Ess-Brech-Sucht (Bulimie)

Krankheitsbild Bulimie

Was ist eine Ess-Brech-Sucht?
Die Ess-Brech-Sucht ist eine Essstörung, die durch wiederkehrende Heißhungerattacken gekennzeichnet ist. Weil die Betroffenen nicht zunehmen möchten, versuchen sie, ihr Gewicht vor allem durch selbst herbeigeführtes Erbrechen, aber auch durch Hungerphasen, übertriebenen Sport oder die Einnahme von Abführmitteln zu kontrollieren. Die Essstörung wird überwiegend bei jüngeren Frauen beobachtet, nur jeder zwölfte Patient ist männlich.

Entstehung
Häufig geht der Ess-Brech-Sucht eine Diät voraus. Man nimmt an, dass unterschiedliche Ursachen zur Entstehung einer Essstörung führen können. Dazu gehören:

  • Ursachen, die in der persönlichen Entwicklung liegen
    Beispiele dafür sind ein niedriges Selbstwertgefühl, erhöhte Ängstlichkeit, vor allem im Umgang mit anderen Personen, der Wunsch alles perfekt machen zu wollen, erhöhte Zwanghaftigkeit, Überforderung mit den Aufgaben des Erwachsenwerdens und der Ablösung aus dem Elternhaus oder stark belastende Ereignisse, wie zum Beispiel die Scheidung der Eltern, eine Trennungssituation, Gewalterfahrungen oder der Tod eines nahestehenden Menschen.
  • Gesellschaftliche Einflüsse
    Hier spielt vor allem das stark schlankheitsbetonte Schönheitsideal der westlichen Gesellschaft eine Rolle.
  • Biologische und körperliche Einflüsse
    Auch erbliche Faktoren, das Auftreten von Essanfällen nach strenger Diät und ein vor der Erkrankung bestehendes Übergewicht können die Entstehung einer Ess-Brech-Sucht begünstigen.

In der Regel sind an der Entstehung einer Ess-Brech-Sucht mehrere Ursachen beteiligt. Die verschiedenen Faktoren können sich gegenseitig beeinflussen und verstärken.

Mit der Ess-Brech-Sucht gehen häufig weitere psychische Erkrankungen einher; Beispiele sind:

  • Depressionen
  • Angststörungen
  • Zwangserkrankungen
  • Persönlichkeitsstörungen
  • Posttraumatische Belastungsstörungen
  • Substanzmissbrauch

Andere psychische Erkrankungen können Auslöser einer Ess-Brech-Sucht sein. Sie können aber auch als Folge auftreten. Es ist zudem möglich, dass Betroffene an mehreren voneinander unabhängigen psychischen Erkrankungen leiden.

Krankheitszeichen
Menschen mit Ess-Brech-Sucht leiden an Essanfällen und haben Angst davor, zuzunehmen. Sie können nicht mehr steuern, wieviel Nahrung sie zu sich nehmen. Manche erleben einen so ausgeprägten Drang zu essen, dass sie zum Beispiel noch spät nachts zur Tankstelle fahren, um sich Essen zu besorgen. Manche planen ihre Essanfälle regelrecht und gehen gezielt dafür einkaufen. Weil sie nicht zunehmen möchten, versuchen die Betroffenen, die aufgenommenen Kalorien wieder los zu werden. Sie tun das zum Beispiel durch selbst herbeigeführtes Erbrechen, Hungerphasen, zwanghaft-übertriebene sportliche Betätigung oder durch die Einnahme von Abführmitteln. Viele schränken ihre Nahrungsaufnahme außerhalb der Essanfälle deutlich ein, was das Auftreten von Heißhunger begünstigt und ein auslösender Faktor für Essanfälle sein kann.

Verlauf
Eine Ess-Brech-Sucht entwickelt sich über längere Zeit. Anzeichen, die man selbst bemerkt, können eine Unzufriedenheit mit dem Essverhalten, Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper, eine ständige Sorge um das Gewicht und das Essen, heimliches Essen, selbst herbeigeführtes Erbrechen oder Essanfälle sein. Viele Patienten haben mehrere Monate gar keine Anfälle und dann wieder Rückfälle. Freunden und Familienmitgliedern der Betroffenen fällt zunächst oft nur ein abnehmendes Interesse am Kontakt mit anderen Menschen auf.

Essstörungen und Maßnahmen, die eingesetzt werden, um das Gewicht zu beeinflussen, können zu körperlichen und seelischen Folgeerkrankungen führen. So kann die unzureichende Kalorienzufuhr ein Ausbleiben der Regelblutung, eine verminderte Knochendichte, Haarausfall, minderdurchblutete Finger und Füße, einen niedrigen Puls und Blutdruck, eine niedrige Körpertemperatur und auffällige Laborparameter zur Folge haben. Allerdings werden diese Symptome seltener als bei der krankhaften Magersucht (Anorexia nervosa) beobachtet, da diese Personen insgesamt gesehen eine ausreichende Nahrungszufuhr haben. Auch psychisch kann sich eine reduzierte Nahrungsaufnahme äußern. Die Patienten leiden häufig unter schlechter Stimmung bis hin zur Depression, sozialem Rückzug, erhöhtem Bewegungsdrang, erhöhtem Kälteempfinden, vermindertem Interesse an Sex, eingeschränkter Denkfähigkeit. Das Auslassen von Mahlzeiten und wiederkehrendes Fasten können Heißhunger- und Essanfälle begünstigen.

Mögliche Folgen selbst herbeigeführten Erbrechens sind Zahnschäden, Störungen des Elektrolyt- und Wasserhaushalts und Störungen der Nierenfunktion. Missbrauchen Betroffene Abführmittel und Entwässerungsmittel, um ihr Körpergewicht zu kontrollieren, können Durchfall im Wechsel mit Verstopfung, Störungen des Elektrolyt- und Wasserhaushalts, eine Störung der Nierenfunktion und schwere Verstopfung bis hin zum Darmverschluss auftreten.

Treiben die Patienten exzessiv Sport, kann es zu einer erhöhten Gefahr von Knochenbrüchen und einer übermäßigen Belastung von Sehnen und Gelenken kommen.

Diagnostik Bulimie

Meist kann die Diagnose nach einem ausführlichen Gespräch gestellt werden. Zusätzlich werden medizinische Untersuchungen durchgeführt. Dazu gehören:

  • Bestimmung von Gewicht und Körpergröße zur Berechnung des Body-Mass-Index (kg/m2)
  • Messung von Blutdruck, Puls, Körpertemperatur
  • Kontrolle der Durchblutung und Prüfung, ob aus den Blutgefäßen Flüssigkeit austritt (Ödeme)
  • Untersuchung der Herzfunktion
  • Blutuntersuchung
  • Urinuntersuchung
  • Untersuchung der Leber und Nieren

Ziel dieser Untersuchungen ist es zu ermitteln, ob die Symptome eventuell durch eine andere körperliche Erkrankung verursacht werden. Zudem sollen so mögliche gesundheitliche Gefahren erkannt werden, die durch die Ess-Brech-Sucht bereits eingetreten sein könnten.

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