Masern

Krankheitsbild der Masern

Was sind Masern?
Bei Masern handelt es sich um eine hochansteckende Virusinfektion (Masernvirus), die sich insbesondere in einem charakteristischen Hautausschlag äußert. Sie kann unter Umständen zu lebensbedrohlichen Komplikationen führen. Masern sind keine reine Kinderkrankheit; auch Jugendliche und Erwachsene können betroffen sein.

Entstehung
Masern werden von Mensch zu Mensch übertragen. Nahezu jeder Kontakt mit Erkrankten führt zu einer Infektion. Beim Niesen, Husten oder Sprechen werden Krankheitserreger in kleinen Speicheltröpfchen in die Luft katapultiert und treffen auf weitere Personen. Masernerreger können sich über weite Strecken ausbreiten. Eine Ansteckung ist auch ohne direkten Körperkontakt möglich. Die Viren werden auch direkt über die Schleimhäute der oberen Atemwege übertragen, zum Beispiel beim Küssen.

Anstecken kann sich jeder, der nicht ausreichend gegen Masern geschützt ist – also Personen ohne ausreichenden Impfschutz oder ohne durchgestandene Masernerkrankung. Bei bereits an Masern erkrankten Menschen hinterlässt das Virus eine Immunität. Wer einmal Masern hatte, kann sich kein zweites Mal anstecken. Das Immunsystem hat dann einen ausreichenden Schutz gegen Masern gebildet.

Eine erkrankte Person ist etwa acht bis neun Tage nach der Infektion ansteckend, obwohl zu diesem Zeitpunkt noch keine Krankheitszeichen erkennbar sind. Nach Auftreten des Hautausschlages sind Betroffene noch etwa vier Tage lang ansteckend.

Krankheitszeichen
Etwa zehn Tage nach der Ansteckung (Inkubationszeit) treten die ersten Beschwerden auf. Die Erkrankung verläuft in zwei Phasen.

Im Vorstadium kommt zu Fieber, Husten, Schnupfen eine Bindehautentzündung (Konjunktivitis) hinzu. Charakteristische Flecken bilden sich im Mund, an der Wangenschleimhaut und am Gaumen. Diese Symptome halten etwa drei bis vier Tage an.

Wenige Tage später tritt der typische Hautausschlag (Exanthem) auf, begleitet von einem steilen Anstieg des Fiebers. Der Hautausschlag besteht aus etwa zwei bis fünf Millimeter großen roten Flecken, die im weiteren Verlauf aufeinander zuwachsen und leicht erhaben sind. Gelegentlich können die Flecken blutunterlaufen sein. Sie beginnen meist hinter den Ohren, am Hals oder im Gesicht und können sich innerhalb von drei Tagen auf Rumpf, Arme und Beine ausbreiten. Der Hautausschlag heilt nach ungefähr einer Woche ab und das Fieber sinkt. Im Verlauf kann es zu einer feinen Schuppung der Haut kommen.

Eine Masernerkrankung schwächt die Abwehrkräfte über Wochen und macht den Patienten für nachfolgende Infektionen anfällig. Typisch für diese Erkrankung ist ein starkes Krankheitsgefühl.

Komplikationen einer Masernerkrankung können bakterielle Infektionen sein, wie Mittelohrentzündungen, Bronchitis, Lungenentzündung und Durchfälle.

Bei etwa einer von Tausend Masernerkrankungen ist die Gehirnentzündung eine schwerwiegende, teilweise tödlich verlaufende Komplikation.

Sehr selten kommt es erst nach sechs bis acht Jahren zu einer Entzündung des Gehirns durch die im Körper noch vorhandenen Masernviren (Subakute sklerosierende Panenzephalitis, SSPE). Diese Entzündung nimmt einen andauernden (chronischen) und schweren Verlauf und verläuft tödlich. Zu Beginn treten psychische und intellektuelle Veränderungen auf. Im Verlauf wird das Nervensystem beeinträchtigt, die Hirnfunktion kann komplett ausfallen. Kinder unter fünf Jahren sind besonders gefährdet.

Diagnostik von Masern

Der typische Verlauf der Erkrankung weist bereits auf die Masern hin. Ein ähnliches Krankheitsbild zeigt sich jedoch ebenfalls bei Röteln, Ringelröteln oder Scharlach. Daher ist eine Laboruntersuchung notwendig, um den Verdacht zu bestätigen.

Das Blutbild gibt ebenfalls Hinweise: Bei Masern kann im Blut eine Verminderung der weißen Blutkörperchen und Blutplättchen festgestellt werden.

Schnelle Hinweise auf eine Maserninfektion liefert ein Bluttest, in dem geprüft wird, ob der Körper typische Eiweiße – sogenannte spezifische Antikörper – gebildet hat.

In der Regel können die Antikörper etwa einen bis drei Tage nach dem Auftreten des Hautausschlags im Blut gefunden werden, meist sind sie bis zu sechs Wochen nachweisbar. Ein negatives Testergebnis kann allerdings keinen sicheren Ausschluss der Masern bieten. Deshalb sollte bei einem negativen Ergebnis zehn bis vierzehn Tage später die Blutuntersuchung wiederholt werden.

