Lungenembolie

Krankheitsbild Lungenembolie

Was ist eine Lungenembolie?
Eine Lungenembolie ist der Verschluss eines oder mehrerer Blutgefäße, die vom Herzen in die Lunge führen. Der Verschluss entsteht durch Einschwemmung von Blutgerinnseln (Thrombembolie) aus Körpervenen des Körpers. Seltener entstehen Lungenembolien durch Fettpartikel (Fettembolie), Luftblasen (Luftembolie) oder Fremdkörper.

Entstehung
Aufgrund einer verminderten Fließgeschwindigkeit des Blutes, durch Veränderungen an der Innenwand der Gefäße oder durch Störungen in der Blutgerinnung kann sich ein Pfropf (Thrombus) aus Blutzellen und Eiweißen bilden, der in einem Gefäß hängen bleiben und es verstopfen kann (Thrombose). Dieser Blutpfropf kann sich aufgrund einer mangelnden Anheftung lösen und mit dem Blutfluss weitergeschwemmt werden. Er wird in der Lunge aufgrund der sich aufzweigenden Gefäße mit schließlich sehr geringem Durchmesser aufgehalten. Er verstopft dadurch das Gefäß und weitere dahinter liegende Gefäße, mit resultierendem vollkommenem Gefäßverschluss in der Lunge (Lungenembolie).

Für die Entstehung einer Thrombose gelten folgende Risikofaktoren:

  • Eine Verlangsamung des Blutflusses entsteht, wenn der Betroffene seine Muskeln über eine längere Zeit nicht bewegt, beispielsweise bei einer Ruhigstellung durch Gipsverbände, während und nach einer Operation, bei einer schweren Erkrankung, die zur Bettlägerigkeit führt, oder bei einer langen Flugreise. Natürlicherweise sorgt die Muskulatur für ein Zusammenpressen der Venen und beschleunigt so den Blutfluss in Richtung Herz. Ein langsamerer Blutfluss kann eine Thrombose begünstigen.
  • Veränderungen beziehungsweise Schäden an der Innenwand von Gefäßen können beispielsweise durch Rauchen, Krampfadern, Entzündungen oder Verletzungen der Gefäße entstehen und erhöhen ebenfalls das Risiko für die Bildung von Blutgerinnseln.
  • Die Gerinnbarkeit des Blutes ist Schwankungen unterworfen. Insbesondere Operationen und größere Verletzungen lassen das Blut schneller gerinnen. Dies ist ein natürlicher Schutzmechanismus des Körpers vor Blutverlust. Auch einige Medikamente, zum Beispiel die Antibabypille, können die Blutgerinnung beschleunigen und Blutgerinnsel wahrscheinlicher machen. Außerdem kann eine erhöhte Gerinnbarkeit des Blutes aufgrund einer vererbten Veranlagung oder einer Krebserkrankung einer Thrombose zugrunde liegen.

Der Thrombus kann sich von seinem Entstehungsort lösen und mit dem Blutstrom weitertransportiert werden. Die Gerinnsel, die in die Lunge gelangen, stammen ursprünglich überwiegend aus den Bein- und Beckenvenen. Die Lungengefäße werden daraufhin verstopft, sodass der Blutfluss entweder behindert oder sogar verhindert wird. Ist ein Blutgefäß, das vom Herzen zur Lunge führt, verschlossen, wird der betroffene Lungenabschnitt nicht mehr durchblutet. Damit kann er nicht mehr vom Blut mit Sauerstoff versorgt werden. Die Folge ist ein Sauerstoffmangel und zusätzlich eine Belastung der rechten Herzkammer, da diese bei einer Lungenembolie gegen einen erhöhten Druck anpumpen muss.

Ältere Menschen, Raucher, Übergewichtige, Menschen mit Krampfadern und Krebskranke haben ein erhöhtes Risiko für eine Lungenembolie. Schwangere, die aufgrund der Hormonveränderungen und mechanischer Behinderung des Blutflusses durch die vergrößerte Gebärmutter sind ebenfalls gefährdet. Weitere Risikofaktoren sind Bettlägerigkeit (beispielsweise nach einer Operation), die Einnahme der Antibabypille oder von Hormonen (Östrogene) und langes Stillsitzen (beispielsweise auf langen Flügen).

Krankheitszeichen
Anzeichen für eine Lungenembolie sind eine beschleunigte Atmung, Atemnot, Schmerzen im Brustkorb, Husten und blutiger Auswurf sowie Fieber. Auch Herzschmerzen, Herzrasen und Herzrhythmusstörungen können auf eine Lungenembolie hinweisen. Bei größeren Embolien können sich ein niedriger Blutdruck bis hin zum Kreislaufschock sowie eine Blaufärbung der Lippen einstellen. Bedrohliche Anzeichen sind plötzliche Atemnot, Angst bis hin zu Todesangst sowie ein Ausfall des Herz-Kreislauf-Systems (Herz-Kreislaufversagen). Zeichen, wie eine Beinschwellung, Schmerzen, ein Schwere- oder Spannungsgefühl oder eine bläuliche Verfärbung des betreffenden Beines können häufig bei Patienten mit einer tiefen Beinvenenthrombose entstehen.

