ein starkes Magnetfeld und Radiowellen ein. Wenn während einer Ileokoloskopie eine Engstelle im Darm entdeckt wird, die eine weitere Untersuchung mit dem Koloskop unmöglich macht, können die bildgebenden Methoden alternativ eingesetzt werden, um einen Überblick des Darmes zu gewährleisten.

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