Cushing-Syndrom

Krankheitsbild Cushing-Syndrom

Was ist ein Cushing-Syndrom?

Das Cushing-Syndrom ist ein Krankheitsbild, das durch einen Überschuss bestimmter Hormone aus der Nebennierenrinde (Glukokortikoide) im Blut verursacht wird.

Entstehung
Wenn über einen bestimmten Zeitraum entweder die körpereigenen Glukokortikoide erhöht sind (endogen) oder dem Körper von außen eine künstliche Form der Hormone zugeführt wird (exogen), entsteht aus diesem Zustand als Krankheitsbild das Cushing-Syndrom.

Der Name der betroffenen Hormone – Glukokortikoide – kommt einerseits durch ihre Wirkung auf den Blutzucker (Glucose)-Spiegel zustande, andererseits durch ihren Entstehungsort, die Nebennierenrinde (cortex = Rinde). Das wichtigste Glukokortikoid ist das Kortisol. Daneben gibt es eine Reihe künstlich hergestellter Glukokortikoide, die als Medikamente eingesetzt werden (zum Beispiel Kortison). Bestimmte Teile im Gehirn (Hypothalamus) schütten bei Belastungen körperlicher und geistiger Art ein bestimmtes Hormon (Kortikotropin-Releasing-Hormon, CRH) aus. Dieses bewirkt, dass in der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) das adrenokortikotrope Hormon (ACTH) freigesetzt wird. Das ACTH wiederum wirkt auf die Nebennierenrinde und bewirkt dort die Herstellung und Freisetzung von Glukokortikoiden in die Blutbahn. Diese Ausschüttung bewirkt zum einen die ausreichende Versorgung des Körpers mit Nährstoffen. Dazu steigern sie die Blutzuckerproduktion und den Eiweißabbau. Zum anderen hemmt sie Entzündungen. Daher nennt man Glukokortikoide auch Stresshormone: Sie helfen, Verletzungen oder das Eindringen von Krankheitskeimen (Infektionen) zu überstehen.

Da das exogene Cushing-Syndrom (iatrogenes Cushing-Syndrom) durch die Gabe von künstlichen Glukokortikoiden als Medikamente entsteht, ist es keine Erkrankung, sondern eher eine Nebenwirkung. Es entsteht dadurch, dass die Menge an Glukokortikoiden oder ACTH den körperlichen Bedarf übersteigt. Die typischen Krankheitszeichen des Cushing-Syndroms sind jedoch häufig die Folge.

Krankheitszeichen
Bei einem langfristigen Überangebot an Glukokortikoiden kommt es zu den für das Cushing-Syndrom typischen sehr unterschiedlichen Krankheitszeichen:

  • Fettzunahme am Rumpf und im Nacken („Büffelnacken“) sowie im Gesicht („Vollmondgesicht“)
  • Müdigkeit, Schwächegefühl, Leistungsminderung
  • psychische Störungen, Depressionen, Schlafstörungen, Angstanfälle
  • Hautveränderungen: Akne, dünne Haut, Neigung zu kleinen Blutungen, Neigung zu blauen Flecken, blaurötliche Streifen im Bauch-, Becken- und Gesäßbereich
  • Bluthochdruck und Wassereinlagerungen (Ödeme)
  • Zuckerkrankheit (Steroid-Diabetes)
  • Osteoporose (Knochenschwund), dadurch Rücken- und Gliederschmerzen, nach längerer Krankheit erhöhte Gefahr von Knochenbrüchen
  • Knochenabbau und dadurch begründete Muskelschmerzen
  • erhöhte Infektanfälligkeit
  • Zunahme der Körperbehaarung, Aufhören der Regelblutung und Störung der Libido (Lustverlust) bei Frauen
  • Impotenz, Störung der Libido (Lustverlust) bei Männern
  • Wachstumsstörung und Hemmung der Knochenbildung bei Kindern
  • Blutbefunde: erniedrigte Kaliumwerte, erniedrigte Kalziumwerte, fehlende Säure (Alkalose), erniedrigte Mengen von Zellen der Immunabwehr (Eosinophile, Granulozyten, Lymphozyten), erhöhter Cholesterinspiegel möglich

Die Krankheitszeichen können je nach Ursache und Ausprägung der Erkrankung einzeln oder auch kombiniert vorliegen. Komplikationen sind möglich durch einen erhöhten Blutdruck oder eine Herzüberlastung sowie durch schwere Infekte und eine erhöhte Selbstmordrate aufgrund von Depressionen.

Diagnostik Cushing-Syndrom

Wie wird ein Cushing-Syndrom festgestellt?

Wenn die Beschwerden des Patienten auf ein Cushing-Syndrom schließen lassen, muss zunächst nachgewiesen werden, dass eines vorliegt. Der Verdacht auf ein Cushing-Syndrom kann durch verschiedene Untersuchungen des Urins und des Blutes bestätigt werden.

In einer allgemeinen Blutuntersuchung wird die Menge an gelösten Mineralsalzen im Blut, wie zum Beispiel Kalium oder Kalzium, gemessen. Außerdem wird die Menge von Kreatinin im Blut gemessen (eine Substanz, die für die Muskelarbeit gebraucht wird), die Konzentration von Harnstoff-gebundenem Stickstoff, der beim Eiweißstoffwechsel entsteht, und der Blutzucker.

