Hirntumoren

Krankheitsbild Hirntumore

Was ist ein Hirntumor?
Häufig stellen Gehirntumoren Tochtergeschwülste von bösartigen Erkrankungen anderer Körperregionen dar. Auf diese wird hier weniger Bezug genommen. Gehirntumoren sind gut- oder bösartige Geschwülste, die sich durch eine unkontrollierte Zellvermehrung im Schädelinneren entwickeln. Hirntumoren gehen meist von verschiedenen im Gehirn vorkommenden Zelltypen aus: zum Beispiel den Nervenzellen, den Zellen der Hirnhäute, den Bindegewebszellen oder auch von Drüsenzellen der Hirnanhangsdrüse. Gehirntumoren können das Gehirn und seine Funktion direkt oder indirekt beeinträchtigen, weil sie durch ihr Wachstum Gehirnareale verdrängen oder in gesunde Gehirnareale hineinwachsen.

Entstehung
Hirntumoren gehören insgesamt zu den eher selteneren Tumorerkrankungen. Sie treten vorzugsweise im Alter zwischen 40 und 75 Jahren, jedoch auch nicht sehr selten im Kindes- und Jugendalter auf. Während die Hirntumoren bei Erwachsenen sehr häufig Metastasen anderer bösartiger Erkrankungen sind, gehen Hirntumoren bei Kindern und Jugendlichen von den Zellen im Gehirn selbst aus. Die genaue Ursache für die Entstehung von Hirntumoren ist unklar. Wie für viele andere Krebserkrankungen nachgewiesen, können erbliche Faktoren und familiäre Häufung zur Entstehung von Tumoren des Gehirns beitragen. Viele weitere Faktoren und Umstände können eine Tumorentstehung auslösen beziehungsweise begünstigen. Dazu zählen unter anderem:

  • krebsauslösende (karzinogene) Substanzen (Onkogene), beispielsweise Zellgifte (Zytostatika), die bei einer medikamentösen Therapie gegen den Tumor verwendet werden oder bei einer Bestrahlung des Schädels im Kindesalter
  • hormonelle Ursachen
  • krebsauslösende (onkogene) Viren
  • Tochtergeschwülste (Metastasen) im Gehirn, zum Beispiel von Lungen-, Brust-, Nieren-, Prostata-, Magen-, Darm-, Haut- oder Lymphdrüsenkrebs

Das Gehirn wird von den Schädelknochen und der Gehirnflüssigkeit (Liquor) umgeben. So ist es sehr gut geschützt.

Bezüglich seiner Funktionen wird es in Großhirn, Kleinhirn und Hirnstamm unterteilt. Den größten Teil des Gehirns macht das Großhirn aus. Vom Großhirn gehen alle geistigen (mentalen) Funktionen aus, aber auch die Steuerung der Bewegungen, der Sprache und des Sehvermögens. Das Kleinhirn ist der zweitgrößte Teil des Gehirns. Seine Hauptaufgaben sind die Koordination der bewussten Muskelarbeit, die Steuerung des Gleichgewichts beim Gehen und die Koordination der Sprache. Im Hirnstamm liegen die lebenswichtigen Zentren für die Regulierung der Vitalfunktionen, wie zum Beispiel Atmung, Herzschlag und Körpertemperatur. Das Zusammenspiel der verschiedenen Gehirnzentren steuert Gedächtnis und Lernvermögen, aber auch Sinneswahrnehmungen wie Sehvermögen, Geruchssinn, Gehör, Geschmack- und Tastsinn sowie die Motorik.

