Gehörgangsentzündung

Krankheitsbild Gehörgangsentzündung

Was ist eine Gehörgangsentzündung?
Eine Gehörgangsentzündung ist eine Entzündung des äußeren Gehörgangs. Sie führt zu einer mehr oder weniger schmerzhaften Rötung und Schwellung des Gehörgangs.

Entstehung
Eine Entzündung des Gehörgangs, der zwischen dem Trommelfell und dem äußeren Ohr liegt, wird durch Bakterien, seltener durch Pilze oder Viren hervorgerufen. Auch allergische Reaktionen oder giftig wirkende Substanzen können den Ausgangspunkt für die Erkrankung bilden. Bestimmte Faktoren sind in der Lage, alle Formen der Gehörgangsentzündung zu begünstigen. Beispielsweise wird die Entzündung durch Hautschäden begünstigt. Kleine Verletzungen des Gehörgangs durch Wattestäbchen können ebenso wie das Eindringen unsauberen Wassers (Schwimmbad) zu Entzündungen führen. Auch ist es möglich, durch übermäßiges Reinigen des Gehörganges die Entstehung einer Gehörgangsentzündung dadurch zu begünstigen, dass der schützende Fettfilm der Haut entfernt wird.

Auch sogenannte Exostosen können zu Entzündungen führen. So werden knöcherne Einengungen im Gehörgangskanal bezeichnet, die die Selbstreinigung des Gehörgangs behindern. Des Weiteren kann bei einer lang anhaltenden (chronischen) Mittelohrentzündung ebenfalls eine Gehörgangsentzündung durch das aus dem Mittelohr ablaufende entzündliche Sekret entstehen. Menschen, die an Diabetes mellitus oder an allgemeiner Abwehrschwäche leiden, erkranken häufiger an einer Otitis externa. Auch eine chronische Hauterkrankung (Hautekzem) geht oft mit einer wiederholten Gehörgangsentzündung einher.

Eine Gehörgangsentzündung kann in bestimmten Formen auftreten:

  • Otitis externa diffusa (Gehörgangsekzem)
    Diese Form der Otitis wird durch eine Infektion mit bestimmten Bakterien oder Herpesviren hervorgerufen, kann aber auch allergisch bedingt sein. Häufige Allergieauslöser sind beispielsweise Seifen, Kosmetika und Haarwaschmittel. Diese Form der Gehörgangserkrankung kann eine diffus verbreitete Entzündung der Haut und Unterhaut des Gehörgangs und der Umgebung (Ohrmuschel, Lymphknoten oder Ohrspeicheldrüse) nach sich ziehen.
  • Otitis externa necroticans (progressive nekrotisierende Otitis)
    Die seltene Otitis externa necroticans ist ebenfalls eine bakterielle Infektion im Bereich des äußeren Gehörgangs. Sie zeichnet sich dadurch aus, dass die befallenden Bakterien die umliegenden Knochen angreifen und zerstören. Diese Form der Erkrankung entsteht insbesondere bei einer unzureichend behandelten Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) und bei abwehrgeschwächten Menschen.
  • Otitis externa circumscripta (Gehörgangsfurunkel)
    Bei dieser Form der Gehörgangsentzündung entstehen als Folge von Entzündungen der Haarbälge im Bereich des äußeren Gehörgangs knotenförmige, eitrige Entzündungen (Gehörgangsfurunkel).
  • Badeotitis
    Bei der Badeotitis handelt es sich um eine Sonderform der Otitis externa. Sie entsteht durch Eindringen von unsauberem Badewasser und darin enthaltenen Mikroorganismen oder Reinigungsmitteln in den äußeren Gehörgang.

Krankheitszeichen
Im Vordergrund einer Gehörgangsentzündung stehen die oft sehr starken stechenden Ohrenschmerzen. Bei Druck auf die vorderen Knorpelanteile der Ohrmuschel verstärkt sich dieser Schmerz (Tragusdruckschmerz), ebenso bei Ziehen am Ohrläppchen. Kauen und Sprechen können beeinträchtigt sein.

