Krätze

Krankheitsbild Krätze

Was ist die Krätze?
Die Krätze ist eine Infektionserkrankung des Menschen, die durch den Befall der obersten Schicht der Haut mit der Krätzmilbe (Sarcoptes scabiei) ausgelöst wird.

Entstehung
Die Krätzmilbe ist ein zu den Spinnentierchen gehörender Erreger, der auf den Menschen als Wirt angewiesen ist (Parasit). Ohne Wirt kann die Milbe nur wenige Tage überleben. Sie wird bei direktem Körperkontakt von Mensch zu Mensch übertragen. Weibliche Krätzmilben werden 0,3–0,5 mm groß (mit dem menschlichen Auge gerade noch erkennbar), männliche Milben 0,21–0,23 mm. Gelegentlich können auch Krätzmilben von einem Hund auf den Menschen gelangen. Die Übertragung ist möglich, weil die Milbe Geruch und Temperatur wahrnehmen kann. Sehr selten wird sie indirekt zwischen Menschen übertragen, zum Beispiel über die Kleidung oder Stofftiere. Die Milben sind unempfindlich gegenüber Wasser und Seife, eine schlechte Körperhygiene ist keine Ursache für eine Infektion mit Sarcoptes scabiei.

Männliche Milben suchen auf der Oberfläche der Haut nach weiblichen Milben, um sie zu befruchten. Eine befruchtete weibliche Milbe sucht auf der Haut des Menschen nach einer geeigneten Stelle, um sich in die oberste Schicht der Haut einzugraben. Dieser Vorgang dauert etwa 20 bis 30 Minuten. Die Milbe gräbt bis zu zweieinhalb Zentimeter lange Gänge, in denen sie Eier und Kot ablegt. Allerdings entsteht höchstens aus einem von zehn Eiern tatsächlich eine reife (adulte) Milbe.

Die Skabies kann bei Personen jeden Alters vorkommen, besonders häufig betrifft sie jedoch Kinder und ältere Menschen. In Einrichtungen wie zum Beispiel Kindergärten, Einrichtungen für Behinderte, Obdachlosenasylen, Gefängnissen, Altersheimen und Krankenhäusern kann es zur Entwicklung einer Massenerkrankung (Epidemie) kommen. Der Grund liegt darin, dass es dort häufig zu intensivem Hautkontakt zwischen Kindern oder zwischen den sich in der Einrichtung aufhaltenden Personen und dem Personal kommt. Das Risiko für eine Ansteckung ist demnach sowohl bei den Personen, die in der jeweiligen Einrichtung leben, als auch bei denen, die dort arbeiten, erhöht. Des Weiteren können eine geschwächte Immunabwehr (entweder durch Medikamente oder Erkrankungen, wie zum Beispiel die Zuckerkrankheit oder AIDS, herbeigeführt) das Risiko steigern. Die Krätze ist meldepflichtig und muss schnellstmöglich der Leitung von Gemeinschaftseinrichtungen mitgeteilt werden. Diese informiert das zuständige Gesundheitsamt.

Krankheitszeichen
Die Krankheitszeichen treten etwa vier bis fünf Wochen nach der Infektion auf. Zunächst kann es zu einem leichten Brennen der Haut kommen, gefolgt von einem unterschiedlich starken Juckreiz. Nach einigen Tagen bis Wochen entsteht durch die Reaktion des Körpers ein Ausschlag mit geröteter Haut, stecknadelkopfgroßen Bläschen und Knötchen. Diese können entweder einzeln oder in Gruppen vorliegen. Selten sind die wenige Millimeter bis zweieinhalb Zentimeter langen, strichförmigen, oft leicht gewundenen Milbengänge mit bloßem Auge erkennbar. Am Ende des Milbengangs sitzt die weibliche Milbe in einer gelblichen Erhebung (Milbenhügel). Die Milbengänge treten häufig an Hautstellen mit dünner Hornschicht auf. Die Fingerzwischenräume, Handgelenke, Achselhöhlen, der Brustbereich und der Genitalbereich sind besonders häufig betroffen.

