Leistenbruch

Krankheitsbild Leistenbruch

Was ist ein Leistenbruch?                                                                                                                                                                   
Ein Leistenbruch ist eine Lücke in der Bauchdecke, durch die sich die Eingeweide aus dem Bauchraum vorwölben (zum Beispiel von Teilen des Darms), wodurch ein sogenannter Bruchsack entsteht. Die Bauchwand, insbesondere in der Leistenregion, ist beim stehenden Menschen erheblichem Druck ausgesetzt, der sich beim Husten und Niesen noch verstärkt.

Entstehung                                                                                                                                                                              Leistenbrüche sind entweder angeboren oder können nach der Geburt – in jedem Alter – entstehen. Mehr als sieben von zehn Betroffenen sind Jungen und Männer. Kommt es zu einem Leistenbruch, bildet das Bauchfell, das den Bauchraum von innen auskleidet, den Bruchsack. Über die Bruchpforte können sich die Eingeweide (Bruchinhalt) in diesen Bruchsack verlagern. Neben Darmschlingen können auch Fettanhänge des Darmes, Eierstöcke oder Teile der Harnblase den Bruchinhalt bilden. Auch Flüssigkeit, die aufgrund von Entzündungen entsteht, kann zum Bruchinhalt gehören. Eine Komplikation entsteht, wenn der Darm oder andere Organe in der Bruchpforte eingeklemmt werden (Einklemmung, Inkarzeration). Die Inkarzerationsgefahr ist umso größer, je kleiner beziehungsweise enger die Bruchpforte ist.

Leistenbrüche können aufgrund von angeborenen, unvollständigen Verschlüssen der Bauchwand auftreten. Durch die Bruchpforte in der Leiste wandern bei männlichen Ungeborenen die Hoden aus dem Bauchraum in den Hodensack; deshalb sind Brüche durch diesen Leistenkanal hindurch angeborene Brüche oder indirekte Leistenbrüche. Wegen der lebenslang vorliegenden Schwachstelle der Bauchwand können sich im weiteren Leben hier Brüche entwickeln, wenn sich der Kanal zur Bruchlücke erweitert.

Erworbene Brüche (direkte Leistenbrüche) können aufgrund einer natürlichen Schwachstelle (Bruchpforte) in der Bauchwand entstehen. Diese Schwachstelle ist bei Männern am Austritt des Samenstranges, bei Frauen am Austritt des Mutterbandes zu finden. Als Folge eines vergrößerten Volumens des Bauchraumes und einem deshalb erhöhten Druck in der Bauchhöhle kann sich an der schwachen Stelle ein Bruch ausbilden. Zu den möglichen Ursachen zählen:

  • schwere körperliche Arbeit
  • Schwangerschaften
  • Übergewicht
  • anhaltender Husten bei lang anhaltender Atemwegserkrankung
  • Ansammlung von Flüssigkeit im Bauchraum (Aszites)
  • starkes Pressen bei Darmverstopfung
  • Geschwulstbildung im Bauchraum
  • Bindegewebsschwächen
  • Narben nach Operationen           

Nach einer erfolgreichen Operation, in der der Bruch geschlossen worden ist, kann die Narbe auch viele Jahre nach der Operation aufbrechen und der Bruch wieder auftreten (Rezidiv).

Krankheitszeichen                                                                                                                                                                              Kleine Leistenbrüche machen sich oft nur durch ziehende oder drückende Schmerzen in der Leiste bemerkbar, insbesondere beim Gehen und Sitzen. Bei körperlicher Anstrengung oder Husten sind die Schmerzen besonders ausgeprägt. In manchen Fällen strahlen sie in andere Körperregionen aus. Bei einer Inkarzeration stellen sich Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und im schlimmsten Fall ein Darmverschluss (Ileus) ein. Oft lässt sich bei einem Leistenbruch eine prallelastische Schwellung unter der Haut tasten: Bei einer beginnenden Hernie kann der Peritonealsack des Darmes häufig getastet werden. Bei einer vollständigen Hernie ist der Bruchsack dagegen in den Leistenkanal eingetreten und nicht mehr sicher tastbar. Je nach Größe des Bruches ist die Schwellung sogar sichtbar. Bei Neugeborenen fällt die Vorwölbung in der Leiste meist beim Schreien oder Pressen auf.  

Anfangs verlagern sich die ausgetretenen Eingeweide häufig von selbst wieder zurück in den Bauch. Manchmal können sie auch vom Arzt oder dem Patienten selbst wieder zurückgedrückt werden. Durch diese Maßnahme verschwinden die Schmerzen zwar meist, die Eingeweide können jedoch jederzeit erneut durch die Bruchpforte gleiten. Mit der Zeit kann sich die Bruchpforte vergrößern, sodass Eingeweideteile leichter in den Bruchsack gleiten können.

