Darmkrebs

Krankheitsbild Darmkrebs

Was ist Darmkrebs?
Darmkrebs ist eine bösartige Erkrankung, bei der sich Zellen des Darms unkontrolliert vermehren und so einen Tumor (Geschwulst) bilden. Dieser wächst aggressiv und kann die angrenzenden Strukturen schädigen. Außerdem kann der bösartige Tumor Tochtergeschwülste (Metastasen) in anderen Organen bilden.

Entstehung
In den meisten Fällen entwickelt sich der Krebs aus gutartigen Darmgeschwülsten (Polypen). In den Zellen der Darmschleimhaut kommt es zu Veränderungen des Erbguts, zu sogenannten Mutationen. Die Mutationen können entweder geerbt worden sein, sich durch äußere Einflüsse entwickeln oder auch entstehen, wenn eine Zelle sich fehlerhaft teilt. Die Zellen eines gesunden Körpers teilen sich fortlaufend, ersetzen abgestorbene Zellen und sorgen so für eine ständige Erneuerung der Körpergewebe. Insbesondere die innere Auskleidung des Darms, die Schleimhaut, muss sich ständig erneuern. Dieser Prozess ist kompliziert und wird von der Zelle streng überwacht. Im Vergleich dazu entziehen sich die bösartig erkrankten Zellen dieser Kontrolle. Es kommt zu Veränderungen des Erbguts und der Zelleigenschaften. Demgegenüber wuchern die gutartigen Geschwülste in den Darm hinein, zerstören jedoch kein umliegendes Gewebe. Aus diesen können sich allerdings bösartige Zellen entwickeln, die sich unkontrolliert immer wieder teilen. Es entsteht ein bösartiger Tumor. Ist der Dickdarm (Kolon) betroffen, spricht man von einem Kolonkarzinom, entsteht der Tumor im Mastdarm (Rektum), wird er Rektumkarzinom genannt. Dünndarmtumore sind selten.
Die Krebszellen können sich verbreiten und andere Organe befallen, indem sie sich von ihrem Entstehungsort lösen und mit Blut oder Lymphflüssigkeit durch den Körper transportiert werden. So entstehen auch an weiteren Stellen Tochtergeschwülste, die Metastasen.

Krankheitszeichen
Eine Diagnose von Darmkrebs ist sehr schwierig, da die Betroffenen über einen langen Zeitraum keine Veränderung bemerken oder die Erkrankung nicht bewusst wahrnehmen. In späteren Stadien kommt es zu typischen Beschwerden wie krampfartigen Bauchschmerzen, Blut oder Schleim im Stuhl oder zwischen Verstopfung und Durchfall wechselnden Verdauungsstörungen. Unbehandelt kann Darmkrebs zu einem Darmverschluss, zu starkem Gewichtsverlust und letztendlich zum völligen Erliegen der Verdauungsfunktion führen. Krankheitszeichen können auch Müdigkeit, Herzklopfen oder Eisenmangel sein. Das allein weist nicht auf eine Krebserkrankung hin. Dementsprechend wird eine Diagnose häufig erst gestellt, wenn die oben genannten Beschwerden eingetreten sind und die Krankheit schon sehr weit fortgeschritten ist.
Angesichts der schwierigen Diagnose werden regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen des Darms empfohlen, vor allem ab einem Alter von 50 Jahren.

Verschiedene Ausprägungen/Verläufe
Die Ausprägungen der Krankheit hängen davon ab, welcher Abschnitt des Darms betroffen ist, wie tief der Tumor in die Darmwand eingedrungen ist und ob sich der Krebs im Körper ausgebreitet hat. Meist kann die genaue Entwicklung der Krankheit erst bei der operativen Entfernung des Tumors eingeschätzt werden.

Diagnostik Darmkrebs

Es gibt Erkennungsmöglichkeiten, mit denen Darmkrebs im frühen Stadium diagnostiziert werden kann. Zur Abklärung der Ursachen von Darmbeschwerden und im Rahmen der Krebsvorsorge wird in der Regel zunächst der Enddarm mit dem Finger nach knotigen Veränderungen der Darmschleimhaut abgetastet.

Test auf Blut im Stuhl
Es gibt keinen Blut- oder Stuhltest, mit dem sich ein Darmkarzinom sicher nachweisen lässt. Blutspuren im Darm weisen auf Erkrankungen des Verdauungstrakts hin. Mit dem bloßen Auge nicht erkennbare Blutspuren im Stuhl können mit dem sogenannten Hämoccult-Test nachgewiesen werden. Dazu wurde 2017 ein neuer sogenannter immunologischer Test (iFOBT) eingeführt, der weniger störanfällig ist als der ältere Test. Meist sind harmlose Hämorrhoiden oder Einrisse der Afterschleimhaut (Analfissuren) die Ursache für Blut im Stuhl. Auch aus Polypen oder entzündeten Darmausstülpungen können geringe Blutmengen austreten. Mithilfe eines Stuhlsammelsets nimmt man eine Stuhlprobe – das Vorgehen ist in einer beiliegenden Anleitung genau beschrieben. Die Stuhlprobe wird in der Arztpraxis abgegeben und in einem Labor ausgewertet. Finden sich Blutspuren, muss ihre Ursache geklärt werden. Dies geschieht normalerweise mittels Darmspiegelung (Koloskopie).

