Gicht

Krankheitsbild Gicht

Was ist Gicht?
Gicht ist eine Stoffwechselerkrankung, die durch eine erhöhte Harnsäure-Konzentration (Hyperurikämie) im Blut ausgelöst wird.

Entstehung
Harnsäure entsteht im menschlichen Körper als Endprodukt des Abbaus bestimmter Stoffe, der sogenannten Purine. Diese fallen einerseits während des normalen Zellstoffwechsels an und werden in 300 bis 400 Milligramm Harnsäure pro Tag umgewandelt. Andererseits nimmt der Mensch Purine auch mit der Nahrung auf, die schließlich ebenfalls zu Harnsäure abgebaut werden (täglich 300 bis 600 Milligramm). Insgesamt liegt im Körper eines Gesunden also rund ein Gramm Harnsäure vor.

Der menschliche Körper kann Harnsäure nicht weiterverwenden und scheidet sie deshalb hauptsächlich über die Nieren und geringfügig über den Darm aus. Normalerweise besteht zwischen Bildung und Ausscheidung von Harnsäure ein Gleichgewicht. Im Blut ist sie deshalb in einer bestimmten Konzentration gelöst (Harnsäure-Werte). Scheiden die Nieren jedoch weniger Harnsäure aus oder entstehen größere Mengen an Harnsäure als ausgeschieden werden, so ist das Gleichgewicht gestört und der Harnsäurespiegel steigt an.

Gicht entsteht aufgrund von Stoffwechselstörungen, die entweder in vorübergehenden (akuten) Schüben oder lang anhaltend (chronisch) verlaufen. Sie wird in vier Stadien unterteilt:

  1. erhöhter Harnsäurespiegel ohne Beschwerden
  2. akuter Gichtanfall
  3. beschwerdefreier Zeitraum zwischen zwei Gichtanfällen
  4. chronische Gicht mit Gelenkveränderungen und Nierenleiden

Die Stoffwechselstörungen bewirken eine veränderte Ausscheidung von Harnsäure in der Niere. Der Gichtanfall entsteht, wenn die im Blut gelöste Harnsäure – der Harnsäurespiegel – eine Höhe erreicht, ab der Salze der Harnsäure als Kristalle an verschiedenen Körperstellen abgeschieden werden, besonders im Bereich der Gelenke. Dies hat die gichttypischen Entzündungsreaktionen zur Folge. Harnsäure ist das Abbauprodukt von Zellkern-Bausteinen in tierischen und pflanzlichen Zellen (Purinen). Sie sind in fast allen Lebensmitteln enthalten. Besonders purinreich sind fettreiche Fische, Leber und rotes Muskelfleisch. Purinreiche Ernährung ist eine sehr häufige Ursache für Gichtanfälle. Neben Ess- und Alkoholexzessen kann allerdings auch längeres Fasten Auslöser für einen Gichtanfall bei erhöhten Harnsäurespiegeln sein.

Unterschieden werden die primäre und die sekundäre Gicht. Die primäre Form ist angeboren. Fast immer ist diese erbliche Stoffwechselstörung die Ursache für den erhöhten Harnsäurespiegel. Sehr selten entwickelt sich die sekundäre Form der Gicht infolge anderer Erkrankungen oder Organstörungen, wie zum Beispiel Schuppenflechte (Psoriasis), Geschwülsten (Tumoren), Erkrankungen der blutbildenden Gewebe oder Nierenfunktionsstörungen. Seltenere Ursache von Gichtanfällen ist die verringerte Harnsäureausscheidung aufgrund einer Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus), einer Fastenkur oder der Einnahme von Medikamenten, wie beispielsweise harntreibende Medikamente (Saluretika).

Das Risiko eines Gichtanfalls steigt mit zunehmender Höhe des Harnsäurespiegels. Allerdings zeigen nicht alle Menschen mit erhöhtem Harnsäurespiegel (Hyperurikämie) Krankheitszeichen. Umgekehrt gibt es in einzelnen Fällen Patienten mit Krankheitszeichen der Gicht, bei denen der Harnsäurespiegel zum Zeitpunkt der Erkrankung normal ist.

