Kleinhirnschwund

Krankheitsbild Kleinhirnschwund

Was ist ein alkoholbedingter Kleinhirnschwund?
Ein alkoholbedingter Kleinhirnschwund bezeichnet eine Schädigung von Nervenzellen im Bereich des Kleinhirns durch regelmäßigen Alkoholmissbrauch und eine dadurch bedingte Verminderung der Gehirnmasse (Atrophie).

Entstehung
Eine Verminderung der Gehirnmasse kann entweder alkoholbedingt (erworbene Erkrankung) oder aufgrund einer ererbten Anlage für einen Kleinhirnschwund entstehen. In der Regel macht sich die Erkrankung ab dem 40. Lebensjahr bemerkbar. Dauerhafter und übermäßiger Alkoholgenuss wirkt schädigend auf die Nervenzellen (neurotoxisch). Eine Folge dieser neurotoxischen Wirkung ist der Verlust von Hirngewebe. Das Gehirn wird in drei funktionell bedeutsame Bereiche eingeteilt: das Großhirn, das Kleinhirn und den Hirnstamm.

  • Das Großhirn macht den größten Teil des Gehirns aus. Alle den Geist betreffenden (mentalen) Funktionen gehen von hier aus. Das Großhirn beherbergt auch Zentren für die Steuerung von Bewegungen, der Sprache und der Sinneswahrnehmungen.
  • Das Kleinhirn bildet die zweitgrößte Region im Gehirn. Es liegt in der hinteren Schädelgrube und besteht aus zwei Hälften (Hemisphären) und einem mittleren Teil, dem Kleinhirnwurm (Vermis). Seine Hauptaufgaben sind die Koordination der Muskelfunktionen, die Steuerung des Gleichgewichts beim Gehen und die Koordination der Sprache.
  • Im Hirnstamm liegen die lebenswichtigen Zentren für die Regulierung der lebensnotwendigen, unbewusst ablaufenden Körperfunktionen (sogenannte Vitalfunktionen) wie die Atmung, der Herzschlag oder die Temperatursteuerung.

Das Zusammenspiel der verschiedenen Zentren ermöglicht sämtliche das Wahrnehmen und Erkennen betreffenden (kognitiven) Fähigkeiten wie Gedächtnis und Lernvermögen und steuert Sinneswahrnehmungen wie Sehen, Riechen, Hören, Schmecken, Fühlen sowie die Bewegungskoordination.

Von dem alkoholbedingten Gewebeverlust kann neben den vorderen und seitlichen Bereichen des Großhirns insbesondere das in der hinteren Schädelgrube gelegene Kleinhirn betroffen sein. Der Verlust von Kleinhirnsubstanz (Kleinhirnschwund) kann jedoch auch unabhängig von einer Großhirnschädigung auftreten. Neben der direkten Zerstörung der Nervenzellen durch den Alkohol spielt ursächlich wahrscheinlich auch eine vitaminarme Mangelernährung eine Rolle. Sie besteht oft begleitend zu dem langjährigen Alkoholmissbrauch. Besonders das Fehlen von Vitamin B1 wird als zusätzlicher Faktor für die Ausbildung einer Kleinhirnschädigung verantwortlich gemacht. Er ergibt sich auch aus der Tatsache, dass ein langjähriger Alkoholmissbrauch viele weitere Organe des Körpers schädigen kann. Alkohol ist ein starkes Zellgift. Dauerhafte (chronische) Entzündungen der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) und die zunehmende narbige Veränderung der Leber (Leberzirrhose) stören die Nahrungsverwertung und die natürliche Verdauung, sodass eine Mangelernährung die Folge sein kann. Diese verstärkt die neurotoxische Wirkung des Alkohols und beschleunigt den Abbau von Hirnsubstanz.

Krankheitszeichen
Das entstehende Krankheitsbild, das unterschiedliche Störungen in der Bewegungskoordination des Patienten aufweist, wird als Ataxie bezeichnet. Da das Kleinhirn bestimmte Aufgaben wie die Koordination der Muskelbewegungen, die Steuerung des Gleichgewichts und die Koordination der Sprache erfüllt, macht sich ein Verlust dieser Funktionen in charakteristischer Weise bemerkbar. Im Rahmen einer Ataxie werden folgende Krankheitszeichen beobachtet:

  • Unsicherheit beim Stehen und Gehen
  • Schwierigkeiten bei der Ausführung gezielter Bewegungen
  • Sprechstörungen
  • Probleme, gegensätzliche Folgebewegungen auszuführen – wie zum Beispiel bei der Bewegung zum raschen Einschrauben einer Glühbirne
  • Zittern, zum Beispiel der Hände beim Versuch, ein Glas zu nehmen (Intentionstremor)
  • Schlaffheit der Muskulatur durch eine gestörte Muskelspannung

Diagnostik Kleinhirnschwund

In einem ausführlichen Gespräch über die Beschwerden, mögliche Vorerkrankungen und die Lebensweise des Betroffenen (Anamnese) kann der Arzt wichtige Informationen für eine Diagnose bekommen.

Eine gründliche Untersuchung des Nervensystems (neurologische Untersuchung), bei der der Arzt unter anderem die Reflexe, die Muskelkraft und die Empfindungsfähigkeiten des Patienten überprüft, kann weitere Hinweise auf kleinhirnbedingte Störungen und Ausfälle liefern. Mithilfe bestimmter Tests und Untersuchungen kann der Arzt das Ausmaß der Hirnschädigung grob abschätzen:

  • Gleichgewichtstests wie zum Beispiel gerades Gehen auf einer Linie
  • Koordinationsvermögentests wie zum Beispiel der Finger-Nase-Versuch, bei dem der Patient bei geschlossenen Augen mit dem Zeigefinger die Nasenspitze finden muss
  • neuropsychologische Untersuchungen, um eventuelle, das Wahrnehmen und Erkennen betreffende (kognitive) Funktionsstörungen durch Organschäden beurteilen zu können

Bildgebende Untersuchungen mithilfe einer Computertomografie (CT) oder einer Magnetresonanztomografie (MRT) ermöglichen die Aufnahme von detaillierten Schichtbildern des Gehirns. Während bei einer CT eine Röntgenröhre den Patienten umkreist und gleichzeitig ein dünnes Röntgenstrahlbündel aussendet, um den zu untersuchenden Bereich aus mehreren Richtungen zu röntgen, setzt die MRT ein starkes Magnetfeld anstelle von Röntgenstrahlen ein. Bei einem alkoholbedingten Kleinhirnschwund können die Bilder eine besonders ausgeprägte Atrophie im Vorderwurm und im Vorderlappen des Kleinhirns zeigen. Die inneren Hirnhöhlen (Ventrikel) sind durch die verminderte Hirnmasse vergrößert.

Wenn eine Diagnose aufgrund des Krankheitsbildes und mithilfe einer bildgebenden Untersuchung nicht möglich ist, können unterschiedliche Laboruntersuchungen von Blut oder der Flüssigkeit aus Gehirn und Rückenmark (Liquor) für den Ausschluss anderer Erkrankungen durchgeführt werden.

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