Magenschleimhautentzündung

Krankheitsbild der Magenschleimhautentzündung

Was ist eine Magenschleimhautentzündung?
Bei einer Magenschleimhautentzündung ist die Gewebeschicht, die das Innere des Magens auskleidet, entzündet.

Entstehung
Mit der Entzündung reagiert die Magenschleimhaut zeitnah auf verschiedene Ursachen: Hierzu gehören Infektionen mit Mikroorganismen wie zum Beispiel mit dem Bakterium Helicobacter pylori (H. pylori), Stress, Schocksituationen, schwere Verbrennungen, Verletzungen oder auch chemische Reize durch Alkohol, Rauch oder bestimmte Medikamente. Sie können die Funktion der Magenschleimhaut − der Schutz vor dem sauren Milieu des Magens, Mageninhalt und eindringenden Krankheitserregern – negativ beeinträchtigen. Bei einer Schädigung der Magenschleimhaut kommt es dann zum Entzündungsprozess.
Zunächst erfolgt eine Einteilung in akute und chronische Entzündung. Die akute Entzündung wird durch Medikamente, Rauchen oder Alkohol, akuten Stress oder schwere Erkrankungen mit Versagen der Organe, jedoch auch durch bakterielle oder virale Infektionen ausgelöst.
Unbehandelt kann eine Magenschleimhautentzündung zur dauerhaften (chronischen) Erkrankung werden. Hier lassen sich drei verschiedene Typen unterscheiden:

  • Typ-A-Gastritis

Bei der Typ-A-Gastritis richtet sich die Immunabwehr des Körpers gegen die Schleimhaut des Magens (Autoimmungastritis). Im Verlauf der Erkrankung kann es zu einer Störung der Nahrungsverwertung kommen: Bestimmte Nahrungsbestandteile können dann nicht mehr in ausreichenden Mengen aus dem Verdauungstrakt aufgenommen werden. So kann im Körper ein Mangel an Vitamin B12 und damit eine Blutarmut (perniziöse Anämie) entstehen. Die Typ-A-Gastritis kann das Risiko einer Magenkrebserkrankung erhöhen.

  • Typ-B-Gastritis

Die Typ-B-Gastritis wird durch eine Infektion der Magenschleimhaut durch das Bakterium Helicobacter pylori verursacht. Bevorzugt betroffen sind der mittlere sowie der ausgangsnahe Abschnitt des Magens (Korpus und Antrum).

  • Typ-C-Gastritis

Bei der Typ-C-Gastritis wird die Magenschleimhaut zum Beispiel durch übermäßigen Alkohol- und Tabakgenuss sowie durch Medikamente gereizt. Dazu gehören Wirkstoffe, die zur Entzündungshemmung, Schmerzlinderung und Fiebersenkung (Nichtsteroidale Antiphlogistika/Antirheumatika (NSAR/NSAID) einschließlich Acetylsalicylsäure (ASS)) und solche, die zur Vermeidung der Blutgerinnung (Thrombozytenaggregationshemmer und Antikoagulantien) eingesetzt werden. Ebenso Wirkstoffe mit Ähnlichkeit zu Nebennierenrindenhormonen (Glukokortikoide), die zur Entzündungshemmung oder Unterdrückung der Immunabwehr genutzt werden. Auch der Rückfluss von Gallenflüssigkeit in den Magen kann Entzündungen der Magenschleimhaut verursachen.

Krankheitszeichen
Die Anzeichen einer Magenschleimhautentzündung sind relativ unspezifisch. Es gibt kein typisches Beschwerdebild. Akut können Völlegefühl, Schmerzen im Oberbauch, Übelkeit bis hin zu Brechreiz und Erbrechen auftreten. Kommt es zur Blutung, kann sich der Stuhl schwarz verfärben (Teerstuhl). Sehr selten erbrechen die Betroffenen Blut.
Chronische Magenschleimhautentzündungen verursachen zunächst keine oder nur geringfügige Beschwerden. Aus einer chronischen Magenschleimhautentzündung des Typs B oder C kann sich mit der Zeit ein Magengeschwür entwickeln. Die Folgen der Schädigung der Magenwand können Magenblutungen und ein Magendurchbruch sein. Insbesondere die Typ-B-Gastritis gilt als Risikofaktor für die Entstehung von Magenkrebs (Magenkarzinom). Der Mechanismus, über den eine Infektion mit H. pylori zu Krebs führt, ist bislang ungeklärt. Bei der Typ-A-Gastritis besteht wahrscheinlich ein Zusammenhang zwischen dem Schwund an säurebildenden Zellen und der Entstehung von Magenkrebs.