Kortisolbestimmung im 24-Stunden-Harntest
Bei diesem Test wird der Harn 24 Stunden lang gesammelt. Dann wird die Menge an Kortisol im Blut gemessen. Bei einem Cushing-Syndrom ist dieser Wert im Vergleich zu dem Wert im Harn eines Gesunden erhöht. Der Test sollte mindestens zweimal durchgeführt werden, um Messfehler zu vermeiden.

Kortisolbestimmung im Speichel
Eine Kortisolbestimmung im Speichel ist besonders bei Säuglingen und Kleinkindern vorteilhaft. Der Speichel darf frühestens 30 Minuten nach der Aufnahme von fester oder flüssiger Nahrung gesammelt werden. Eine morgendliche Gewinnung sollte vor dem Zähneputzen durchgeführt werden. Der Speichel wird mit einer Watterolle entnommen. Am genauesten ist offensichtlich eine Entnahme des Speichels zwischen 23 und 24 Uhr (Mitternachtskortisol).

Dexamethason-Hemmtest
Der Patient schluckt einmalig abends zwei Milligramm Dexamethason, ein künstliches Glukokortikoid. Am nächsten Morgen wird der Kortisol-Spiegel im Blut gemessen. Bei einem Gesunden ist dieser erniedrigt, weil Dexamethason die Ausschüttung von ACTH aus der Hirnanhangsdrüse vermindert. Beim Cushing-Syndrom sinkt das Kortisol im Blut kaum.

Kortisol-Tagesprofil
Während des Tages kommt es bei gesunden Personen zu normalen Schwankungen des Kortisol-Spiegels: am frühen Vormittag ist er hoch, gegen Abend niedriger. Durch eine Blutabnahme mehrmals am Tag kann diese Tagesrhythmik nachvollzogen und überprüft werden. Beim Cushing-Syndrom ist der Verlauf gestört.

24-Stunden-Kortisol
Bei diesem Test wird einmalig Blut abgenommen, und zwar um Mitternacht, im besten Fall im Schlaf. Der Kortisol-Spiegel wird gemessen. Er sollte sehr niedrig sein. Beim Cushing-Syndrom ist er erhöht.

Im nächsten Schritt muss die zugrunde liegende Ursache gefunden werden. Dazu werden weitere Untersuchungen durchgeführt:

Bestimmung des ACTH im Blut
Eine Bestimmung des ACTH-Wertes ergibt im Falle eines Cushing-Syndroms − das durch eine ACTH-produzierende Geschwulst in der Hypophyse oder durch eine ACTH-Produktion einer Geschwulst an einer anderen Stelle im Körper hervorgerufen wird − einen eher hohen Wert.

CRH-Test
Eine Messung von ACTH und Kortisol im Blut nach dem Spritzen von CRH ergibt meist einen starken Anstieg von ACTH und Kortisol im Falle einer Geschwulst in der Hypophyse. Bei Geschwülsten an anderen Stellen des Körpers sind die Werte meist nicht erhöht.

Zur weiteren Untersuchung können bildgebende Verfahren eingesetzt werden. Geschwülste in den unterschiedlichen Strukturen lassen sich durch Röntgen-, Ultraschall (Sonografie)-, Computertomografie (CT)- oder Magnetresonanztomografie (MRT)-Untersuchungen darstellen.

  • Bei einer Röntgenuntersuchung wird der Körper mit Röntgenstrahlen bestrahlt, die von unterschiedlich dichten Geweben unterschiedlich stark aufgenommen werden, sodass durch Verschattung und Aufhellung eine Abbildung des Körperinneren entsteht.
  • Am häufigsten wird eine MRT-Untersuchung durchgeführt, bei der keine Röntgenstrahlen, sondern ein starkes Magnetfeld und Radiowellen eingesetzt werden.
  • Bei der CT werden zur detaillierten Ansicht Schnittbilder des Körpers aufgenommen. Eine Röntgenröhre umkreist den Patienten und sendet gleichzeitig ein dünnes Röntgenstrahlbündel aus.
  • Eine Ultraschalluntersuchung beruht auf der Anwendung von Ultraschallwellen, die in den Körper gelenkt werden. Dort werden sie je nach Struktur und Beschaffenheit des zu untersuchenden Gewebes reflektiert, das Echo wird registriert und in ein Bild vom Inneren des Körpers umgewandelt.

Sie haben Fragen und wünschen eine persönliche Beratung zu gesundheitlichen und gesundheits- sowie sozialrechtlichen Themen?

Unsere UPD-Experten beantworten Ihre Fragen:

Wichtiger Hinweis: Bitte schicken Sie uns keine Original-Unterlagen mit der Post zu, sondern ausschließlich Kopien. Wir können leider keine Rücksendung Ihrer Unterlagen vornehmen. Aus Datenschutzgründen werden Ihre Dokumente nach der Bearbeitung Ihres Anliegens ordnungsgemäß vernichtet.

© 2017 UPD Patientenberatung Deutschland gGmbH – Dieses gesundheitsbezogene Informationsangebot dient lediglich Ihrer Information und ersetzt in keinem Fall eine persönliche Beratung, Untersuchung oder Diagnose durch einen approbierten Arzt. Die zur Verfügung gestellten Inhalte können und dürfen nicht zur Erstellung eigenständiger Diagnosen und/oder einer Eigenmedikation verwendet werden.