Diphtherie

Krankheitsbild Diphtherie

Was ist Diphtherie?
Diphtherie ist eine Infektionskrankheit, die durch das Gift (Toxin) eines Bakteriums (Corynebacterium diphtheriae) ausgelöst wird. Das Toxin führt zu der Bildung von schleimhautbedeckenden Belägen (Pseudomembranen).

Wo gibt es Diphtherie-Erkrankungen?
In Deutschland gab es die letzte größere Diphtherie-Epidemie in den Jahren 1942 bis 1945; seitdem werden nur noch sporadische Einzelfälle gemeldet. Das ist auch ein Erfolg der konsequenten Impfstrategie, bei der bereits Säuglinge unter anderem gegen diese Erkrankung geimpft werden. Im Rahmen der regelmäßigen Tetanus-Auffrischimpfungen auch im Erwachsenenalter wird typischerweise immer ein Kombinationsimpfstoff verwendet, der auch gegen die Diphtherie schützt. Heute werden die meisten Diphtherie-Fälle aus Indien gemeldet; auch in einigen asiatischen und afrikanischen sowie in den baltischen Staaten gibt es noch erhöhte Erkrankungszahlen.

Entstehung
Eine Ansteckung mit dem Bakterium erfolgt in der Regel durch Tröpfcheninfektion. Die Bakterien können durch Husten oder Niesen übertragen werden. Selten kommt es zu einer indirekten Ansteckung durch das Berühren von mit Krankheitserregern verunreinigten Gegenständen (Schmierinfektion) bei einer Haut- und Wundinfektion. Das Risiko, sich anzustecken, besteht, solange der Erreger in Körperflüssigkeiten und Wunden nachweisbar ist. Im Normalfall betrifft dies bei Unbehandelten einen Zeitraum von etwa zwei Wochen, selten von mehr als vier Wochen. Eine Infektion mit dem Bakterium hat nicht zwangsläufig einen Ausbruch der Erkrankung zur Folge: Die typischen Krankheitszeichen werden erst dann ausgelöst, wenn die Bakterien ein Toxin freisetzen. Wenn Diphtherie ausbricht, dann etwa zwei bis fünf, selten bis zu zehn Tage nach der Ansteckung mit dem Bakterium (Inkubationszeit). Bei einem erfolgreich geimpften Menschen werden bei Kontakt mit Diphtherie-Erreger diese vom Immunsystem abgetötet, sodass es nicht zum Ausbruch der Erkrankung kommen kann.

Das Erbgut (Genom) von Diphtherie erregenden Bakterien beinhaltet ein Diphtherie-Toxin-Gen, das die Bakterien zur Bildung des Diphtherie-Toxins befähigt. Sobald sich die Bakterien in einer beliebigen Schleimhaut angesiedelt haben, beginnen sie mit der Produktion dieses Toxins. Insbesondere sind die Schleimhäute des Rachens, der Mandeln, des Kehlkopfes und der Luftröhre betroffen. Seltener sind die Augenbindehaut, die Nase und die Haut, aber auch Herz, Nerven, Leber und Nieren befallen. Das Toxin gelangt in die Zellen und schädigt sie. Es bewirkt zunächst eine Entzündung der Schleimhäute, danach ein Absterben der Zellen (Nekrose). Aus den abgestorbenen Zellen und Bestandteilen des Blutes bildet sich eine Pseudomembran, die die Schleimhäute wie ein dünner Film bedeckt.

Normalerweise hat die Erkrankung nach vier bis fünf Tagen ihren Höhepunkt erreicht und heilt anschließend in der Regel aus. Schwerwiegende Komplikationen können zu einem schweren Verlauf der Erkrankung führen. Diese sogenannte toxische, maligne oder Gravissima-Diphtherie entsteht durch den Transport der Bakterien über das Blut zu anderen Organen. Betroffen können vor allem das Herz, die Nieren, das Nerven- und das Blutsystem sein. Die Komplikationen beinhalten beispielsweise Lähmungserscheinungen, Gefäßschädigungen und Störungen des Kreislaufsystems bis hin zum Herztod.

Diphterie gehört zu den in Deutschland meldepflichtigen Erkrankungen. Das bedeutet, dass ein Krankheitsverdacht, die Erkrankung an oder der Tod durch Diphterie umgehend und namentlich an das zuständige Gesundheitsamt gemeldet werden müssen.