Jeder Leistenbruch kann einklemmen: Der Bruchinhalt gleitet dann nicht mehr durch die Bruchpforte in die Bauchhöhle zurück. In diesem Fall ist es möglich, dass sich ein Darmverschluss entwickelt oder Bestandteile des Bauchraumes abgeschnürt werden. Durch das Abschnüren können Darm- oder andere Organteile absterben. Durch diese Komplikation kann sich ein harmloser Leistenbruch zu einer lebensbedrohlichen Erkrankung entwickeln.

Diagnostik Leistenbruch

Um die Gefahr einer Einklemmung zu vermeiden, sollte ein Leistenbruch frühzeitig behandelt werden. Gelingt es dem Arzt nicht, die Einklemmung zu lösen, ist unmittelbar eine Operation nötig. Doch auch, wenn die Einklemmung ohne eine Operation gelöst werden kann, sollte der Bruch möglichst innerhalb der ersten Tage operativ behandelt werden.

Bei einer körperlichen Untersuchung im Stehen bittet der Arzt den Patienten zu pressen oder zu husten, um den Bruchsack an seiner Austrittsstelle sicht- oder tastbar zu machen. Beim Abhorchen des Bruches mit einem Instrument, mit dem er Geräusche im Körper wahrnehmen kann (Stethoskop), kann der Arzt in Einzelfällen Darmgeräusche hören. So kann er feststellen, ob die Darmtätigkeit durch den Bruch beeinträchtigt ist.

Nur wenn ein Leistenbruch nicht sicher festgestellt werden kann, sind weitere Untersuchungen notwendig. Sie ermöglichen das Ausschließen anderer Erkrankungen, wie zum Beispiel:  

  • eine Flüssigkeitsansammlung um den Hoden und eine Schwellung bis zum Hodensack (Hydrocele testis)
  • eine Flüssigkeitsansammlung entlang des Samenstranges (Hydrocele funiculi)
  • ein Hodenhochstand
  • Narbenbrüche (Narbenhernien), die nach einer Operation entstehen können
  • ein erworbener Eingeweidebruch unterhalb des Leistenbandes (Schenkelbruch, Femoralhernie)

Zum Ausschluss dieser Erkrankungen führt der Arzt bildgebende Untersuchungen durch, wie eine Ultraschalluntersuchung (Sonografie), seltener eine Röntgenaufnahme des Darmes mit einem Kontrastmittel, eine Computertomografie (CT) oder eine Magnetresonanztomografie (MRT). Das Prinzip einer Ultraschalluntersuchung beruht auf der Anwendung von Ultraschallwellen, die in den Körper gelenkt werden. Dort werden sie je nach Struktur und Konsistenz des zu untersuchenden Gewebes reflektiert, das Echo wird registriert und in ein Bild vom Inneren des Körpers umgewandelt.

Bei einer Röntgenuntersuchung wird der Körper mit Röntgenstrahlen bestrahlt, die von verschieden dichten Geweben unterschiedlich stark aufgenommen werden. So entsteht durch Verschattung und Aufhellung eine Abbildung des Körperinneren. Für eine bessere Unterscheidung der einzelnen Strukturen wird dem Patienten zuvor ein Kontrastmittel verabreicht. Auch in einer CT werden Röntgenstrahlen eingesetzt: Eine Röntgenröhre umkreist den Patienten und sendet gleichzeitig ein dünnes Röntgenstrahlbündel aus, um den zu untersuchenden Bereich aus mehreren Richtungen zu röntgen. Dabei entstehen Schnittbilder des Körpers, die einer detaillierten Ansicht dienen. Schnittbilder können außerdem in einer MRT erstellt werden, die dazu keine Röntgenstrahlen einsetzt, sondern ein starkes Magnetfeld und Radiowellen

Sie haben Fragen und wünschen eine persönliche Beratung zu gesundheitlichen und gesundheits- sowie sozialrechtlichen Themen?

Unsere UPD-Experten beantworten Ihre Fragen:

Wichtiger Hinweis: Bitte schicken Sie uns keine Original-Unterlagen mit der Post zu, sondern ausschließlich Kopien. Wir können leider keine Rücksendung Ihrer Unterlagen vornehmen. Aus Datenschutzgründen werden Ihre Dokumente nach der Bearbeitung Ihres Anliegens ordnungsgemäß vernichtet.

© 2017 UPD Patientenberatung Deutschland gGmbH – Dieses gesundheitsbezogene Informationsangebot dient lediglich Ihrer Information und ersetzt in keinem Fall eine persönliche Beratung, Untersuchung oder Diagnose durch einen approbierten Arzt. Die zur Verfügung gestellten Inhalte können und dürfen nicht zur Erstellung eigenständiger Diagnosen und/oder einer Eigenmedikation verwendet werden.