Fremdkörper-Aspiration

Krankheitsbild

Was ist eine Fremdkörperaspiration
Gelangt Flüssigkeit oder ein kleiner Gegenstand in die Atemwege, sprechen Mediziner von einer Fremdkörperaspiration. Häufige Anzeichen sind plötzlicher Husten und Atemprobleme. Zu den Betroffenen gehören vor allem kleine Kinder zwischen sechs Monaten und vier Jahren, Jungen häufiger als Mädchen. Fremdkörperaspirationen treten auch bei älteren Menschen, etwa ab einem Alter von 50 Jahren gehäuft auf, beispielsweise bei Schluckstörungen.
Meistens schafft der Körper es, sich reflexartig durch Husten vom eingeatmeten Gegenstand zu befreien. Fremdkörper innerhalb der Atemwege können zu ernsthaften Komplikationen bis hin zum Tod führen. Rechtzeitige Erste-Hilfe-Maßnahmen, Diagnose und ärztliche Behandlung sind daher besonders wichtig.
Der folgende Text informiert über Anzeichen, Diagnostik und Maßnahmen, wenn kleine Kinder Gegenstände einatmen. Auf die Beschwerden Älterer wird nicht eingegangen.

Entstehung
Beim Schlucken wird im Kehlkopf automatisch der Eingang zur Luftröhre verschlossen. So sind die Atemwege vor dem Eindringen von Fremdkörpern geschützt. Bei Kindern ist dieses Zusammenspiel noch nicht ausreichend koordiniert, sodass Gegenstände leichter in die Atemwege gelangen. Umgangssprachlich spricht man vom Verschlucken.

Kleinkinder verschlucken sich häufig an Nahrungsmitteln wie Nüssen, Weintrauben oder Obstteilen. Ältere Kinder stecken kleine Spielzeugteile und Gebrauchsgegenstände wie Schrauben, Münzen, Murmeln, Legosteine oder (Näh-)Nadeln beim Spielen in die Nase oder in den Mund. Dadurch können kleine Gegenstände auch in die Luftröhre gelangen.

Der Fremdkörper kann in die verschiedenen Abschnitte der Luftwege gelangen. Je nachdem, wie weit er in die Verästelung der Atemwege vordringt, hat dies unterschiedliche Auswirkungen.
Manche Gegenstände bleiben aufgrund ihrer Größe im Kehlkopfbereich oder im oberen Abschnitt der Luftröhre stecken. Wenn das der Fall ist, kann der Luftweg vollständig verschlossen sein (komplette Atemwegsverlegung), sodass der Betroffene keine Luft mehr bekommt und erstickt, wird der Fremdkörper nicht schnell genug entfernt.

Häufiger dringt ein kleinerer Fremdkörper in die tiefen Atemwege vor. Während ein Teil der Lunge von der Frischluftzufuhr abgeschnitten ist, kann die restliche Lunge normal atmen (inkomplette Atemwegsverlegung).

Krankheitszeichen
Gelangt ein Fremdkörper in die Atemwege, kommt es in der Akutphase meist zu plötzlichem Husten. Mit diesem Abwehrmechanismus versucht der Körper, den Gegenstand aus den Atemwegen herauszukatapultieren. Betroffene zeigen Atemnot, in manchen Fällen sind die Beschwerden nur schwer von einem Asthmaanfall oder anderen Ursachen einer Luftnot zu unterscheiden. Eine plötzlich auftretende pfeifende Atmung, gegebenenfalls mit Zeichen von Atemnot, kann auf eingeatmete Gegenstände hinweisen. Bei Luftnot kann der Betroffene durch den zunehmenden Sauerstoffmangel blau anlaufen und schließlich das Bewusstsein verlieren. Außerdem kann sich durch die Sauerstoffunterversorgung ein Herz-Kreislauf-Stillstand einstellen.

Ein kleiner Fremdkörper, der in die tiefen Lungenabschnitte gerät, verursacht manchmal nur geringe Beschwerden. Akute Symptome wie starker Husten fehlen in solchen Fällen oder verschwinden schnell. So kann das Einatmen über Stunden bis Wochen unbemerkt bleiben. In der Folge kann im betroffenen Bereich eine Infektion entstehen und die Lunge dauerhaft geschädigt werden.

Deshalb sollte bei einem Verdacht auf eine Fremdkörperaspiration immer ein Arzt aufgesucht werden, auch wenn die Symptome nicht bedrohlich wirken.

Diagnostik

Betreuungspersonen oder das Kind selbst können dem Arzt berichten, welches Nahrungsmittel oder Spielzeug es verschluckt hat. Kommt es zu Atemproblemen ohne direkt ersichtlichen Grund, ist für die Diagnose besonders wichtig, dass sich Betreuungspersonen an mögliche Situationen zurückerinnern, bei denen ein Verschlucken möglich war. Beispielsweise starkes Husten beim Verzehr von Nüssen, auch wenn dies schon mehrere Tage her ist.

Eine körperliche Untersuchung kann den Verdacht bestätigen. Eindeutig lässt sich ein Gegenstand mit der Bronchoskopie erkennen. Hierbei wird ein Kameraschlauch in die Atemwege eingeführt und nach Fremdkörpern Ausschau gehalten. Die Bronchoskopie wird unter Betäubung durchgeführt.

