Galaktosämie

Krankheitsbild Galaktosämie

Was ist Galaktosämie?
Galaktosämie ist ein vererbter Mangel oder eine Störung in der Funktion bestimmter Eiweiße (Enzyme). Der Enzymmangel führt zu Stoffwechselveränderungen und dadurch zu einer erhöhten Konzentration des Zuckers Galaktose im Blut. Galaktose ist, als einer der Anteile an der Laktose neben der Glucose, Bestandteil der Muttermilch und kommt auch in jeder anderen Milch vor.

Entstehung
Die Galaktosämie ist eine relativ seltene Erkrankung. Durch eine Veränderung eines bestimmten Gens (Mutation) kommt es zu einem hochgradigen Mangel (unter 1 Prozent der normalen Aktivität) bestimmter Enzyme des Galaktosestoffwechsels, der Galaktose-1-Phosphat-Uridyltransferase (GALT = klassische Galaktosämie, Transferasemangel). Bei einem genetisch bedingten geringen Mangel an Aktivität (über 25 Prozent der Norm) treten keinerlei Symptome auf. Allerdings wird der Enzymmangel bei den geringer betroffenen Kindern auch durch das Neugeborenen-Screening auf Stoffwechselerkrankungen festgestellt.

Eine andere Form der Galaktoseunverträglichkeit (neben der „klassischen“ Galaktosämie) ist durch einen Mangel an Galaktokinase (Kinasemangel) bedingt. Auch durch einen Mangel an einem weiteren Enzym, der UDP-Galaktose-4-Epimerase (Epimerasemangel), kann es zur Störung im Galaktose-Stoffwechsel kommen. Diese Form der Galaktose-Stoffwechselstörung ist jedoch äußerst selten.   

Die Fehlfunktionen der Enzyme werden rezessiv vererbt – das heißt, es erkranken nur die Kinder, die von beiden Elternteilen das jeweils fehlerhafte Gen bekommen haben. Kinder mit einem gesunden und einem kranken Gen verfügen über eine ausreichende Enzymproduktion. Sie haben keinerlei Krankheitszeichen, können das defekte Gen aber wiederum an ihren Nachwuchs weitergeben.

Alle drei Enzyme spielen eine wichtige Rolle im Stoffwechsel der Leber – der in mehreren Schritten ablaufenden Umsetzung der Galaktose zu Glukose, einem energieliefernden Zucker im Organismus. Durch das Fehlen eines der Enzyme ist dieser Stoffwechselweg blockiert. Der Körper kann den Zucker Galaktose nicht richtig verwerten. Es entstehen stattdessen vermehrt Stoffwechselzwischenprodukte, sogenannte Metaboliten. Bei einem Transferasemangel häuft sich in den roten Blutkörperchen, der Leber, dem Gehirn und der Niere der Metabolit Galaktose-1-Phosphat an. Dadurch entsteht eine Vergiftung, die verschiedene Organe schwerwiegend schädigen kann. Bei einem Galaktokinasemangel ist bereits der erste Schritt der Umwandlung von Galaktose gestört. Dadurch kommt es zur Anhäufung von Galaktose im Blut und zu deren Ausscheidung im Urin. Aufgrund des Überangebots von nicht abbaubarer Galaktose wird sie in Galaktitol (in einen Zuckeralkohol) umgewandelt. Dieser ist an der Bildung des Grauen Stars (Katarakt), einer Trübung der Augenlinse, beteiligt.

Die Bildung von Galaktitol findet bei allen drei Formen der Galaktoseunverträglichkeit statt. Außerdem führt die Tatsache, dass Glukose nicht gebildet werden kann, zu einem Abfall des Blutzuckers – eine Unterzuckerung (Hypoglykämie) ist die Folge. Für den Erkrankten bedeutet dies Beschwerden, sobald er Galaktose zu sich nimmt. Galaktose ist in verschiedenen Nahrungsmitteln enthalten. Die Hauptquelle ist die in Milchprodukten enthaltene Laktose (Milchzucker), die in der Dünndarmschleimhaut in Glukose und Galaktose gespalten wird.

Krankheitszeichen
Der Verlauf des Enzymmangels ist sehr unterschiedlich. Es existieren für die jeweilige Form des Enzymmangels typische Krankheitszeichen, die häufig vorkommen.

Bei der klassischen Galaktosämie mit Transferasemangel treten bereits in den ersten Lebenstagen schwerwiegende Symptome infolge der Aufnahme der Muttermilch oder anderer Milchprodukte auf. Durch die Anreicherung des nicht weiter abbaubaren Galaktosemetaboliten Galaktose-1-Phosphat kommt es zu Gelbsucht, Blutungen, Vergrößerung der Leber, Erbrechen, Epilepsie-ähnlichen Krämpfen, Blutzuckerabfall im Blut, Schläfrigkeit, Reizbarkeit, Essstörungen, Wachstumsstörungen, Ausscheidung von Eiweiß mit dem Urin, Linsentrübungen, Einblutungen in die Augen, Leberzirrhose, Wasseransammlung im Bauch, Vergrößerung der Milz und Zurückbleiben der geistigen Entwicklung. 