Darmspiegelung
Die Darmspiegelung ist die wichtigste und aussagekräftigste Untersuchung zur Früherkennung und Diagnose von Darmerkrankungen. Sie kann kleinste Darmpolypen und Tumoren aufspüren. Damit der Arzt das Darminnere gut erkennen kann, muss der Darm zunächst gut gereinigt werden. Zu diesem Zweck nimmt der Patient am Tag vor der Untersuchung ein Abführmittel ein. Bei der Untersuchung wird der Darm mit einem etwa zeigefinderdicken, schlauchförmigen Instrument (Koloskop) untersucht. Das Koloskop verfügt über eine oder mehrere Kameras, mit denen sich das Darminnere betrachten lässt. Außerdem besitzt es eine Spülvorrichtung sowie Arbeitskanäle, durch die spezielle biegsame Instrumente geführt werden können. So können beispielsweise mit Zangen Gewebeproben entnommen (Biopsie) oder mit Spritzen Medikamente gegeben werden. Das entnommene Gewebe wird dann auf gut- und bösartige Veränderungen hin untersucht. Sollten Tumorzellen festgestellt werden, sind weitere Untersuchungen nötig, um eine sichere Diagnose zur Ausbreitung der Erkrankung, zum Ausmaß der Tumorbildung und dem Erkrankungsstadium des Patienten stellen zu können. Im Allgemeinen bekommt der Patient bei dieser Untersuchung ein Beruhigungsmittel, das ihn in einen leichten Dämmerzustand versetzt.

Virtuelle Koloskopie
Verfahren der sogenannten virtuellen Koloskopie, bei der zur Untersuchung des Darms etwa die Computertomografie oder die Magnetresonanztomografie (MRT) eingesetzt wird, ergänzen die reguläre Darmspiegelung. Auch hier ist vor der Untersuchung eine Reinigung des Darms mithilfe eines Abführmittels notwendig. Es werden Schnittbilder aus dem Körperinneren erzeugt, die Schicht für Schicht das Gewebe darstellen. Die Bilder können in eine dreidimensionale Ansicht des Darms umgewandelt werden. So kann der Arzt eine virtuelle Untersuchung des gesamten Darms und der umliegenden Strukturen vornehmen. Bisher kann hierdurch eine normale Koloskopie nicht ersetzt werden, da nicht alle Bereiche gleich gut gesehen werden können und bei der virtuellen Untersuchung die Entnahme von Proben und die Entfernung von Polypen nicht möglich ist. 

Kapselkoloskopie
Die Kapselkoloskopie stellt ebenfalls eine Alternative zur herkömmlichen Koloskopie dar. Sie kann jedoch die übliche Koloskopie nicht ersetzen, sondern ist lediglich eine Option für Personen, die gegenüber der Koloskopie Vorbehalte haben. Die Kapselendoskopie kann nicht in gleichem Maße alle Bereiche des Darmes gut einsehen und eine Entnahme von Proben und Entfernung von Polypen ist nicht möglich. Die Kapselendoskopie eignet sich allerdings zur Untersuchung des Dünndarmes, denn die Untersuchung des Dünndarmes mit einem Endoskop ist bisher nicht möglich. Die Untersuchung selbst wird mithilfe einer Kamera durchgeführt, welche sich in einer Kapsel befindet, die die Form einer großen länglichen Tablette hat. Der Patient schluckt diese Kapsel. Während sie mithilfe der Verdauungsbewegung durch den Magen-Darm-Kanal bewegt wird, macht die Kamera Bilder. Der Patient trägt ein Empfangsgerät am Gürtel, über welches die Bilder empfangen und vom Arzt ausgewertet werden. Nach dem Ausscheiden der Kapsel kann sie in der Toilette heruntergespült werden, da es sich um ein Einweggerät handelt.

Sigmoidoskopie
Die Sigmoidoskopie wird die „kleine Darmspiegelung“ genannt, weil die Untersuchung der Koloskopie gleicht. Der Unterschied besteht darin, dass nicht der ganze Darm gespiegelt wird, sondern nur der Enddarm und der untere Dickdarm (etwa 60 Zentimeter). Das Instrument, mit dem die Untersuchung durchgeführt wird, heißt Sigmoidoskop. Es ermöglichst ebenfalls die Entnahme von Gewebe.

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