Kopfverletzungen

Krankheitsbild Kopfverletzungen

Was ist ein Schädel-Hirn-Trauma?
Ein Schädel-Hirn-Trauma (SHT) ist eine Verletzung der Kopfschwarte und/oder am Schädelknochen und/oder am Gehirn, die durch eine äußere Gewalteinwirkung zustande kommt.

Entstehung
Schädel-Hirn-Traumen sind eine häufige Unfallfolge. Je nach Unfallhergang können neben dem Gehirn auch andere Körperteile wie die Augen, die Nase, der Mund oder der Kiefer in Mitleidenschaft gezogen werden.

Krankheitszeichen
Beim SHT können die Kopfschwarte, der Schädelknochen und das Gehirn oder eine Kombination dieser Strukturen verletzt werden.

Schädelbruch
Der knöcherne Schädel kann entweder an seiner Unterseite (Schädelbasisfraktur), im oberen Bereich (Kalotte) oder im Gesicht (Gesichtsschädelfraktur) brechen. Oft sind diese Brüche nur schwer erkennbar, weil Kopfhaare, Schwellungen oder Blutergüsse sie verdecken. In manchen Fällen bereitet ein Schädelbruch auch kaum Schmerzen. Zeichen eines Schädelbruches können sein:

  • Sicht- oder tastbare Stufen im Gesicht oder am Schädel
  • Austritt von klarer (Hirn-)Flüssigkeit aus Nase oder Ohr
  • Schwierigkeiten beim Schließen des Mundes
  • Asymmetrie im Gesicht
  • Gefühlsstörungen
  • Blutergüsse in einer oder beiden Augenhöhlen
  • Schielstellung eines Auges
  • Sehen von Doppelbildern

Offene Schädelbrüche, bei denen Gehirnmasse ungeschützt freiliegt, können von geschlossenen Schädelbrüchen mit unbeschädigter Hirnhaut unterschieden werden. Ist ausschließlich der Schädelknochen verletzt und die Hirnhäute und das Gehirn nicht betroffen, kann die Verletzung in der Regel problemlos ausheilen.

Hirnverletzung
Schädelfrakturen sind vor allem dann sehr gefährlich, wenn Blutgefäße des Gehirns oder der Gehirnhäute mitverletzt werden. Hirnblutungen können die Folge sein. Risse der Hirnhaut machen das Gehirn für Infektionen anfällig und müssen in einer Operation verschlossen werden. Je nach der Schwere der Gehirnschädigung werden Schädel-Hirn-Traumata in drei Grade unterteilt.

  • SHT 1. Grades: Leichtere Hirntraumata werden als Gehirnerschütterung (Commotio cerebri) bezeichnet, die keine Verletzung des Gehirns aufweist. Nach dem Unfall kann es zu einer kurzfristigen Bewusstlosigkeit kommen, die in der Regel nicht länger als fünf Minuten andauert. Die darauf folgenden Krankheitszeichen sind Übelkeit und Erbrechen, Kopfschmerz, Schwindel und Kreislaufstörungen. Nicht selten tritt ein teilweiser Gedächtnisverlust der zeitnahen Ereignisse auf. Die Beschwerden verschwinden normalerweise innerhalb weniger Tage.
  • SHT 2. Grades: Ein mittelschwerer Unfallhergang kann Verletzungen des Hirngewebes zur Folge haben und wird als Gehirnprellung (Contusio cerebri) bezeichnet. Die Schädigung des Gehirns führt dabei häufig zu Ausfallserscheinungen mit unterschiedlichen Krankheitszeichen. Dazu gehören beispielsweise:
    • Lähmungen
    • Sprachstörungen
    • Sehstörungen
    • Empfindungsstörungen

Begleitend können Erbrechen und Übelkeit, Kopfschmerzen, starke Kreislaufprobleme und Störungen der Atmung auftreten. Eine Bewusstlosigkeit kann bis zu einer halben Stunde andauern. Bei Gehirnprellungen bilden sich die Beschwerden meist innerhalb eines Monats zurück.

