Dickdarmdivertikel

Krankheitsbild

Was sind Dickdarmdivertikel?
Dickdarmdivertikel sind grundsätzlich gutartige, sackartige Ausstülpungen der Darmschleimhaut, die durch Lücken in der Muskelschicht der Darmwand entstehen. Bleiben diese Divertikel ohne Beschwerden, spricht man von einer Divertikulose, treten Beschwerden auf, von einer Divertikelkrankheit. Divertikel entwickeln sich vornehmlich im Bereich des linksseitigen Dickdarms. Davon abzugrenzen ist die Divertikulitis, eine Entzündung und eine häufige Komplikation der Divertikelkrankheit.

Entstehung
Die Darmwand weist Lücken auf, beispielsweise dort, wo Blutgefäße durch die Darmwand treten. In diesen Lücken kann es zu Auswölbungen der normalerweise glatten Schleimhaut kommen. Weil die Häufigkeit von Dickdarmdivertikeln mit steigendem Alter zunimmt, könnten auch altersbedingte Bindegewebsschwächen mit für die Entstehung von Divertikeln verantwortlich sein. Auch herrscht Einigkeit darüber, dass es eine genetische Veranlagung für die Ausbildung von Divertikeln gibt.
Weitere Risikofaktoren können sein:

  • eine ballaststoffarme Ernährung
  • Bewegungsmangel
  • Übergewicht
  • das Vorhandensein anderer Erkrankungen, beispielsweise der Nieren
  • Bluthochdruck
  • das Rauchen
  • hoher Alkoholkonsum
  • Medikamente (Schmerzmittel, Kortison)

Krankheitszeichen
In den meisten Fällen verursachen Darmdivertikel keine Beschwerden. Nur wenn es zu krankhaften Veränderungen kommt, treten Krankheitszeichen auf. Dazu zählen meist linksseitige, stechende oder anhaltende Bauchschmerzen, Darmkrämpfe, meistens Verstopfung, aber auch Durchfälle sind möglich, Blutungen aus dem Enddarm und auch Brennen oder Schmerzen beim Wasserlassen. Außerdem können unspezifische Krankheitszeichen auftreten wie ein allgemeines Krankheitsgefühl, Fieber sowie Appetitlosigkeit und Übelkeit. Beschwerdefreie Divertikel werden meistens bei einer Dickdarmspiegelung oder einer Röntgenkontrastuntersuchung des Dickdarmes zur Vorsorge oder wegen anderer Erkrankungen zufällig entdeckt.

Verlauf
Zunächst befindet sich das Divertikel noch innerhalb der Darmmuskulatur, im Verlauf kann es durch alle Schichten zur Darmaußenwand wandern. Divertikel verursachen in den meisten Fällen keine Beschwerden und sind für sich gesehen nicht krankhaft. Jedwede Art von Divertikeln kann sich jedoch potenziell entzünden. Das geschieht im Durchschnitt in drei von zehn Fällen.
Grund für eine Entzündung können Kotreste sein, die sich in den Divertikeln sammeln und nicht ausgespült werden. Bakterien greifen auf die Darmwand über und befallen größere Flächen des Darms.
Weitere Komplikationen sind Verengungen des Darms bis hin zum Darmverschluss (Ileus) oder ein Einreißen (Perforation) der Divertikel, was zu einem Darmdurchbruch führen kann. In einem solchen Fall breitet sich die Entzündung auf das Bauchfell aus, es sammelt sich Eiter und in einigen Fällen können sich zwischen dem Dickdarm und der Blase oder der Scheide Verbindungen (Fisteln) bilden. Auch Blutungen der Divertikel können eine Komplikation darstellen und sind der häufigste Grund dafür, dass sich Blut im Stuhl befindet.