Auch das Virus selbst kann nachgewiesen werden. Die dafür verwendeten Proben können Urin oder ein Abstrich aus dem Mund (Zahnfleischtaschen oder Rachen) mit einem entsprechenden Schwämmchen sein. Die Proben sollten bis zu einer Woche nach Auftreten des Ausschlages genommen werden.

Therapie der Masern

Eine spezifische Therapie gegen das Masernvirus gibt es nicht. Bei komplikationslos verlaufenden Masern ist Bettruhe ausreichend. Gegebenenfalls wird das Fieber gesenkt und der Husten behandelt. Wie bei allen fieberhaften Erkrankungen sollte außerdem ausreichend getrunken werden. Die Behandlung der Krankheitszeichen richtet sich nach den jeweils betroffenen Organen.

Komplikationen durch bakterielle Infektionen werden in der Regel mit Medikamenten behandelt, die die Ausbreitung der Bakterien verhindern (Antibiotika). Je nach Schwere der Erkrankung kann auch die Einweisung in ein Krankenhaus erfolgen.

Prävention/Vorsorge der Masernerkrankung

Nur die Impfung kann vor einer Masernerkrankung, möglichen Komplikationen und Spätschäden schützen. Durch die sogenannte Lebendimpfung (Impfung mit abgeschwächten Masernerregern) werden ausreichend Antikörper gebildet, die im Fall einer Ansteckung den Ausbruch der Masern verhindern. Daher wird die Impfung von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlen. In diesem Rahmen werden die Kosten von den gesetzlichen Krankenversicherungen übernommen.

Kinder werden im Alter von elf bis 14 Monaten erstmals gegen Masern geimpft, frühestens ab neun Monaten. Um den Impfschutz zu vervollständigen, ist eine zweite Impfung nach vier Wochen notwendig. Die zwei Masernimpfungen führen zu einem lebenslangen Schutz.

Wurde das empfohlene Schema nicht durchgeführt, gibt es Strategien, um Kinder und Erwachsene zu schützen. Folgende Empfehlungen gelten für Personen, die nicht oder lediglich einmal gegen Masern geimpft worden sind oder deren Impfstatus unbekannt ist:

  •  Ungeimpfte Kinder und Jugendliche erhalten zwei Impfungen.
  • Erwachsene, die nach 1970 geboren worden sind, werden einmalig geimpft.
  • Erwachsene, die vor 1970 geboren worden sind, erhalten eine Impfung, wenn sie im Gesundheitsdienst oder in Gemeinschaftseinrichtungen arbeiten. Dies betrifft beispielsweise Menschen, die in Kindergärten oder Schulen arbeiten oder die Personen mit stark geschwächtem Immunsystem betreuen. 

Bei Erregerkontakt und bei unzureichendem Masernschutz kann eine Impfung bis drei Tage nach einer Ansteckung den Ausbruch der Erkrankung verhindern oder den Verlauf abschwächen. Die Impfung erfolgt als Kombinationsimpfung: Impfstoffe gegen Masern, Mumps, Röteln und gegebenenfalls Windpocken werden zusammen verabreicht. 

In der zweiten Woche nach der Impfung können die sogenannten Impfmasern auftreten. Dies betrifft etwa zehn bis 15 Prozent der Impflinge, besonders nach der ersten Impfung. Hierbei kann es zu leichtem Fieber sowie einem geringen Hautausschlag kommen. Die Impfmasern sind nicht ansteckend und verlaufen im Vergleich zur spontanen Masernerkrankung mild.

Das Ansteckungsrisiko sinkt durch Vermeidung von Kontakt mit infizierten Personen.

Nach dem Infektionsschutzgesetz dürfen daher an Masern erkrankte Menschen, solange sie ansteckend sind, keine Gemeinschaftseinrichtungen aufsuchen. Erkrankte Kinder dürfen nicht in den Kindergarten und nicht zur Schule gehen. Dies gilt auch schon bei Verdacht auf Masern. Ein behandelnder Arzt kann einschätzen, wann die Ansteckungsgefahr vorüber ist. Frühestens ist fünf Tage nach Auftreten des Hautauschlages damit zu rechnen.

Ein Krankheitsverdacht, eine Erkrankung und ein Todesfall sind meldepflichtig.

Disclaimer

Dieser Text dient ausschließlich der Information und soll Erkrankten und ihren Angehörigen erste Inhalte vermitteln, um einzelne Untersuchungs- und Therapieschritte besser verstehen zu können. Diese Informationen ersetzen keinen Arztbesuch und sind keine Aufforderung zur Selbstbehandlung und dürfen nicht zur Erstellung eigenständiger Diagnosen und/oder einer Eigenmedikation verwendet werden.

Der Text erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

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Erstellungsdatum: 06/2016
Letzte Aktualisierung: 09/2018

Herausgeber: Unabhängige Patientenberatung Deutschland, UPD

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