Hinsichtlich ihrer Gut- beziehungsweise Bösartigkeit, der Möglichkeit, dass sie erneut auftreten (Rezidivneigung) und ihrem Ansprechen auf die Therapie werden die Neubildungen des Gehirns mit steigender Bösartigkeit (Malignität) in die von der Weltgesundheitsorganisation erarbeitete und deshalb sogenannte World Health Organization (WHO)-Gradierung eingeordnet:

  • WHO Grad I: gutartig
  • WHO Grad II: noch gutartig, können verdrängen und wiederkommen
  • WHO Grad III: bereits bösartig, langsam wachsend
  • WHO Grad IV: bösartig, schnell wachsend

Diese Unterscheidung ist wichtig hinsichtlich der einzuleitenden Therapie, dem zu erwartenden Verlauf und dem Behandlungserfolg.

Krankheitszeichen
Die ersten Anzeichen eines Hirntumors können vielfältig sein. Sie sind davon abhängig, in welcher Gehirnregion der Tumor sitzt, wie schnell er wächst und welche Größe er hat.

Verschiedene Ausprägungen/Verläufe
Die Einteilung der Hirntumoren erfolgt nach dem Zelltyp beziehungsweise dem Gewebe, aus dem die Tumoren hervorgehen:

Tumoren des Nervengewebes, treten in allen Gebieten auf:

  • Astrozytom
    Astrozytome entstehen aus den Stützzellen des Hirngewebes. Ein Viertel aller Hirntumoren sind Astrozytome. Sie können in allen vier WHO-Graden auftreten.
  • Glioblastom
    Das Glioblastom ist ein sehr bösartiges Gliom. Es ist dem WHO-Grad IV zuzuordnen. Es kommt vor allem im höheren Lebensalter vor und kann in vielen Fällen weder durch eine Operation noch durch eine Bestrahlung und auch nicht durch eine Chemotherapie dauerhaft beseitigt werden.
  • Oligodendrogliom
    Oligodendrogliome entstehen aus Stützzellen von nervenumgebenden Schichten (Markscheiden).
  • Ependymom
    Ependymome entwickeln sich aus der Wand der Gehirnkammern.
  • Tumoren des Kleinhirns (Medulloblastome)
    Dabei handelt es sich um eine der am häufigsten vorkommenden kindlichen Tumorarten. Vor allem Kinder von drei bis zehn Jahren sind betroffen, Jungen doppelt so häufig wie Mädchen. Das Medulloblastom ist sehr bösartig (Grad IV).
  • Tumoren der Hirnhäute (Meningeome)
    Meningeome entwickeln sich aus Zellen der Gehirnhäute. Betroffen sind vor allem erwachsene Menschen, häufiger Frauen als Männer. Die meist gutartigen Geschwülste wachsen langsam. Krankheitszeichen treten insbesondere deshalb auf, weil sie angrenzende Gehirnstrukturen verdrängen und in ihrer Funktion beeinträchtigen.
  • Tumoren des Nervensystems (Neurinome)
    Neurinome entstehen aus den sogenannten Schwann-Zellen, die die Markscheiden der Hirn- und Rückenmarksnerven bilden. Sie sind ebenfalls gutartige Tumoren, die meist dem WHO Grad I entsprechen.
  • Tumoren aus Lymphzellen (Lymphome)
    Lymphzellen kommen zum Beispiel in Lymphknoten und im Blut vor. Sie sind an der Immunabwehr beteiligt. Lymphome entstehen vor allem bei Menschen mit einem geschwächten Immunsystem.
  • Tumoren der Hirnanhangdrüse (Hypophysenadenome)
    Die Hypophysenadenome entstehen im Bereich der Hirnanhangdrüse und gehören damit nicht zu den Gehirntumoren im engeren Sinn. Meist handelt es sich bei den Hypophysenadenomen um gutartige Geschwülste. Manche bilden Hormone, was zu einer Störung im Hormonhaushalt des Körpers führt.
  • Gehirnmetastasen
    Tumoren in anderen Geweben können auch im Gehirn Metastasen bilden.