Ob Dickdarmdivertikel einen krankhaften Verlauf nehmen, kann von unterschiedlichen externen Faktoren abhängen. So spielen bestimmte Vorerkrankungen wie Diabetes mellitus, Bluthochdruck, Nierenerkrankungen oder Allergien (zum Beispiel gegen Gräser, Pollen, Nahrungsmittel) unter Umständen eine Rolle. Auch die Einnahme von Medikamenten kann Einfluss auf die Entwicklung haben.
Zu den Medikamenten, die sich auf die Entwicklung der Divertikel auswirken können, zählen:

  • Nichtsteroidale Antirheumatika, auch non-steroidal anti-inflammatory drugs (NSAID): Das sind Schmerzmittel, die eine antientzündliche Wirkung haben und auch zur Rheumatherapie eingesetzt werden. Zu dieser Wirkstoffgruppe zählen zum Beispiel Aspirin, Ibuprofen oder Diclofenac.
  • Kortikosteroide: Das ist eine Wirkstoffgruppe, die auf dem in der Nierennebenrinde produzierten Hormon Kortison basiert. In hohen Dosen wirkt es entzündungshemmend und wird ebenfalls unter anderem in der Rheumatherapie eingesetzt.
  • Opioide: Das ist ein Sammelbegriff für Wirkstoffe mit morphinartigen Wirkungen. Opioide können auch vom Körper produziert werden, beispielsweise in Stresssituationen zur Schmerzunterdrückung. Synthetische Opioide kommen darum in der Schmerztherapie zum Einsatz und zur Betäubung oder Narkose.
  • Paracetamol: Das ist ein schmerzstillender und fiebersenkender Wirkstoff.

Diagnostik von Dickdarmdivertikel

Zunächst wird der Arzt in einem ausführlichen Gespräch die Beschwerden und das Vorhandensein von Risikofaktoren (unter anderem die Einnahme von Medikamenten, Tabakkonsum,) abklären. Die Symptome der Divertikelkrankheit ähneln denen des Reizdarmsyndroms, weshalb die Unterscheidung von dieser Erkrankung eine große Rolle spielt. Grundsätzlich sind Patienten mit einem Reizdarmsyndrom eher jünger, ein höheres Alter kann auf die Divertikelkrankheit hinweisen.
Weitere Untersuchungen durch den Arzt sind eine Druckuntersuchung des Bauchraums (Abtasten), das Abhören des Oberkörpers, eine Tastuntersuchung des Enddarms, Temperaturmessung, Bestimmung der weißen Blutkörperchen (kann eine Entzündung anzeigen) sowie eine Urinanalyse zum Ausschluss von Erkrankungen der Blase.
Eine hohe Aussagekraft besitzt der sogenannte CRP-Wert. Bei dem C-reaktiven Protein handelt es sich um einen Entzündungsparameter, der bei Entzündungen schnell ansteigt und bei ihrem Abklingen auch schnell wieder sinkt. Er ermöglicht es dadurch, den Verlauf einer Entzündung gut zu beobachten. 

Bildgebende Verfahren
Die Laboruntersuchung allein kann eine Divertikelkrankheit oder deren Komplikationen nicht abschließend bestätigen oder ausschließen. Darum wird zusätzlich eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt. Sie ist dazu geeignet, die Diagnose und den Schweregrad abzubilden. Bei besonderen Lokalisationen der Divertikel kann auch eine Ultraschalluntersuchung vom Darm aus oder bei Frauen von der Scheide aus infrage kommen.
Als Alternative zur Ultraschalluntersuchung kommt eine Computertomografie in Betracht. Zur Beurteilung der Divertikel, ihrer Ausprägung und Lokalisation sind beide Verfahren gleichwertig. Die Computertomografie kann auch ergänzend eingesetzt werden, um den Schweregrad einer Erkrankung besser zu bestimmen und um eine eventuell notwendige Operation zu planen.

Eine Koloskopie − also eine Dickdarmspiegelung, bei der ein Endoskop in den Dickdarm geführt wird und dessen Kamera Bilder auf einen Monitor spielt − wird nur in Ausnahmefällen, also dann zur Diagnostik genutzt, wenn es einen untypischen Verlauf gibt oder untypische Beschwerden vorliegen. Allerdings muss ausgeschlossen sein, dass die Divertikel Risse (Perforation) aufweisen. Ein weiterer Grund für die Durchführung einer Darmspiegelung liegt im Ausschluss einer bösartigen Erkrankung des Darmes, die ähnliche Beschwerden verursachen kann, beziehungsweise als Vorsorgeuntersuchung.