Verschiedene Ausprägungen/Verläufe
Lungenembolien werden nach ihrem Schweregrad in vier Gruppen eingeteilt. Dieser ist abhängig von der Größe des verschlossenen Gefäßes und damit von der Größe des nicht durchbluteten Lungenabschnittes: Je größer der betroffene Lungenabschnitt, desto heftiger und lebensbedrohlicher sind die Krankheitszeichen. Kleine Embolien sind meist nur mit leichten oder gar keinen Beschwerden verbunden. Bei Patienten mit einer vorbestehenden Erkrankung der Lunge oder des Herzens können allerdings auch schon kleine Lungenembolien zu massiven Komplikationen führen. Große sogenannte fulminante Lungenembolien gehen in der Regel mit starker Luftnot und drohendem Herz-Kreislaufversagen einher, die unter Umständen eine künstliche Beatmung oder Kreislaufwiederbelebung notwendig machen.

Diagnostik Lungenembolie

Die Diagnose einer Lungenembolie ist schwierig: Viele Untersuchungsmethoden können nur Hinweise geben beziehungsweise dabei helfen, andere Erkrankungen auszuschließen. Um indirekte Hinweise auf das Vorliegen einer Lungenembolie zu finden, werden das Herz, das Blut und die Lunge untersucht.

Wenn der Verdacht auf eine Lungenembolie besteht, führt der Arzt zunächst eine gründliche körperliche Untersuchung durch. Er hört und klopft die Lunge ab. Puls und Blutdruck werden gemessen, um die Kreislauffunktion abzuschätzen. Der Arzt untersucht die Herzfunktion anhand eines sogenannten Elektrokardiogramms (EKG). Das ist ein medizinisches Untersuchungsverfahren, bei dem die elektrische Aktivität des Herzmuskels als Kurve aufgezeichnet wird. Daran kann sich eine Ultraschalluntersuchung des Herzens (Echokardiografie) anschließen. Das Prinzip einer Ultraschalluntersuchung beruht auf der Anwendung von Ultraschallwellen, die in den Körper gelenkt werden. Dort werden sie je nach Struktur und Konsistenz des zu untersuchenden Gewebes reflektiert, das Echo wird registriert und in ein Bild vom Inneren des Körpers umgewandelt.

Durch eine Blutuntersuchung können Stoffe (D-Dimere) bestimmt werden, die durch Körpereiweiße von den Blutgerinnseln abgespalten werden. Auch der Sauerstoffgehalt des Blutes kann gemessen werden (Blutgasanalyse, BGA), um gegebenenfalls einen Mangel an Sauerstoff festzustellen.

Die Lunge wird zunächst mit einer Röntgenuntersuchung überprüft. Dabei wird der Brustkorb mit Röntgenstrahlen bestrahlt. Diese werden von verschieden dichten Geweben unterschiedlich stark aufgenommen, sodass durch Verschattung und Aufhellung eine Abbildung des Organs entsteht.

Bewiesen oder ausgeschlossen werden kann eine Lungenembolie letztendlich nur durch eine sogenannte Lungenszintigraphie oder eine Darstellung der Lungengefäße (CT-Angiografie). Bei der Lungenszintigraphie wird eine radioaktive Substanz in die Venen gespritzt, eine weitere radioaktive Substanz muss vom Patienten eingeatmet werden. Diese Stoffe reichern sich entweder in der Atemluft der Lunge oder in den Blutgefäßen an, sodass der Arzt beurteilen kann, welche Bereiche mit Blut durchflossen und welche Lungenabschnitte mit Atemluft belüftet werden. Diese Szintigraphie sollte allerdings nur bei kreislaufstabilen Patienten durchgeführt werden. Bei der Gefäßdarstellung wird ein Kontrastmittel in die Venen gespritzt. Mit den CT-Geräten kann die Beschaffenheit der Lungengefäße direkt abgebildet und ihre Durchgängigkeit beurteilt werden. Diese Untersuchung ist inzwischen in Deutschland in vielen Kliniken möglich und sehr schnell auch im Notfall durchführbar.

Untersuchungen nach Diagnose
Wenn der Patient den durch die Lungenembolie bedingten lebensbedrohlichen Zustand überstanden hat und die entsprechende Therapie eingeleitet ist, erfolgen Untersuchungen zur Ursache des Gerinnsels. Da Becken- und Beinvenenthrombosen am häufigsten der Grund für eine Lungenembolie sind, wird eine Ultraschalluntersuchung der Beinvenen (Doppler-Sonografie, Duplex-Sonografie) durchgeführt. Dabei nutzt der Arzt einen besonderen physikalischen Effekt, den Dopplereffekt. Dieser ermöglicht, dass er neben dem Bild des Organs, das er durch die Ausbreitung der Ultraschallwellen im Körper erhält, außerdem die Bewegungen zum Beispiel von Körperflüssigkeiten erkennen kann. So kann der Blutfluss in den Beinvenen beurteilt werden, der bei einer Thrombose vermindert ist. Unter Umständen – allerdings eher selten – wird auch eine Röntgenuntersuchung mit Kontrastmittel zur Abbildung der Beinvenen (Phlebografie) durchgeführt. Dem Patienten wird im Stehen das Kontrastmittel in eine Fußrückenvene gespritzt. Danach wird eine Röntgenaufnahme des Beines erstellt.

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