Gutartiger Lagerungsschwindel

Krankheitsbild gutartiger Lagerungsschwindel

Was ist gutartiger Lagerungsschwindel? 
Der gutartige Lagerungsschwindel ist eine der häufigsten Schwindelursachen im Erwachsenenalter und tritt mit zunehmendem Lebensalter gehäuft auf. Dabei reizen kleine Ablagerungen in den flüssigkeitsgefüllten Räumen des Gleichgewichtsorgans die Sinneszellen und lösen bei bestimmten Kopfbewegungen kurzzeitige Drehschwindelattacken aus. Die Diagnose wird in der Regel anhand der körperlichen Untersuchung und der typischen Symptomatik gestellt. Zur Behandlung werden sogenannte Lagerungsmanöver eingesetzt. Diese bestehen aus festgelegten Bewegungsfolgen, durch die die störenden Ablagerungen in Regionen verlagert werden sollen, in denen sie keinen Schwindel hervorrufen.

Krankheitszeichen
Der gutartige Lagerungsschwindel äußert sich in der Regel durch kurze, aber zum Teil sehr heftige Drehschwindelattacken: Der Betroffene hat den Eindruck, die Umgebung würde sich wie bei einer Karussellfahrt um ihn drehen. Charakteristischerweise halten die Attacken Sekunden bis wenige Minuten an und können von Übelkeit oder Erbrechen begleitet sein. Andere neurologische Symptome oder Hörstörungen treten nicht auf.

Die Schwindelanfälle ereignen sich typischerweise bei bestimmten Bewegungen, zum Beispiel, wenn der Betroffene den Kopf zurücklehnt, sich hinlegt oder aufsteht oder beim Schulterblick während des Autofahrens.

Ursache
Der gutartige Lagerungsschwindel entsteht in den sogenannten Bogengängen, einem Teil des Gleichgewichtsapparates im Innenohr. Auf jeder Seite gibt es drei Bogengänge: den vorderen, seitlichen und hinteren. Die Bogengänge sind mit einer Flüssigkeit gefüllt, die sich bei Bewegung bewegt. Sinneszellen nehmen die Bewegung wahr und geben diese Information an das Gehirn weiter. Das Gehirn erhält auf diese Weise Informationen über die Bewegung des Kopfes, die es für die Steuerung von Gleichgewicht und Koordination benötigt.

Beim gutartigen Lagerungsschwindel bilden sich in den flüssigkeitsgefüllten Bogengängen kleine Ablagerungen, welche die Sinnesnerven reizen und Schwindelattacken auslösen können. Warum es zu diesen Ablagerungen kommt, ist bisher nicht bekannt.

Diagnostik des gutartigen Lagerungsschwindels

Die Diagnose wird in der Regel anhand der körperlichen Untersuchung und der typischen Symptomatik gestellt. Bei der körperlichen Untersuchung kann der Arzt versuchen, die Schwindelattacken gezielt auszulösen. Hierfür bewegt er Kopf und Rumpf des Patienten in einer bestimmten Abfolge. Wenn diese Bewegungsabfolgen eine Schwindelattacke oder charakteristische ruckartige Augenbewegungen (Nystagmus) auslösen, bestätigt dies die Diagnose des gutartigen Lagerungsschwindels. Weiterführende Diagnostik wie eine radiologische Aufnahme vom Kopf ist nur erforderlich, wenn die Diagnose unsicher ist oder weitere Symptome vorliegen. Häufig kann bereits der Hausarzt die Erkrankung feststellen und behandeln, andernfalls ist der Facharzt für Neurologie oder ein Hals-Nasen-Ohren-Arzt ein möglicher Ansprechpartner.

Therapie des gutartigen Lagerungsschwindels

Mit einfachen, vom Arzt oder durch den Patienten nach Anleitung selbst durchgeführten Lagerungsübungen wird versucht, das im Bogengang schwimmende Teilchen in eine Region des Gleichgewichtsorgans zu verlagern, in der es keinen Schwindel hervorrufen kann. Diese sogenannten Lagerungsmanöver oder Befreiungsmanöver bestehen aus festgelegten Bewegungsfolgen, zum Beispiel aus Kopf- und Rumpfdrehungen oder aus dem Wechsel von Liegen und aufrecht sitzender Position. Welches Manöver angewendet wird, hängt davon ab, in welchem Bogengang sich die störenden Teilchen befinden. Bei der häufigsten Form, bei der sich die Ablagerungen im hinteren Bogengang befinden, kommen zum Beispiel das sogenannte Epley-Manöver oder das Semont-Manöver infrage.

Korrekt durchgeführte Lagerungsmanöver führen häufig zu Beschwerdefreiheit, falls erforderlich, können sie wiederholt durchgeführt werden. Die Lagerungsmanöver können selbst Schwindelattacken auslösen, bergen ansonsten aber keine Risiken.

Ein gutartiger Lagerungsschwindel kann auch von allein nach einiger Zeit verschwinden, wenn sich die Teilchen auflösen oder vom Körper abgebaut werden.

Disclaimer

Dieser Text dient ausschließlich der Information und soll Erkrankten und ihren Angehörigen erste Inhalte vermitteln, um einzelne Untersuchungs- und Therapieschritte besser verstehen zu können. Diese Informationen ersetzen keinen Arztbesuch und sind keine Aufforderung zur Selbstbehandlung und dürfen nicht zur Erstellung eigenständiger Diagnosen und/oder einer Eigenmedikation verwendet werden.

Der Text erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

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Erstellungsdatum: 01.09.2019
Letzte Aktualisierung: 07.12.2018

Herausgeber: Unabhängige Patientenberatung Deutschland, UPD

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