Therapie von Dickdarmdivertikel

Bei einer unkomplizierten akuten Divertikulitis werden das Fasten sowie die langfristige Ernährungsumstellung hin zu einer ballaststoffreichen Kost empfohlen, um die akuten Beschwerden (Entzündung) zu lindern. Das Fasten beziehungsweise die vorübergehende Umstellung auf Flüssignahrung entlastet den Darm, sodass sich dieser regenerieren kann.
Betroffenen, bei denen Komplikationen nicht ausgeschlossen werden können, hilft die intravenöse Infusion von Antibiotika, das Abklingen der Entzündung zu unterstützen.

Menschen, die aufgrund einer Divertikulitis unter starken Schmerzen und Fieber leiden, müssen stationär im Krankenhaus behandelt werden. Sie dürfen keine Nahrung aufnehmen und werden über eine Infusion mit den notwendigen Nährstoffen sowie mit Antibiotika versorgt.

Operativer Eingriff
Führt eine solche Therapie nicht zum gewünschten Erfolg oder liegt eine komplizierte Divertikulitis vor − Blutungen, Gefahr von Perforationen, Fistelbildung, Darmverschlüssen sowie insbesondere bei bereits erfolgtem Divertikeldurchbruch in die freie Bauchhöhle −, muss eine Operation durchgeführt werden. Während der Operation wird der von den Divertikeln betroffene Darmabschnitt entfernt und die Darmenden wieder zusammengeführt. Dies kann entweder durch einen klassischen Bauchschnitt unter Vollnarkose geschehen oder mittels eines minimalinvasiven laparoskopischen Eingriffs. Beim laparoskopischen Eingriff werden über mehrere kleine Bauchschnitte oder über einen etwas größeren die Werkzeuge für die Entfernung des Darmabschnitts eingeführt. Welche Operationsmethode für wen geeignet ist, wird individuell entschieden. Grundsätzlich sind beide Verfahren gleichwertig.

In besonders schweren Notfällen oder bei sehr schwerwiegenden Entzündungen kann es notwendig sein, einen künstlichen Darmausgang zu legen, um die Darmnaht zu entlasten. In der Regel wird der künstliche Darmausgang später wieder entfernt.

Vorsorge/Prävention

Um Divertikel, eine Divertikulitis und schwere Verläufe oder Komplikationen zu vermeiden, sollte die Ernährung auf ballaststoffreiche Nahrungsmittel umgestellt werden. Darüber hinaus mindert eine regelmäßige körperliche Aktivität, die auch die Verdauung positiv beeinflusst, das Risiko eines komplizierten Verlaufs und vermeidet Übergewicht, das sich ebenfalls negativ auf die Divertikelbildung auswirkt.

Disclaimer

Dieser Text dient ausschließlich der Information und soll Erkrankten und ihren Angehörigen erste Inhalte vermitteln, um einzelne Untersuchungs- und Therapieschritte besser verstehen zu können. Diese Informationen ersetzen keinen Arztbesuch und sind keine Aufforderung zur Selbstbehandlung und dürfen nicht zur Erstellung eigenständiger Diagnosen und/oder einer Eigenmedikation verwendet werden.
Der Text erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.


Erstellungsdatum: 01.11.2015
Letzte Aktualisierung: 30.11.2018

Herausgeber: Unabhängige Patientenberatung Deutschland, UPD

Sie haben Fragen und wünschen eine persönliche Beratung zu gesundheitlichen und gesundheits- sowie sozialrechtlichen Themen?

Unsere UPD-Experten beantworten Ihre Fragen:

Wichtiger Hinweis: Bitte schicken Sie uns keine Original-Unterlagen mit der Post zu, sondern ausschließlich Kopien. Wir können leider keine Rücksendung Ihrer Unterlagen vornehmen. Aus Datenschutzgründen werden Ihre Dokumente nach der Bearbeitung Ihres Anliegens ordnungsgemäß vernichtet.

© 2017 UPD Patientenberatung Deutschland gGmbH – Dieses gesundheitsbezogene Informationsangebot dient lediglich Ihrer Information und ersetzt in keinem Fall eine persönliche Beratung, Untersuchung oder Diagnose durch einen approbierten Arzt. Die zur Verfügung gestellten Inhalte können und dürfen nicht zur Erstellung eigenständiger Diagnosen und/oder einer Eigenmedikation verwendet werden.