Der Juckreiz ist nachts – in Bettwärme – stärker als am Tag. Es kann zu Kratzverletzungen kommen. Dann besteht die Gefahr einer Infektion der aufgekratzten Hautstellen mit Bakterien. In diesem Fall können die Konsequenzen eine entzündliche Hauterkrankung (Erysipel), eine Entzündung der Lymphbahnen der Haut (Lymphangitis) oder eine krankhafte Schwellung der Lymphknoten (Lymphadenopathie) sein. Auch eine entzündlich-rheumatische Erkrankung von Haut, Herz, Gelenk und Gehirn (rheumatisches Fieber) oder eine Nierenentzündung (Glomerulonephritis) können durch die Bakterien ausgelöst werden.

Bei Säuglingen und Kleinkindern findet man typische Hautveränderungen auch am behaarten Kopf, im Gesicht und an Hand- und Fußflächen. Durch heftiges Kratzen kann sich bei ihnen eine tiefe knotige Entzündung der Haut entwickeln. Dies ist vermutlich damit zu begründen, dass durch das intensive Kratzen Milbenbestandteile tiefer in die Haut gelangen.

Sonderformen der Skabies sind:

  • Scabies discreta
    Dabei handelt es sich um eine verkürzte Form der Erkrankung bei Menschen, die sich häufig waschen. Hier sind nur wenige und kleine Hauterscheinungen vorhanden. Es entwickelt sich ein starker Juckreiz, besonders in der Bettwärme.
  • Scabies nodosa (granulomatosa)
    Bei dieser allergischen Form der Krätze kommt es zur Bildung erbsengroßer, juckender, durch die Ausscheidungen der Milben hervorgerufener Knötchen. Diese können monatelang bestehen bleiben. Scabies nodosa tritt besonders bei Kleinkindern auf.
  • Scabies norvegica (crustosa)
    Bei stark abwehrgeschwächten Menschen kann ein sehr ausgeprägter Hautbefall entstehen. Die Besiedelung mit großen Massen an Milben führt zu einer tiefroten Hautverfärbung und einer Bildung grauer Schuppen bis hin zu Verhornungen. Es treten cremefarbige, gelbe, graue, grünliche oder bräunliche Borken auf. Der Juckreiz ist allerdings gering. Die Ansteckungsgefahr ist bei so einem ausgeprägten Milbenbefall sehr hoch.

Diagnostik Krätze

Die Angaben des Erkrankten bezüglich seiner Krankheitsgeschichte und der Beschwerden in einem ersten Gespräch (Anamnese) deuten in den meisten Fällen schon auf die Erkrankung an der Krätze hin. Da bis zur Entwicklung der ersten offensichtlichen Krankheitszeichen vier bis fünf Wochen vergehen, muss der Arzt in diesem Zeitraum nach dem Befinden des Patienten fragen.

Eine genaue Untersuchung der Haut kann den Verdacht auf Krätze bestätigen. Milben, Milbengänge oder Milbenkot können unter dem Mikroskop nachgewiesen werden. Zu diesem Zweck werden Hautabschabungen oder Hautstückchen, die Milbengänge tragen, unter dem Mikroskop betrachtet. Sie werden mit einem scharfen Löffel (Kürette) oder einem Skalpell gewonnen. Sind Gänge erkennbar, können sie vorsichtig mit einer Nadel angebohrt und eine Milbe oder Milbenkot hervorgezogen werden.

Einige andere Erkrankungen äußern sich mit einem Beschwerdebild, das den Krankheitszeichen der Krätze sehr ähnlich ist. So müssen verschiedene Hautausschläge (zum Beispiel Kontaktekzeme) und einige Erkrankungen des Immunsystems (der körpereigenen Abwehr) ausgeschlossen werden.

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