  • SHT 3. Grades: Schwere und schwerste Hirnverletzungen werden Gehirnquetschung (Compressio cerebri) genannt. Die Bewusstlosigkeit kann dabei über eine Stunde anhalten und es kommt zu erheblichen Zerstörungen des Gehirngewebes. Meist heilen sie nicht ohne Restschäden ab. Je nach betroffener Hirnregion kann es zu erheblichen Störungen grundlegender Körperfunktionen kommen, wie beispielsweise der Atmung und des Kreislaufs. Auch Krampfanfälle sind möglich. Schwere Hirnverletzungen können folgende Dauerschäden hinterlassen:
    • Psychische Veränderungen in Antrieb, Gedächtnis und Persönlichkeit
    • Lähmungen
    • Ausfall von Sinnesempfindungen
    • Sprachschwierigkeiten
    • Krampfanfälle (Epilepsie)

Schwerste Hirnverletzungen können im schlimmsten Fall zu einem dauerhaften Koma, einem Wachkoma (Apallisches Syndrom) oder sogar zum Tod führen.

Komplikationen können bei Blutungen des Gehirns oder der Hirnhäute nach Kopfverletzungen entstehen. Der Schädelknochen umschließt das Gehirn und kann deshalb einer Größenzunahme des Gehirns, ausgelöst z.B. durch eine Blutung oder ein Gehirnödem, nicht nachgeben. Die Hirnmasse wird deshalb zusammengepresst, sodass lebenswichtige Bereiche eingeklemmt werden. Bei schweren Verletzungen kann das Gehirn auch ohne Blutung so stark anschwellen, dass es zu einem Platzmangel im Schädel kommt. Blutungen und Schwellungen sind auch deshalb gefährlich, weil sie sofort, aber auch erst einige Zeit nach dem Unfall auftreten können. Warnzeichen sind eine zunehmende Verschlechterung mit Eintrübung des Bewusstseins sowie Benommenheit, nachdem der Betroffene schon wieder bei Sinnen war. Auch Wochen nach dem Unfall kann es noch zu einer langsamen Sickerblutung kommen. Besonders ältere Menschen sind nach zum Teil nur geringfügigen Traumata dadurch gefährdet.

Diagnostik Kopfverletzungen

Die Schwere eines SHT wird anhand einer Art Checkliste vom Arzt abgeschätzt, der sogenannten Glasgow-Coma-Scale. Dabei beurteilt er vor allem den Bewusstheitsgrad des Patienten und seine Reaktion auf äußere Reize. Bei schwereren Verletzungen werden umfangreiche Untersuchungen durchgeführt, die alle Organsysteme betreffen. Ständige Kontrollen von Atmung, Kreislauf und Bewusstsein können notwendig sein. Solche Überwachungen werden in der Regel auf Intensivstationen durchgeführt.

Um Störungen der Hirnfunktion zu erkennen, werden unter anderem die Hirnströme in einem sogenannten Elektroenzephalogramm (EEG) aufgezeichnet. Die Messung wird über Vorrichtungen (Elektroden) ermöglicht, die an der Kopfhaut befestigt werden und die Ströme des Gehirns erfassen können.

Eine Untersuchung der Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit (Liquordiagnostik) kann auf kleine Blutungen hinweisen. Zu diesem Zweck wird mithilfe einer speziellen Nadel die Flüssigkeit im Bereich der Lendenwirbelsäule entnommen (Punktion) und ins Labor geschickt.

Zur genauen Diagnosestellung kommen vor allem bildgebende Verfahren zur Anwendung.

Falls der Verdacht auf Verletzungen des Gehirns oder eine Hirnblutung besteht, wird eine Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT) durchgeführt. Geschädigtes Hirngewebe und Blutergüsse sind gut zu erkennen, da bei den Untersuchungen detaillierte Schnittbilder des Gehirns angefertigt werden. Dazu werden bei einer CT Röntgenstrahlen eingesetzt, bei einer MRT ein starkes Magnetfeld.

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