Krankheitszeichen
Ein akuter Gichtanfall setzt rasch ein und erreicht oft innerhalb weniger Stunden (meist am ersten Tag) die maximale entzündliche Aktivität. Nahezu immer ist ein Gelenk betroffen, bevorzugt das Großzehengrundgelenk, aber auch andere Fußgelenke und das Knie können zunächst betroffen sein. Bei älteren Personen erkranken auch zunächst die Fingergelenke. Die Ablagerung der Kristalle löst eine schmerzhafte Entzündungsreaktion aus, die mit Rötung, Schwellung und Überwärmung des Gelenks einhergeht. Am häufigsten ist das Gelenk des großen Zehs betroffen, seltener das Sprung-, Knie- oder Daumengelenk. Diese Stellen sind dann äußerst druckschmerzempfindlich. Der Schmerz bei einem Gichtanfall kann so stark sein, dass der Betroffene selbst die Bettdecke auf einer Zehe nicht mehr erträgt. Zusätzlich treten oft Fieber und Kopfschmerzen auf. Meist finden sich allgemeine Entzündungszeichen im Blut. Die Anfälle treten in der Regel morgens oder nachts auf und verschwinden nach einigen Tagen von selbst wieder: Ohne medikamentöse Therapie dauert der schmerzhafte Gichtanfall etwa ein bis zwei Wochen an.

Treten Gichtanfälle öfter auf, können die Gelenke durch die häufigen Entzündungsreaktionen und die Harnsäurekristalle angegriffen werden. Gefährlich ist eine Ablagerung der Harnsäurekristalle in den Nieren. Hier können sie die Bildung von Nierensteinen und Funktionsstörungen des Organs auslösen. Außerdem können sich Harnsäureablagerungen an anderen Stellen des Körpers finden, zum Beispiel an Ohrläppchen, Sehnen, Schleimbeuteln oder Knochen. Manchmal sind diese knotenförmigen Ablagerungen sogar von außen sichtbar. Sie werden als Tophus bezeichnet. Die chronische Gicht ist aufgrund der guten Therapiemöglichkeiten heute sehr selten geworden.

Diagnostik Gicht

Nach einem Gespräch des Arztes mit dem Patienten bezüglich dessen Krankheitsbild und Beschwerden, Medikamenten und Ernährung (Anamnese) untersucht er den Betroffenen körperlich. Meist sind die Krankheitszeichen für eine Diagnose ausreichend.

Es werden außerdem Laboruntersuchungen des Blutes und des Urins durchgeführt. Das Blut wird auf Entzündungsparameter hin untersucht. Der wichtigste Laborwert zum Nachweis einer Entzündung ist die Anzahl der weißen Blutkörperchen (Leukozyten). Bei einer Entzündung ist ihre Anzahl erhöht. Als weitere Entzündungswerte prüft der Arzt häufig die Blutsenkungsgeschwindigkeit (Zeit, die die Blutkörperchen brauchen, um in einem senkrechten Röhrchen nach unten zu sinken) und die Menge eines bestimmten Eiweißes (C-reaktives Protein, CRP), das auch zur Immunabwehr beiträgt.

Im Urin und im Blut wird der Harnsäurespiegel gemessen. Bei der Messung des Harnsäurespiegels muss beachtet werden, dass dieser, abhängig von der Nahrungsaufnahme, sehr schwanken kann. Deshalb wird der Wert über 24 Stunden immer wieder gemessen und der Mittelwert errechnet. Die Messung im Blut wird entweder im Labor durchgeführt, kann aber vom Patienten auch selbst gemessen werden. Zu diesem Zweck wird ein Tropfen Blut aus dem Finger mithilfe eines kleinen Gerätes analysiert. Wird ein erhöhter Harnsäurespiegel festgestellt, sind weitere Untersuchungen notwendig, um die Ursachen und mögliche Folgeerscheinungen abzuklären. Behandlungsbedürftige Grunderkrankungen müssen abgeklärt werden.

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