Fremdkörper im Ohr

Beschreibung Fremdkörper im Ohr

Was sind Fremdkörper im Ohr?
Fremdkörper, die nicht zur natürlichen Struktur des Ohres gehören, können ins Ohr gelangen und dort Schädigungen hervorrufen. Außerdem können sich aus dem Ohrensekret Verklumpungen bilden, die das äußere Ohr von innen verstopfen.

Wie kommen Fremdkörper in das Ohr?
Der äußere Gehörgang erstreckt sich über drei bis vier Zentimeter. An einer Stelle ist er leicht abgeknickt und verengt. An seinem inneren Ende wird er durch das Trommelfell vom Mittelohr abgegrenzt. Dieses dünne Bindegewebshäutchen ist oval bis rund, etwa 0,1 Millimeter dick und hat einen Durchmesser von etwa einem Zentimeter. Das Trommelfell hat zwei Aufgaben: Zum einen verschließt es das Mittelohr nach außen und schützt so die darin liegenden empfindlichen Gehörknöchelchen vor Infektionen und Beschädigung. Zum anderen überträgt es Schallschwingungen über die Gehörknöchelchen-Kette auf das Innenohr. Damit ist es direkt am Hörvorgang beteiligt.

Bei Kindern stecken meist Kleinteile im äußeren Gehörgang fest. Beim nicht fachgerechten Versuch sie zu entfernen, rutschen sie häufig immer tiefer hinein. Von der Erdnuss bis zur Perle kann beim Kind jeder erdenkliche Gegenstand ins Ohr gelangen und sich dort festsetzen, da sich viele Kinder in einem gewissen Alter alles Greifbare ins Ohr stecken.

Bei Erwachsenen wird das Gefühl eines Fremdkörpers im Ohr meist durch einen Ohrenschmalzpfropf ausgelöst. Das Ohrenschmalz (Cerumen) wird aus dem gelblichen Sekret der im äußeren Teil des Gehörgangs liegenden Talgdrüsen, Haarfollikeln und abgeschilferten Hornstückchen gebildet. In Form eines Pfropfes kann es im hinteren Teil des Gehörganges vor dem Trommelfell festsitzen (Cerumen obturans). Die Ursache für das Verstopfen ist fast immer ein vorangegangener Reinigungsversuch mit einem Wattestäbchen oder einem anderen Gerät. Das Ohrenschmalz wird dabei nach hinten an das Trommelfell geschoben, wo es steckenbleibt. Häufig bleiben auch Reste von Watte oder Ohrenstöpseln (zum Beispiel aus Wachs) im Gehörgang zurück.

Beschwerden
Cerumenpfröpfe können eine beachtliche Größe erreichen und das Hörvermögen deutlich beeinträchtigen. Besonders wenn Wasser in den verstopften Gehörgang gelangt, verschlimmern sich die Beschwerden, weil das Ohrenschmalz aufquillt. Die eigene Stimme klingt dann ungewohnt, da die über den Knochen zum Innenohr geleiteten Schwingungen nun deutlicher wahrgenommen werden als sonst. Begleitend treten häufig ein dumpfes Druckgefühl, Ohrensausen oder Schwindel auf.

Fremdkörper im Ohr von Kindern können beim Hineindrücken oder (häufiger) beim nicht fachgerechten Versuch sie zu entfernen, Verletzungen herbeiführen. Spitze, längere Gegenstände können das Trommelfell durchstoßen. Sie verursachen dabei einen spitzen Schmerz, gefolgt von einer plötzlichen Hörminderung. Eventuell rinnt danach etwas Blut aus dem Ohr.

Schnitte oder Blutergüsse im Gehörgang sind meist sehr schmerzhaft, da die Haut dort unverschieblich und fest auf dem Knochen aufliegt. Schwellungen durch Verletzung oder Entzündung führen sehr leicht zu erheblichen Spannungen und Irritationen der empfindlichen Knochenhaut.

Häufiger kommt es vor, dass Kleinteile im Ohr der Kinder längere Zeit nicht bemerkt werden. Stecken die Fremdkörper tief im Gehörgang, sind sie von außen nicht mehr sichtbar. Durch solche vergessenen Fremdkörper können sich sehr leicht Infektionen entwickeln (Gehörgangsentzündung). Die Ohrmuschel ist dabei gerötet, es entwickeln sich Juckreiz und Schmerzen. Insbesondere beim Druck auf den vorderen Ohrknorpel und beim Zug am Ohrläppchen entstehen Schmerzen. Manchmal rinnt etwas gelblicher Eiter aus dem Gehörgang. Eltern erkennen das Problem, wenn sie ihr Kind genau beobachten. Es wird sich immer wieder ans Ohr greifen und sehr unruhig sein oder weinen. Auch beim Kauen entstehen Schmerzen, sodass das Kind die Nahrungsaufnahme verweigert. Manchmal macht auch ein schlechter Geruch aus dem Ohr auf die Entzündung aufmerksam.

Verbleibt der Gegenstand weiter im Ohr und schreitet die Entzündung fort, kann sich eine eitrige abgekapselte Entzündung (Abszess) bilden, die auf das Mittelohr und den Knochen übergreift.

Diagnostik Fremdkörper im Ohr

Fremdkörper erkennt der HNO-Arzt beim Blick in das Ohr. Zur Inspektion des Gehörganges sollte die Ohrmuschel nach hinten oben gezogen und mögliche Cerumenpfropfen entfernt werden. Eine freie Sicht sollte jedoch nicht erzwungen werden. Der Arzt verwendet zur Untersuchung einen Ohrtrichter und ein Ohrmikroskop. Beim Ohrtrichter handelt es sich um ein trichterförmiges Instrument, das in den Gehörgang eingeführt wird. Durch das Ohrmikroskop sieht der Arzt mit Vergrößerung und Beleuchtung in den Gehörgang. Vor der Ohrmikroskopie muss der Gehörgang in manchen Fällen zunächst durch eine Absaugung gereinigt werden. Es werden in der Regel beide Trommelfelle untersucht.

Der Arzt kann bei dieser Untersuchung auch feststellen, ob Verletzungen, Infektionen oder Schäden am Trommelfell und im Mittelohr entstanden sind. Nach der Entfernung des Fremdkörpers findet gewöhnlich eine Hörprüfung statt. Manchmal sind eine oder mehrere Nachkontrollen notwendig.

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