Auch Röntgenuntersuchungen, eine Magnetresonanztomografie (MRT) oder eine Computertomografie (CT) können Hinweise auf den eingeatmeten Gegenstand oder mögliche Entzündungen liefern. Jedoch kann ein negativer Röntgenbefund die Diagnose nicht eindeutig ausschließen. Viele Fremdkörper, darunter Nahrungsmittel, sind nicht auf einem Röntgenbild darstellbar.

Therapie

Beim normalen Verschlucken kleiner Gegenstände oder geringer Mengen Flüssigkeit hilft der gesunde Körper sich selbst. Schafft es das Kind nicht allein, den Gegenstand abzuhusten, können es Erste-Hilfe-Maßnahmen unterstützen.

  • Erste Hilfe

Leichtes Klopfen zwischen die Schulterblätter kann das Abhusten erleichtern. Hilfreich ist es, dabei den Oberkörper des Kindes nach unten zu beugen. Kleinere Kinder können an den Beinen gefasst und mit dem Kopf nach unten gehalten werden. Ältere Kinder können mit dem Oberkörper nach unten gelagert werden (zum Beispiel über einen Stuhl), um einen ähnlichen Effekt zu erzielen.
Kinder, die quellende Gegenstände wie Samen eingeatmet haben, sollten besonders aufmerksam beobachtet werden. Durch die allmähliche Vergrößerung der Substanz innerhalb der Atemwege können zeitverzögert Komplikationen eintreten.

Kann das Kind weder sprechen, schreien noch husten, ist von einem ernsthaften Notfall auszugehen. Im Rahmen der Ersten Hilfe sollte der Rettungsdienst verständigt werden. Wenn das betroffene Kind starke Luftnot hat und die Atemwege komplett verschlossen sind, kann mit dem Heimlich-Handgriff versucht werden, den Fremdkörper aus den Luftwegen zu pressen. Hierbei können innere Organe geschädigt werden, daher ist der Heimlich-Handgriff nur gerechtfertigt, wenn andere Maßnahmen, das Abhusten zu erleichtern, keinen Erfolg hatten. Hierbei wird das Kind mit beiden Armen von hinten umschlossen. Dann werden die Hände ruckartig in die Magengrube gedrückt. Dadurch steigt der Druck in den Lungen und in der Luftröhre, sodass der Fremdkörper herausgeschleudert werden kann. Diese Maßnahme kann wie andere lebensrettende Sofortmaßnahmen in Erste-Hilfe-Kursen unter fachlicher Anleitung erlernt werden. Wegen der Gefahr für innere Verletzungen sollte auch dann der Arzt aufgesucht werden, wenn der Fremdkörper auf diese Weise entfernt worden ist. Bei Kindern unter einem Jahr wird vom Heimlich-Handgriff abgeraten.
Im Falle des Atemstillstandes kann eine Mund-zu-Mund/Nase-Beatmung notwendig sein.

  • Behandlung

Verbleibt der Fremdkörper trotz Erster Hilfe in den Atemwegen, haben Rettungsdienst und Ärzte verschiedene Möglichkeiten, den Gegenstand zu beseitigen.

Liegt der Gegenstand im oberen Bereich des Kehlkopfes, versucht das Rettungsdienstpersonal, ihn durch den Mund unter Zuhilfenahme einer langen Fasszange zu erreichen.

Wenn der Fremdkörper weiter unterhalb liegt und nicht mit der Zange gegriffen werden kann, kann er durch künstliche Beatmung weiter nach unten in einen tieferen Lungenabschnitt verlagert werden. So behindert er einen kleineren Lungenabschnitt und der Rest der Atemwege ist wieder frei.

Im Krankenhaus kann der Fremdkörper während der Bronchoskopie entfernt werden. Fremdkörper im Bereich des Kehlkopfes können durch eine Kehlkopfspiegelung (Laryngoskopie) erkannt und entfernt werden.
Als letzte Möglichkeit werden unter Umständen ein Luftröhrenschnitt oder eine operative Öffnung der Brusthöhle notwendig.

Prävention/Vorbeugung

Kleinkinder sollten möglichst nicht mit Gegenständen spielen, die kleine und ablösbare Teile besitzen. Standardmäßig ist auf Spielzeugen ein Etikett mit der Altersbeschränkung zu finden. Nahrungsmittel, die leicht in die Atemwege gelangen, wie etwa ganze Nüsse oder Nussstückchen, sind für Kleinkinder nicht geeignet.

Da das Einatmen von Nahrungsbestandteilen besonders in Situationen auftreten kann, in denen Aufregung und Unruhe herrschen, sollten die Mahlzeiten in Ruhe eingenommen werden.

Disclaimer

Dieser Text dient ausschließlich der Information und soll Erkrankten und ihren Angehörigen erste Inhalte vermitteln, um einzelne Untersuchungs- und Therapieschritte besser verstehen zu können. Diese Informationen ersetzen keinen Arztbesuch und sind keine Aufforderung zur Selbstbehandlung und dürfen nicht zur Erstellung eigenständiger Diagnosen und/oder einer Eigenmedikation verwendet werden.
Der Text erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

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Erstellungsdatum: 01.03.2016
Letzte Aktualisierung: 07.08.2018

Herausgeber: Unabhängige Patientenberatung Deutschland, UPD

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