Typische Krankheitszeichen sind außerdem Ohrenjucken, Brennen, Rötung, Schuppen- und Krustenbildung. Auch Fieber tritt gelegentlich auf. Die Lymphknoten im betroffenen Bereich können angeschwollen sein. Ist der Gehörgang ganz oder teilweise zugeschwollen, ist eine Hörminderung die Folge. Entzündliches, schmieriges Sekret läuft häufig zusätzlich aus dem Ohr. Eine solche Entzündung mit Flüssigkeitsaustritt kann zu einem zusätzlichen Befall des Gehörgangs mit Pilzen (Otomykose) führen. Ein Befall mit Pilzen äußert sich durch einen weißlichen bis dunkelbräunlichen Belag im Gehörgang.

Bei der seltenen Otitis externa necroticans kann es zu einem Befall des umgebenden Weichteilgewebes, einem Einbruch in das Kiefergelenk und einer infektiösen Entzündung des Ohrschädels (Osteomyelitis) mit Ausfällen verschiedener Hirnnerven kommen.

Bei einer Grippeotitis können durch Viren und Bakterien ausgelöst Blutbläschen auf dem Trommelfell entstehen.

Diagnostik Gehörgangsentzündung

Der Hals-Nasen-Ohren-Arzt (HNO-Arzt) führt mit dem Patienten ein Gespräch über dessen Krankengeschichte und seine Beschwerden, wie Ohrausfluss, Hörminderung oder Schwindel (Anamnese).

Bei einer Untersuchung der Ohren achtet der Arzt insbesondere auf Sekrete wie Eiter, Blut, Schleim oder Flüssigkeit. Er untersucht außerdem auf Rötungen oder Schwellungen. An diese Inspektion schließt sich eine Tastuntersuchung (Palpation) an: Ein Ziehen an der Ohrmuschel oder ein Druck auf die Knorpelanteile der Ohrmuschel verstärkt bei Vorliegen einer Gehörgangsentzündung den Schmerz.

Wichtig ist im nächsten Schritt die genaue Untersuchung und Betrachtung des Gehörgangs und des Trommelfells durch den Arzt. Das Ohr wird mit einem sogenannten Ohrmikroskop und Ohrtrichtern untersucht (Ohrenspiegelung, Otoskopie). Das Ohrmikroskop, ein Auflichtmikroskop, das ähnlich wie ein Fernglas aussieht, ermöglicht die schattenfreie Ausleuchtung und die dreidimensionale Untersuchung des äußeren Gehörgangs, des Trommelfells und des Mittelohres. Gleichzeitig ermöglicht es ein präzises und zielgenaues Arbeiten bei den notwendigen Manipulationen am Ohr. Vor der Ohrenspiegelung muss der Gehörgang in manchen Fällen zunächst durch eine Absaugung gereinigt werden.

Bildgebende Verfahren zur genaueren Ansicht der inneren Strukturen des Ohres sind in der Regel nicht notwendig. Bei Komplikationen können eine Ultraschall- oder eine Röntgenuntersuchung durchgeführt werden. Eine Untersuchung mit Hilfe von Ultraschall kommt gänzlich ohne Strahlenbelastung aus. Das Prinzip beruht auf der Anwendung von Ultraschallwellen, die in den Körper gelenkt werden. Dort werden sie je nach Struktur und Konsistenz des zu untersuchenden Gewebes reflektiert. Das Echo wird registriert und in ein Bild vom Inneren des Körpers umgewandelt. Bei einer Röntgenuntersuchung wird der Körper mit Röntgenstrahlen bestrahlt, die von verschieden dichten Geweben unterschiedlich stark aufgenommen werden, sodass durch Verschattung und Aufhellung eine Abbildung des Körperinneren entsteht.

Eventuell entnimmt der Arzt zusätzlich einen Abstrich von den veränderten Hautstellen oder vom Ohrsekret, um es anschließend zur Identifizierung des Krankheitserregers untersuchen zu lassen. Diese Untersuchung dient ebenfalls einer Prüfung der Wirksamkeit des Medikamentes gegen den Erreger (Antibiotikum) vor der Anwendung. Bei einer Hörminderung unternimmt der Arzt eine Hör- und gegebenenfalls eine Gleichgewichtsprüfung. Bei Verdacht auf eine Allergie wird ein Allergietest durchgeführt.

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