Krankheitszeichen
Befällt die Diphtherie den Rachen und die Mandeln, äußert sie sich vor allem mit Halsschmerzen, Schluckbeschwerden und einem geröteten und geschwollenen Rachen. Auch Kopfschmerzen, geschwollene Lymphknoten sowie Fieber sind typische Krankheitszeichen. Es entsteht eine Mandelentzündung (Tonsillitis) und/oder Rachenentzündung (Pharyngitis) mit fest haftenden, grau-weißen Pseudomembranen auf der Rachenschleimhaut. Sie können sich über den Gaumen und das Halszäpfchen bis zum Kehlkopf ausbreiten. Aufgrund der festen Haftung sind diese Beläge schwer zu entfernen – das Ablösen zieht Blutungen nach sich. Der Erkrankte kann durch einen süßlichen Mundgeruch auffallen. Ist auch der Kehlkopf befallen, kommen Schluckbeschwerden, Heiserkeit und ein zischendes, pfeifendes Atemgeräusch (Stridor) hinzu. Eine schmerzhafte Schwellung im Bereich des Halses (Halslymphknoten, Rachen und Kehlkopf) kann so schwerwiegend sein, dass es zu einer Verstopfung der Atemwege (Obstruktion des Respirationstraktes) und zu Luftnot kommen und Erstickungsgefahr bestehen kann. Betroffene atmen rasch und oberflächlich.

Die Haut- und Wunddiphtherie tritt meist als Folge einer Hauterkrankung oder einer Wunde auf. Eine Infektion mit dem Diphtherie-Bakterium und die Freisetzung des Toxins sind durch oberflächliche, schlecht heilende Geschwüre mit grau-braunen, fest haftenden Belägen an der betreffenden Hautstelle gekennzeichnet. Nasendiphtherie tritt besonders bei Säuglingen auf und zieht einen eitrig-blutigen Schnupfen nach sich. Bei der Augendiphtherie schwellen die Bindehäute der Augen an und es tritt ein blutig-eitriger Ausfluss auf.

Die toxische Diphtherie kann zu Herz-Kreislauf-Belastungen aufgrund von Sauerstoffunterversorgung der Gewebe bis zu einem lebensbedrohlichen Schock führen. Mögliche Nieren- und Herzschäden kennzeichnen außerdem die komplizierte Form der Erkrankung. Bei knapp einem Viertel der Erkrankten kommt es zu einer Herzschädigung. Sie äußert sich mit Herzrasen und Herzrhythmusstörungen. In vielen Fällen erholt sich das Herz vollständig davon. Die Störung kann allerdings auch noch Wochen nach der Erkrankung zu einem plötzlichen Herztod führen. Lähmungen der Augen und Schlundmuskeln sowie Lähmungen an Rumpf, Armen und Beinen sind mögliche Folgen der nervenschädigenden Wirkung des Diphtherie-Toxins.

Diagnostik Diphtherie

Bei einem Verdacht auf Diphtherie ist sofort eine Labor-Diagnostik einzuleiten: Zum Nachweis des Bakteriums macht der Arzt zunächst einen Abstrich von der Rachen- oder Nasenschleimhaut. Dabei ist es wichtig, bei dem Abstrich Material unter den Pseudomembranen zu entnehmen. Auch ein Wundabstrich kann untersucht werden.

Das entnommene Material wird in einem Labor geprüft. Dazu wird das Corynebacterium diphtheriae aus der Probe auf einem speziellen Nährboden gezüchtet. Die Bakterien wachsen in grau-schwarzen Kolonien. Nach drei bis vier Tagen können sie nachgewiesen werden. Unter dem Mikroskop lassen sich jedoch schon früher erste Hinweise auf das Vorliegen einer Diphtherie erkennen.

Außerdem wird Blut abgenommen. Das Diphtherie-Toxin selbst und das Diphtherie-Toxin-Gen können im Labor mittels aufwendiger Verfahren nachgewiesen werden (Elek-Test, Polymerase-Kettenreaktion (PCR)). Der Elek-Test ist ein immunologischer Test, mit dem das Toxin gefunden werden kann. In einer Schale werden die zu untersuchenden Diphtherie-Bakterien mit einem entsprechenden Gegengift vereint. Wenn es sich um das vermutete Bakterium handelt, produziert dieses das Toxin, das mit dem Gegengift verklumpt und sichtbar ist. Mittels einer PCR-Untersuchung ist es möglich, das Diphterie-Toxin-Gen im Erbmaterial der Bakterien nachzuweisen.

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