Neugeborene mit dieser Krankheit haben ein erhöhtes Risiko einer schweren bakteriellen Infektion. Wenn diese Stoffwechselstörung nicht in den ersten Lebenstagen festgestellt wird, kommt es zur dauerhaften Schädigung von Gehirn und Leber. Selten kommt es zu einer leichten Variante der klassischen Galaktosämie mit geringen Zeichen der Leberfunktionsstörung, die erst später, etwa zum Ende des ersten Lebensmonats, auftritt.

Bei der Galaktosämie aufgrund gestörter Funktionen des Enzyms Galaktokinase sind im Gegensatz zur klassischen Galaktosämie nicht viele Organe beteiligt. Es kommt ausschließlich bereits in der 3. bis zur 5. Lebenswoche zur Linsentrübung, dem Katarakt, der sich bei frühzeitiger Diagnosestellung und galaktosefreier Ernährung zurückbilden kann. Allerdings muss eine laktosefreie und galaktosearme Ernährung lebenslang eingehalten werden.

Eine Fehlfunktion der UDP-Galaktose-4-Epimerase hat selten einen unterschiedlich schweren Verlauf. Bei der einen Form ist der Enzymmangel lediglich auf einige Blutzellen beschränkt und führt zu keinerlei Krankheitserscheinungen. Bei einer anderen Form kommt es zu niedrigem Blutdruck und Taubheitsgefühlen neben den Symptomen der klassischen Galaktosämie. Auch dieser genetische Defekt erfordert eine lebenslange Diät. Allgemein führt eine Galaktosämieerkrankung auf Dauer fast immer zu Schäden an den Organen. Der Grund ist, dass der Körper selbst eine gewisse Menge Galaktose herstellt, diese aber nicht richtig abbauen kann. Das Krankheitszeichen, das deshalb unvermeidbar auftritt, ist die Linsentrübung. Viele Kinder haben zudem Lernprobleme, die besonders das Sprachliche betreffen. Eines der häufigsten Langzeitkrankheitszeichen betrifft ausschließlich Mädchen beziehungsweise Frauen: Da sich die Eierstöcke infolge der Galaktosämie nicht richtig entwickeln, können nur die wenigsten Patientinnen schwanger werden.

Diagnostik Galaktosämie

Ein Bluttest auf (klassische) Galaktosämie gehört in Deutschland zu den festgelegten Untersuchungen beim Neugeborenen und wird am zweiten oder dritten Tag (frühestens nach 36 Stunden) nach der Geburt routinemäßig gegebenenfalls zusammen mit der zweiten Vorsorgeuntersuchung des Kindes (U2) durchgeführt. Daher ist es praktisch ausgeschlossen, dass die Krankheit übersehen wird.

Bei der Früherfassung angeborener Störungen in den ersten Lebenstagen (Neugeborenenscreening) wird bei der klassischen Galaktosämie die erhöhte Konzentration von Galaktose und verminderte Funktion der Galaktose-1-Phosphat-Uridyltransferase im Blut festgestellt. Außerdem wird die Enzymaktivität in den roten Blutkörperchen bestimmt. Bei Verdacht auf das Vorliegen der klassischen Galaktosämie handelt es sich immer um einer klinische Notfallsituation, die unmittelbar die Behandlung auf einer Neugeborenen-Intensivstation erfordert. Die Milchernährung muss unmittelbar gestoppt werden. Sofern die mildere Form mit gering verminderter Enzymaktivität vorliegt, ergibt sich keine Notfallsituation mit sofortiger Behandlung durch die Intensivmedizin. Wenn der Test positiv ist, kann mithilfe weiterer Untersuchungen ermittelt werden, wie ausgeprägt der Enzymmangel ist.

Die anderen Galaktosämien erfordern ebenfalls im Allgemeinen keine sofortige stationäre Behandlung des Neugeborenen. Genetische Untersuchungen sind häufig notwendig, um harmlose Galaktoseanhäufungen oder Enzymaktivitätsverminderungen von den behandlungsbedürftigen Formen zu unterscheiden.

Die Galaktosämie gehört zu den dauerhaften (chronischen) Erkrankungen. Das bedeutet, die Betroffenen müssen die Auslöser Galaktose und Laktose ein Leben lang meiden. Da Schädigungen trotz eines konsequenten Einhaltens der Diät oft nicht vermeidbar sind, müssen regelmäßige Kontrolluntersuchungen von einem Arzt durchgeführt werden. Dazu gehören die Bestimmung der Galaktose-1-Phosphat-Konzentration in den roten Blutkörperchen, die labormedizinische Bestimmung der Leber- und Nierenwerte sowie eine augenärztliche Diagnostik.

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