Krankheitssymptome
Langsam wachsende Hirntumoren wie Meningeome können sich über mehrere Monate bis Jahre entwickeln und dementsprechend über einen langen Zeitraum nur wenige Beschwerden verursachen. Andere Tumoren hingegen, wie die sehr bösartigen und rasch wachsenden Glioblastome, machen sich oft innerhalb weniger Tage bis Wochen bemerkbar. Kopfschmerzen, die sehr plötzlich auftreten und immer wiederkehren, sind meist das erste Krankheitszeichen. Zu den typischen Hinweisen darauf, dass der Tumor andere Gehirnstrukturen in ihrer Funktion beeinträchtigt, gehören Sprach- und Geruchsstörungen, verschwommenes Sehen und Ausfälle im Blickfeld sowie Übelkeit und Erbrechen. Aber auch erstmalig auftretende epileptische Anfälle, Taubheitsgefühle, Lähmungserscheinungen und Schwierigkeiten bei der Koordination von Bewegungen weisen auf einen Hirntumor hin. Zudem können Veränderungen im Verhalten und im Wesen wie Gereiztheit, Vergesslichkeit, Antriebslosigkeit und unkontrollierte Wutanfälle durch ein Tumorwachstum bedingt sein.

Diese Beschwerden verursachen zum Teil tiefgreifende existenzielle Ängste und können sich auf das seelische Empfinden und das Selbstwertgefühl des Erkrankten auswirken. Die Ursache der Beschwerden liegt zum einen im unkontrollierten Tumorwachstum, das zur Verdrängung von gesundem, funktionierendem Hirngewebe führen kann. Zum anderen kommt es zu Funktionsausfällen (wie zu plötzlich auftretenden Bewegungsstörungen), weil der Tumor in das gesunde Gehirn hineinwächst und dieses zerstört.

Vor allem bei jüngeren Menschen macht sich ein Gehirntumor relativ häufig durch Krampfanfälle (epileptische Anfälle) bemerkbar. Dabei verkrampfen sich die Gliedmaßen unkontrolliert, die Augen blicken zur Seite. Oft verlieren die Betroffenen bei einem epileptischen Anfall das Bewusstsein. Ähnlich wie Kopfschmerzen kann aber auch die Epilepsie verschiedene Gründe haben. Deshalb muss die Ursache eines Krampfanfalls beim ersten Auftreten abgeklärt werden.

Eine schlagartig einsetzende Verschlechterung des Allgemeinzustandes tritt bei einer Einblutung in den Tumor oder infolge eines schlaganfallähnlichen Ereignisses durch eine Schädigung von Blutgefäßen durch den Tumor auf.

Diagnostik Hirntumore

Ein ausführliches Gespräch mit dem behandelnden Arzt, in dem der Betroffene die Beschwerden schildert (Anamnese), steht am Anfang der Diagnostik. Auf eine gründliche körperliche Untersuchung folgt eine intensive Untersuchung des Nervensystems, um Hinweise auf eventuelle nervenbedingte Störungen und Ausfälle zu gewinnen. Der Arzt überprüft unter anderem die Reflexe und schaut anschließend mithilfe eines speziellen Instrumentes (Ophthalmoskop) in die Augen und dabei durch die Pupille auf den Augenhintergrund. Dadurch kann er feststellen, ob Anzeichen für einen erhöhten Druck im Gehirn vorliegen.

Bildgebende Verfahren
Die Beurteilung des Gehirns kann durch Röntgenuntersuchungen – sowohl mit als auch ohne vorherige Gabe eines Kontrastmittels – erfolgen. Während einer Röntgenuntersuchung wird der Körper mit Röntgenstrahlen bestrahlt, die von unterschiedlich dichten Geweben unterschiedlich stark aufgenommen werden, sodass durch Verschattung und Aufhellung eine Abbildung des Körperinneren entsteht. Das Kontrastmittel ermöglicht ein besseres Erkennen einzelner Strukturen und der Ausdehnung von Tumoren.

