Kiefergelenkbeschwerden

Krankheitsbild Kiefergelenkbeschwerden

Was sind Kiefergelenkbeschwerden?
Kiefergelenkbeschwerden umfassen vor allem eine Veränderung der Beweglichkeit der Kiefergelenke, der Kaumuskulatur oder des Zusammenbisses.

Entstehung
Die Ursachen der Kiefergelenkbeschwerden sind vielfältig und meist nicht eindeutig zu erklären. Eine wichtige Rolle in der Entstehung der Beschwerden spielt häufig die Überlastung des Kauapparates durch Gewohnheiten wie Zusammenpressen der Zähne (Zähnepressen) oder Zähneknirschen. Diese sind oft die Folge einer seelischen Belastung, wie zum Beispiel einer mangelnden Stressbewältigung. Ein Fehlbiss kann ebenfalls zu einer Überlastung des Kiefergelenks führen. Außerdem kann eine Bissstörung durch Zahnersatz (Kronen, Brücken oder Prothesen) oder Füllungen verursacht werden, wenn diese nicht passgerecht hergestellt wurden.

Auch eine Gelenkentzündung (Arthritis), die beispielsweise im Rahmen von Rheuma oder als Abnutzungserscheinung entstehen kann, kann Beschwerden im Kiefergelenk hervorrufen. Des Weiteren können eine Verlagerung der Gelenkscheibe oder Unfälle – wie Stürze auf die Kinnregion oder Auffahrunfälle – eine Schädigung der Kiefergelenke hervorrufen.

Schmerzhafte Kiefergelenkbeschwerden treten bei Frauen häufiger auf als bei Männern.

Krankheitszeichen
Kiefergelenkbeschwerden entstehen meist in Form von Kieferschmerzen in Kombination mit einer Schmerzempfindung im Ohr. Die Beweglichkeit des Unterkiefers kann eingeschränkt sein, sodass eine Öffnung des Mundes erschwert wird und nur unter Schmerzen möglich ist. Das Kiefergelenk kann jedoch auch eine erhöhte Beweglichkeit aufweisen, sodass es leicht zur Ausrenkung des Gelenks kommen kann. Häufig klagen die Betroffenen über schmerzlose Knack- und Reibegeräusche im Kiefergelenk.

Die Beschwerden treten bei den meisten Menschen immer wieder in milder Form auf und bilden sich in der Regel spontan zurück. Die Schmerzen, die durch Zähnepressen oder -knirschen entstehen, sind meist einseitig oder beidseitig mit einem stärkeren Schmerz auf einer Seite. Sie werden von den Betroffenen als dumpf, ziehend, manchmal aber auch als stechend und brennend empfunden. Dabei können Missempfindungen im Gesichtsbereich auftreten. Die Beschwerden sind bei vielen Patienten morgens als Folge nächtlichen Knirschens am stärksten. Eine Überbeanspruchung der Kaumuskulatur kann aber auch tagsüber durch Zähnepressen auftreten.

In einigen Fällen treten Beschwerden fern von ihrem Entstehungsort auf und werden dann fehleingeschätzt. Viele Patienten empfinden Kopf- und/oder Nackenschmerzen. Eine Verlagerung der Gelenkzwischenscheibe im Kiefergelenk kann zu Ohrgeräuschen (Tinnitus) führen.
In seltenen, schweren Fällen können sich die Gelenkflächen abnutzen (Arthrose).

Reine Kiefergelenkbeschwerden können gegen Erkrankungen des Hörorgans oder der Gesichtsnerven abgegrenzt werden, die ähnliche Krankheitsbilder hervorrufen:

  • Nervenschmerz (Neuralgie)
  • Entzündungen der Ohrspeicheldrüse, die von schmerzhaften Schwellungen in der Ohrregion begleitet werden
  • von Weisheitszähnen ausgehende Beschwerden
  • Infektionen oder Blutergüsse nach chirurgischen Eingriffen im Mund-Kiefer-Gesichtsbereich, vor allem im Zusammenhang mit einer Betäubung des Hauptnervs im Unterkiefer
  • Veränderungen der Halswirbelsäule: Der erste Halswirbel liegt in unmittelbarer Nähe zum äußeren Gehörgang und zum Kiefergelenk, sodass Störungen in diese Nachbarregionen ausstrahlen können. Zudem haben die Haltungen und Bewegungen der Halswirbelsäule einen direkten Einfluss auf das Kiefergelenk.
  • Chronische Entzündungen der Nasennebenhöhlen

Diagnostik Kiefergelenkbeschwerden

Nach einer ausführlichen Befragung des Patienten durch den Zahnarzt bezüglich seiner Krankheitsgeschichte und der Beschwerden (Anamnese) wird der gesamte Kauapparat untersucht. Dabei beurteilt der Arzt in einer Abtastuntersuchung den Zustand beider Kiefergelenke, der Kaumuskulatur, der Zähne und des weichen Gewebes der Mundhöhle und des Gesichts (manuelle Funktionsanalyse). Stellt er dabei Störungen oder Veränderungen fest, wird eine sogenannte instrumentelle Funktionsanalyse erforderlich. Bei dieser wird die Funktion des Kausystems (dreidimensionale Unterkieferbewegungen, Gebiss, Kiefergelenkbahn) messtechnisch überprüft und registriert.

Um eine Diagnose stellen zu können, sind neben der zahnärztlichen Untersuchung häufig auch Röntgenaufnahmen zur Darstellung der Kieferknochen erforderlich. Bei der Röntgenuntersuchung wird der Körper mit Röntgenstrahlen bestrahlt, die von verschieden dichten Geweben unterschiedlich stark aufgenommen werden. So entsteht durch Verschattung und Aufhellung eine Abbildung des Körperinneren. Manchmal werden darüber hinaus noch weiterführende bildgebende Verfahren wie eine Magnetresonanztomografie (MRT) zur Beurteilung der Weichteile, wie beispielsweise Muskeln und Kiefergelenkzwischenscheiben. Bei dieser Untersuchung werden Schnittbilder der Gewebe aufgenommen, um in einer detaillierten Ansicht auch kleinste Veränderungen beurteilen zu können. Eine MRT-Untersuchung setzt dazu keine Röntgenstrahlen ein, sondern ein starkes Magnetfeld und Radiowellen.

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