Diagnostik der Magenschleimhautentzündung

Zunächst tastet der Arzt im Rahmen einer körperlichen Untersuchung die Magenregion bzw. den Oberbauch ab, um den Ausgangsort der Beschwerden einzugrenzen. Um den Verdacht auf eine Magenschleimhautentzündung zu erhärten und andere Erkrankungen des Magens auszuschließen, wie zum Beispiel eine Refluxkrankheit oder einen Reizmagen, wird der Arzt eine Magenspiegelung (Ösophago-Gastroduodenoskopie) durchführen. Sie kann ambulant oder stationär durchgeführt werden. Sie dauert etwa 15 bis 30 Minuten. Dabei wird ein Spiegelungsschlauch (Endoskop) durch den Mund über den Rachen, die Speiseröhre, den Magen bis zum Zwölffingerdarm vorgeschoben. Im Rahmen dieser Untersuchung kann der Arzt kleine Gewebestückchen (Biopsien) aus den auffälligen Magenabschnitten entnehmen und feingeweblich untersuchen lassen.
Auf diese Weise lassen sich die Typen der Gastritis genau unterscheiden. Außerdem dient die feingewebliche Untersuchung auch dem Nachweis des Erregers Helicobacter pylori sowie einer möglichen bösartigen Neubildung der Magenschleimhaut. Eine Untersuchung der Atemluft kann ebenfalls Hinweise auf eine Infektion mit H. pylori geben (Helicobacter-Atemtest). Bei besonderen Fragestellungen können weitere Untersuchungsverfahren zum Einsatz kommen, so zum Beispiel eine Röntgenuntersuchung des Magens und des Dünndarms.

Therapie der Magenschleimhautentzündung

Die akute Magenschleimhautentzündung klingt im Normalfall binnen weniger Tage von selbst ab. Wenn die Beschwerden durch den Lebensstil − wie zum Beispiel Ernährung, Alkohol- und Tabakkonsum oder Stress − ausgelöst werden, sollten diese Faktoren gemieden werden.

  • Die Typ-A-Gastritis lässt sich nicht ursächlich behandeln. Allerdings können die als Folge der Erkrankung auftretende Blutarmut und auch die neurologischen Störungen gut symptomorientiert behandelt werden, nämlich durch die Verordnung von Vitamin B 12. Diese erfolgt meistens noch durch monatliche Spritzen, da die Erkrankung die Aufnahme des Vitamins im Magen-Darm-Trakt stört. Inzwischen weiß man allerdings, dass die Einnahme einer hohen Dosis in Form von Vitamin-B12-Tabletten (1000 bis 2000 Mikrogramm) täglich genauso effektiv ist wie die monatliche Injektionen zur Korrektur der Blutarmut und der neurologischen Komplikationen.
  • Die Typ-B-Gastritis wird in der Regel mit einer Kombination aus mehreren Antibiotika und Medikamenten behandelt, die die Bildung von Magensäure hemmen. Dazu zählt die sogenannte Triple-Therapie. Nebenwirkungen dieser Behandlung sind selten. Es kann aber zu Übelkeit und Erbrechen, Magen-Darm-Beschwerden, Verdauungsstörungen, Kopfschmerzen, Blutbildveränderungen oder allergischen Reaktionen kommen.
  • Bei einer Typ-C-Gastritis sollten Betroffene auf die regelmäßige Einnahme der die Magenschleimhaut reizenden Substanzen verzichten. Bei notwendiger Einnahme von Medikamenten sollten gemeinsam mit dem behandelnden Arzt magenschonende Alternativen besprochen werden. Gegebenenfalls kann eine ergänzende Behandlung mit Medikamenten hilfreich sein, die die Produktion von Magensäure hemmen.

Prävention/Vorsorge der Magenschleimhautentzündung

Das Risiko für eine Magenschleimhautentzündung kann gesenkt werden, indem die Auslöser für Schädigungen vermieden werden. Dazu zählen bestimmte Nahrungsmittel (Geräuchertes, scharf Gebratenes, Fett, Alkohol, Süßigkeiten, einige Gewürze) und Genussmittel (Kaffee), die die Produktion von Magensäure anregen und dadurch die Magenschleimhaut reizen. Auch die Menge, die Zusammensetzung der Mahlzeiten und die Tageszeit, zu der sie eingenommen werden, haben Einfluss darauf, wie stark und wie lange die Säure auf die Schleimhaut einwirken kann. Zudem können traditionelle Hausmittel (zum Beispiel Kräutertees und Heilerde) helfen, Schäden zu vermeiden oder zu verringern. Schließlich kann sich die Vermeidung von Stress günstig auswirken.

Disclaimer

Dieser Text dient ausschließlich der Information und soll Erkrankten und ihren Angehörigen erste Inhalte vermitteln, um einzelne Untersuchungs- und Therapieschritte besser verstehen zu können. Diese Informationen ersetzen keinen Arztbesuch und sind keine Aufforderung zur Selbstbehandlung und dürfen nicht zur Erstellung eigenständiger Diagnosen und/oder einer Eigenmedikation verwendet werden.

Der Text erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit


Erstellungsdatum: 01.11.2001
Letzte Aktualisierung: 30.11.2018

Herausgeber: Unabhängige Patientenberatung Deutschland, UPD

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