Eine Magnetresonanztomografie (MRT) wird bevorzugt zur Diagnostik eingesetzt. Diese Darstellung des Gehirns stellt Details in Schnittbildern dar. Dazu setzt sie keine Röntgenstrahlen ein, sondern ein starkes Magnetfeld und Radiowellen. Mithilfe dieser Untersuchungstechnik lässt sich geschädigtes Hirngewebe gut abbilden, insbesondere wenn für eine weitere Untersuchung ein Kontrastmittel eingesetzt wird. Um die genaue Lage des Hirntumors und der Blutgefäße im Gehirn bestimmen zu können und so mit dem Tumor im Zusammenhang stehende Gefäße einzusehen, kann unter Umständen zusätzlich eine Magnetresonanzangiografie (MRA) durchgeführt werden.

In manchen Fällen ist zusätzlich eine Computertomografie (CT) notwendig. Bei einer Computertomografie des Kopfes werden ebenfalls Schnittbilder des Gehirns aufgenommen. Eine Röntgenröhre umkreist dabei den Patienten und sendet gleichzeitig ein dünnes Röntgenstrahlbündel aus, um das Gehirn aus mehreren Richtungen zu röntgen. Bei einer CT können insbesondere Verkalkungen festgestellt und gegen einen Tumor abgegrenzt werden. Gegebenenfalls werden CT und inzwischen auch MRT zusammen mit einer Positronenemissionstomografie (PET) durchgeführt. Dabei wird eine markierte Substanz (in der Regel Aminosäuren, die radioaktiv markiert werden) gespritzt, mit deren Hilfe der Stoffwechsel der Körperzellen dreidimensional sichtbar gemacht werden kann.

Gehirnbiopsie
Je nach Lage des Tumors sollte die Diagnose Hirntumor durch eine Gewebeprobe, die vom Arzt feingeweblich unter dem Mikroskop untersucht wird, abgesichert werden. Die Gewebeprobenentnahme (Gehirnbiopsie) erfolgt durch ein kleines Loch, das in den Schädel gebohrt wird (stereotaktische Biopsie). Die Art des Tumors und der Grad der Bösartigkeit können so sicher bestimmt werden. Im Allgemeinen erfolgt diese Biopsie nur bei alten oder sehr kranken Patienten, die nicht operiert werden können, oder wenn der Tumor für eine Operation sehr ungünstig liegt.

Elektroenzephalogramm (Messung der Hirnströme)
Ein Elektroenzephalogramm (EEG) zeichnet die Hirnströme auf und kann so Hinweise auf Funktionsstörungen des Gehirns geben. Eine örtliche Veränderung der Hirnströme im EEG kann auf einen Hirntumor hinweisen. Auch zum Nachweis epileptischer Anfälle wird ein EEG aufgezeichnet.

Laboruntersuchung des Nervenwassers (Liquor)
In manchen Fällen lösen sich Tumorzellen von dem im Schädelinneren gelegenen Tumor ab. Sie können dann theoretisch – im Nervenwasser schwimmend – überall dorthin verteilt werden, wo Hirnhäute und Rückenmarkhäute den Nervenwasserraum begrenzen. Sie können dann an unterschiedlichen Stellen anwachsen. In diesen Fällen wird mit einer feinen Nadel im Bereich der Lendenwirbelsäule in den Rückenmarkkanal gestochen, in dem sich das Nervenwasser befindet (Punktion). Der Arzt entnimmt etwas von dem Nervenwasser und untersucht es unter dem Mikroskop auf bösartige Tumorzellen. Diese Untersuchung dient außerdem einer Einschätzung, wie weit sich ein Tumor im Körper ausgebreitet hat; allerdings sind Tochtergeschwülste von Hirntumoren im Körper selten. Die Liquordiagnostik kann jedoch auch zum Ausschluss anderer Erkrankungen im Gehirn dienen, wie von entzündlichen Veränderungen oder von Abszessen.

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